Fr, 16. November 2018

„Es gibt auch Samsung“

14.08.2018 14:18

Handelskrieg: Erdogan will das iPhone boykottieren

Als Reaktion auf Sanktionen und Strafzölle der USA gegen die Türkei hat Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan einen Boykott elektronischer Produkte aus den USA, allen voran von Apples iPhone, angekündigt. Die Türkei werde in Zukunft einfach selber qualitativ hochwertige Waren produzieren und diese auch exportieren, so Erdogan.

„Wir werden einen Boykott gegen elektronische Geräte aus den USA verhängen. Sie haben das iPhone, doch auf der anderen Seite gibt es Samsung“, sagte Erdogan mit Bezug auf den US-Handyhersteller Apple und den südkoreanischen Konkurrenten. Außerdem habe die Türkei ihre eigene Marke Vestel. Apple-Produkte sind in der Türkei sehr verbreitet und werden auch von Erdogan selbst benutzt.

Schon seit Tagen kursiert im Kurzmitteilungsdienst Twitter die Forderung, keine Reklame mehr bei US-Firmen zu schalten. Die Fluglinie Turkish Airlines schloss sich am Dienstag der Bewegung an und verkündete, die notwendigen Anweisungen erteilt zu haben.

Verhältnis zwischen USA und Türkei angespannt
Das Verhältnis der Türkei zu den USA ist seit längerem angespannt, hat sich zuletzt aber wegen des Streits um die Inhaftierung des US-Pastors Andrew Brunson noch einmal verschlechtert. Der evangelikale Pfarrer sitzt seit Oktober 2016 unter Spionage- und Terrorvorwürfen in türkischer Untersuchungshaft. Anfang August verhängte US-Präsident Donald Trump in dem Fall Sanktionen gegen zwei türkische Minister, woraufhin die Lira drastisch einbrach.

Insgesamt war die Rede Erdogans aber gemäßigter als die Ansprachen in den vergangenen Tagen. Die Lira hatte am Vormittag leicht zugelegt, nachdem am Montag die Zentralbank und andere Regierungsbehörden erste Notfallmaßnahmen gegen den rasanten Lira-Verfall ergriffen hatten. Außerdem will Finanzminister Berat Albayrak am Donnerstag per Telefon-Konferenz mit Investoren unter anderem aus den USA und Europa sprechen.

Erdogan versicherte in seiner Rede, dass die Türkei „eines der stärksten Bankensysteme“ der Welt habe. Zwei wichtige türkische Wirtschaftsverbände, der Unternehmerverband TÜSIAD und die Union der Kammern und Börsen in der Türkei (TOBB) erklärten am Dienstag ebenfalls, die Wirtschaft der Türkei stehe auf einem stabilen Fundament. Sie forderten aber auch sofortige Maßnahmen von der Regierung in Ankara und betonten, die Beziehungen zu „unserem wichtigsten Wirtschaftspartner“, der Europäischen Union, müssten gestärkt werden. Allerdings: Auch das Verhältnis zu Europa ist angespannt - vor allem zu Deutschland.

Deutsche Staatsbürger in türkischen Gefängnissen
Seit dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei im Juli 2016 sind auch Dutzende Deutsche aus politischen Gründen festgenommen worden. Nach Angaben aus der vergangenen Woche sind sieben von ihnen weiterhin in Haft. Der prominenteste, der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel, war im Februar freigelassen worden.

Die deutsche Regierung will Erdogan Ende September zu einem Staatsbesuch empfangen. In Deutschland regt sich jedoch Widerstand. FDP-Chef Christian Lindner sagte der Deutschen-Presse Agentur, ein groß angelegter Staatsbesuch wirke „wie ein Propagandasieg“ für Erdogan. Er werde damit aufgewertet in seinen Bemühungen, „aus seinem Land eine Präsidialdiktatur zu machen“. Besser wäre ein reiner Arbeitsbesuch.

Erdogan war Ende Juni als Staatspräsident wiedergewählt worden. Im neu eingeführten Präsidialsystem genießt er weitreichende Vollmachten und kann mit Dekreten regieren.

 krone.at
krone.at

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Gruppensieg möglich
Siegestor in Minute 93! Kroatien schlägt Spanien
Fußball International
3:0-Testspielsieg
Starke Deutsche lassen Russland keine Chance
Fußball International
Test in Dublin
Österreich-Gegner Nordirland holt 0:0 gegen Irland
Fußball International
0:0 gegen Bosnien
Ausgeträumt! Österreich für Gruppensieg zu harmlos
Fußball International
Guatemala chancenlos
Dabbur-Doppelpack bei 7:0-Sieg von Herzogs Israel
Fußball International
„Irgendwas verdeckt“
Untreue! Ex-Landesvize Pfeifenberger verurteilt
Österreich
Verfahren eingestellt
Keine Anklage gegen ORF-Moderator Roman Rafreider
Österreich
krone.at-Interview
Katzian: „Freiwilligkeit ist immer nur ein Fake“
Video Show Krone-Talk
Vor Ländermatch
Pyro-Marsch! Bosnien-Fans zündeln in Wiener City
Fußball International
„Nicht zu akzeptieren“
Ohrfeige kostet Ribery und Robben Sport-Bambi
Fußball International

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.