Mi, 26. Juni 2019
19.05.2019 13:05

Interview

Claro-Gründer Dygruber:Von Krise zu neuen Modellen

Josef Dygruber kennt als Chef und Gründer der Firma claro die umkämpfte Reinigungsmittel-Branche. Er erzählt, warum eine drohende Unternehmens-Insolvenz ihm half, sein Geschäftsmodell zu finden, gibt Einblicke in Projekte und verrät seine Vision, im Mondseeland eine Öko-Fabrik samt Schauproduktion zu errichten.

Herr Dygruber, reden wir über Geld. Was bedeutet es für Sie?

Keine einfache Frage. Geld ist bestimmt wichtig. Für mich steht es aber nicht im Vordergrund. Die Freiheit, die ich empfinde, ist viel größer als bei meiner Unternehmensgründung vor 24 Jahren, als ich das Geld noch dringender gebraucht hätte. Es ist zwar notwendig, aber mir nicht wichtig.

Sie leben heute gut von ihrer Firma?

Das war nicht immer so. Wir waren 2012 ganz knapp an der Pleite dran: Das Umsatz-Niveau war damals so hoch wie heute (Anm. 20 Millionen Euro), nur hatten wir am Ende des Jahres eine Million Euro Verlust. Wir hatten nur noch acht Prozent Eigenkapital-Quote und sind knapp an der Insolvenz vorbei geschrammt.

Und dann?

Ich hab selbst die Reorganisation eingeleitet: Wir haben unser Geschäftsmodell verändert, uns von nicht profitablen Dingen getrennt, den Umsatz auf 13 Millionen Euro heruntergefahren und neue Vertriebskanäle gesucht, die für die Firma Sinn machen. Hätten wir nur mit Handel und Drogeriefachhandel weitergemacht, würde es claro nicht mehr geben.

Welche neuen Kanäle haben Sie entdeckt?

Wir hatten in der Krise schon die Miele-Kooperation und auch die Marke claro, machten aber 70 Prozent des Umsatzes als Lohnhersteller für den Handel. Heute ist der Umsatz-Anteil genau umgekehrt: Wir sind weg vom Massenmarkt und haben Nischen gesucht, wie Biomärkte, Strukturvertrieb, Online, Elektro- und Sportfachhandel, die wir mit eigenen Marken, wie clearwhite, beliefern. Aber nicht alles ist aufgegangen, etwa die Scheibenreinigungstabs. Wir haben viel probiert – anders als in den Riesenkonzernen, wo Manager mit befristeten Verträgen arbeiten, hatten wir Zeit und eine Vision, unsere Marke.

Haben Sie keinen Respekt vor dem unternehmerischen Erfolg dieser Unternehmen?

Doch, absolut. Uns war aber klar, dass es schwierig wird, wenn die Großen auf uns aufmerksam werden. Da sind wir froh, auch andere Vertriebswege zu haben.

Wo sehen Sie sich heute, also sieben Jahre später?

Wir sind profitabel, schuldenfrei und werden heuer 20 Millionen Umsatz machen. Wenn du durch die Hölle gehst und nachher eine Situation hast, in der das Geschäftsmodell greift, befriedigt das unheimlich. Das ist mir mehr Wert als Geld, das morgen weg sein kann. Ich sehe mich eine Viertelstunde unter dem Gipfel, aber die wird noch dafür anstrengend werden.

Ihr Wunsch?

Ich wünsche mir, dass claro in zehn Jahren eine globale Marke ist. Und ich glaube auch, dass es dann Leute geben wird, die per Bus kommen, um unsere neuerrichtete Öko-Fabrik samt Schauproduktion zu besuchen. Wir platzen aus allen Nähten und suchen Platz, um weiter wachsen zu können.

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