U21-Start gegen Serben

SIEG Österreichs wird von Horror-Foul überschattet

Österreichs Premiere bei der U21-Fußball-EM ist von Erfolg gekrönt gewesen. Die ÖFB-Auswahl setzte sich am Montag im Stadio Nereo Rocco des italienischen Drittligisten Triestina gegen Serbien 2:0 durch und ist damit erster Führender in der Gruppe B. Eingeleitet wurde der Erfolg vom später nach einem Horror-Foul verletzt ausgeschiedenen Hannes Wolf, der mit seinem Tor in der 37. Minute aus zweierlei Gründen Geschichte schrieb.

Es war Österreichs erster Treffer bei einer U21-Endrunde, erstmals in der ÖFB-Geschichte wurde ein Treffer nach Entscheidung des Video-Schiedsrichters gegeben. Und das zurecht, eine gepfiffene Abseitsstellung hatte es nicht gegeben. Der Video-Referee spielte auch nach der Pause eine entscheidende Rolle. Für ein zuerst nicht geahndetes Foul von Vukasin Jovanovic an Wolf sah der serbische Abwehrspieler im Nachhinein die Rote Karte. Bitter für Wolf, er schied mit Verdacht auf einen Bruch im Sprunggelenksbereich aus. Gut für Österreich: Sascha Horvath versenkte den verhängten Freistoß aus rund 20 Metern im langen Eck (78.). Österreich baute damit die ungeschlagene Pflichtspielserie auf neun Partien aus - die längste Serie seit 2007/08 - und darf nun realistischerweise vom Halbfinale träumen. Im Abendspiel in Udine setzte sich dann noch Deutschland gegen Dänemark mit 3:1 durch - für den Titelverteidiger traf Marco Richter doppelt (28., 52.), den dritten deutschen Treffer erzielte Luca Waldschmidt (65.). Die Dänen sind am Donnerstag in Udine Österreichs nächster Gegner.

ÖFB-Teamchef Werner Gregoritsch überraschte in der Aufstellung mit Mathias Honsak als Spitze. Sasa Kalajdzic, ÖFB-Stürmer mit serbischen Wurzeln, saß hingegen nur auf der Bank. Das Experiment dauerte vor 5421 Zuschauern allerdings nur rund 20 Minuten, dann wurde umgestellt, rückte Honsak auf seine angestammte Position ins Mittelfeld und rückte Wolf ganz nach vorne.

Dadurch lief es besser, der von Salzburg zu Leipzig wechselnde Offensivspieler war es auch, der die erste Chance vorfand, sein Schuss ging daneben (19.). Sonst war im Spiel nach vorne viel Stückwerk dabei, Fehlpässe waren immer wieder zu sehen. Mit Fortdauer der ersten Hälfte besserte sich aber auch das. Noch fehlte die Effizienz. Nach einem schönen Konter über Horvath scheiterte Xaver Schlager aus 13 Metern aus bester Position an Serbien-Tormann Boris Radunovic (29.). Die dritte Möglichkeit war von Erfolg gekrönt. Ein Honsak-Abschluss wurde ideal vor die Beine von Horvath abgelenkt und nach dessen Schuss an die Stange staubte Wolf aus kurzer Distanz ins leere Tor ab. Von den Serben war in der Offensive nichts zu sehen, sie konnten aus ihrem über weite Strecken spielerischen Übergewicht kein Kapital schlagen. Die erhoffte taktische Disziplin war bei Österreich ein Trumpf, die Räume wurden geschickt eng gemacht. Real Madrids Luka Jovic blieb vorerst völlig farblos.

Das änderte sich unmittelbar nach Wiederbeginn, da kamen die Serben mit viel Dampf aus der Kabine - bei einem Kopfball von Jovic nach Radonjic-Flanke rettete gleich einmal die Latte (50.). Quasi im Gegenzug hätte die Gregoritsch-Truppe aber alles klarmachen können, doch Schlager scheiterte wie schon in Hälfte eins an Radunovic (51.). Der zeichnete sich kurz darauf auch bei einem Abschluss von Honsak (55.) aus. Das Tempo war deutlich höher als zuvor, es ging munter hin und her. Österreich blieb gefährlicher. Bei einer Doppelchance von Wolf (62.) wurde zurecht Abseits gepfiffen, Schlager verstolperte den Ball beim Versuch den freien Honsak in der Mitte zu bedienen, Radunovic holte sich das Leder in höchster Not (64.). Danach ließen sich die Österreicher zu sehr in die Defensive drängen, bei einem Schuss von Radonjic aus vier Metern über das Tor (71.) war das nötige Glück da. Durch die nach Videobeweis verhängte Rote Karte und den gut getretenen Horvath-Freistoß bekamen die Österreicher die Partie wieder in den Griff und ließen nichts mehr anbrennen.

Das 3:0 lag gar noch in der Luft, Ivan Ljubic schoss drüber (89.). Österreich bewies, dass der 3:1-Testsieg gegen Frankreich bei der Generalprobe kein Zufall gewesen war. Für die in der Quali noch gegen Österreich ungeschlagen gebliebenen und von vielen Seiten als Geheimfavorit gehandelten Serben setzte sich eine Misserfolgsserie fort. Sie sind nun bei U21-EM-Endrunden schon elf Partien sieglos.

HIER gibt’s den Liveticker zum Nachlesen!

Das Ergebnis:
Gruppe B, 1. Runde:
Serbien - Österreich 0:2 (0:1)
Triest, Stadio Nereo Rocco, 5421 Zuschauer, SR Ekberg (SWE)
Tore: 0:1 (37.) Wolf, 0:2 (78.) Horvath
Rote Karte: Jovanovic (75./Torraub)
Gelbe Karten: Masovic, Gajic, Milenkovic, Jovic bzw. Lienhart, Ingolitsch
Serbien: Radunovic - Gajic, Milenkovic, Jovanovic, Bogosavac - Zivkovic, Masovic (58. Racic), Lukic, Radonjic - Pantic (58. Randjelovic), Jovic
Österreich: A. Schlager - Ingolitsch, Danso, Posch, Ullmann - Ljubic, Lienhart (77. Kalajdzic) - Horvath, X. Schlager, Wolf (77. D. Ljubicic) - Honsak (84. Balic)

Die Stimmen zum Spiel
Sascha Horvath (Torschütze Österreich): „Das Tor freut mich extrem. Aber es war wichtig für uns alle. Es ist richtig geil, was wir hier erleben. Dass das erste Spiel so aufgeht ist ein Traum.“
Über Wolfs Verletzung: „Ich wollte noch mit ihm reden, aber er war komplett fertig. Ich hoffe, es ist nicht ganz schlimm. Die ganze Mannschaft steht hinter ihm.“
Stefan Posch (Verteidiger Österreich): „Wir hätten mehr Tore machen müssen, bei den Chancen, die wir hatten. Aber wir können stolz sein auf unsere Leistung, wie wir Österreich vertreten haben. Es war der erste Schritt, wo wir hinwollen. Den zweiten können wir am Donnerstag machen. Unsere Stärke ist der Teamgeist, wie wir zusammen auftreten. Das hat uns auch heute ausgemacht.“
Werner Gregoritsch (Österreich-Teamchef): „Es ist natürlich ein besonderer Erfolg, wenn du zum ersten Mal teilnimmst und dann auch gleich das erste Spiel gewinnst. Wir haben gegen eine starke Serbien-Mannschaft gezeigt, dass wir sie so bespielen können, dass sie verlieren. Die Mannschaft hat alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Die defensive Leistung war stark, wir waren kompakt und das Umschaltverhalten war auch gut. Es ist alles aufgegangen, ich bin sehr stolz auf die Jungs. Das einzige was man bemängeln kann, ist, dass wir normalerweise noch drei, vier Tore mehr machen hätten müssen.“
Goran Djorovic (Serbien-Teamchef): „Wir können es viel besser, Österreich hat gut gespielt und war besser. Wir hatten zu Beginn des Spiels schon Probleme. Körperlich waren wir schon bereit, wir haben aber unsere Leistung nicht wie gewünscht auf den Platz gebracht. Bei der EM gibt es keine einfachen Gegner. Wir werden alles geben im nächsten Match und hoffen, dass es da besser läuft.“

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