Fr, 20. Juli 2018

Stark gereift

24.06.2018 14:51

Kia Ceed: Der neue Golf-Schläger ist den Makel los

Der Kia Ceed ist nicht wiederzuerkennen: So spritzig, modern und doch sachlich hat keine der beiden Vorgängergenerationen ausgesehen und der erste Fahreindruck löst Begeisterung aus. „Es gab einiges zu tun“, sagt Fahrdynamiker Gert-Jan Teunis bei der Präsentation in Portugal. Offenbar haben sie jeden Makel bereinigt - sogar den im Modellnamen.

Das größte Problem am Ceed bisher war, dass man nie wusste, ob er C‘eed, Cee‘d oder doch Ce‘ed hieß. Ab sofort ist Schluss mit dem Apostroph-Unsinn, der Koreaner, der keiner ist, ist erwachsen geworden und wirkt durch und durch europäisch. Kein Wunder: in Europa entworfen, entwickelt, getestet, sogar gebaut - in Asien wird er nicht einmal verkauft.

Obwohl das ganz Auto komplett neu ist, blieben Außenlänge (4,31 Meter) und Radstand (2,65 Meter) gleich. Die Proportionen wurden hingegen sportlicher, die Linien sind nun grundsätzlich horizontal orientiert. An der Front schnuppert die Tigernase von Kias neuer emotionaler Speerspitze Stinger Richtung Straße, in den Scheinwerfern erstrahlen (schon im Basismodell) je vier Tagfahr-LEDs. welche wie der Vierer auf dem Würfel angeordnet sind. Das haben wir schon mal gesehen? Ja, das ist die neue Lichtsignatur von Porsche.

Das Heck ist spannender gezeichbet als das vieler Konkurrenten, auch wenn es ein wenig an Opel erinnert; entfernt man Markenlogo und Modellbezeichnung, wird es schwer, den neuen Ceed als Kia zu erkennen. Was es aber nur hier gibt: Die scharfen LEDs machen den Kompakten sozusagen zur Dauerlichtgestalt - sie leuchten immer, auch tagsüber. Das wird sicherheitstechnisch nicht wirklich was bringen, sieht aber gut aus.

Mehr Porsche als Opel ist das Fahrverhalten, an dem man die Handschrift von Albert Biermann, dem 2014 zu den Koreanern gewechselten langjährige Entwicklungschef der BMW M GmbH erkennt. Mit der direkten, präzisen Lenkung und dem knackigen Fahrwerk (hinten Mehrlenker!) kommt richtig Spaß auf. Vor allem wenn unter der Haube der neue 1,4-Liter-Turbo-Benziner mit 140 PS steckt, der den 1,2-Tonner in 8,9 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt, mit 7-Gang-DCT statt manuellem Sechsganggetriebe sind es 9,1 Sekunden; Spitze jeweils knapp über 200 km/h.

Insgesamt fünf Motorvarianten
Der 120 PS starke 1,0-Liter-Dreizylinder will spürbar mehr gebeten werden, als Basis-Motor wird der alte 1,4-Liter Sauger mit 100 PS eingesetzt. Eine gute Alternative ist der neue 1,6-Liter-Turbo-Diesel mit 136 PS. Der glänzt durch extreme Geräuscharmut und guten Durchzug, ist aber nur in Topausstattung erhältlich, was ihn mindestens 31.490 Euro teuer macht. Wer dieseln will, aber nicht so viel Geld anlegen, muss mit der 116-PS-Version vorliebnehmen (ab 21.290 Euro).

Extrem geräumiger Kompakter
Der Innenraum gehört zu den größten seiner Klasse, sogar auf der Rückbank herrschen geradezu opulente Platzverhältnisse. Der Kofferraum fasst beachtliche 385 Liter, mit umgeklappter Rücksitzlehne 1291 Liter. Mit dem doppelten Ladeboden kann man eine fast ebene Fläche erzeugen. Ebenso durchdacht ist die Führung der hinteren Sitzgurte: Es ist unmöglich, sie beim Wiederaufrichten der Rücksitzlehne einzuklemmen.

Top-Materialien, gute Bedienung
Der Innenraum ist nicht nur groß, sondern auch sehr ansprechend. Die Materialien sind (schon in der Basis-Version) ungewöhnlich hochwertig, die meisten Kunststoffe hinterschäumt, vom Armaturenbrett bis zu den kommoden Türverkleidungen. Die ganze Haptik ist zum Wohlfühlen. Hartes Plastik findet man nur im unteren Bereich. Vorbildlich ist auch der hoch angebrachte, frei stehende Sieben-Zoll-Touchscreen (Basis: Fünf-Zoll-Display). Einerseits steht er gut im Blickfeld, andererseits wird er durch externe Tasten und echte Drehregler ergänzt, außerdem ist die Klimabedienung komplett eigenständig.

Hightech in Serie
Der neue Kia Ceed kommt serienmäßig mit Auto-Notbremse, aktivem Spurhalteassistent, Tempomat etc.; die Optionen reichen bis zu autonomem Fahren auf Level 2. Allerdings sollte man den Ceed nicht unbedingt bei normaler Autobahnfahrt selbständig fahren lassen, dazu ist der Assistent zu unzuverlässig, sobald es etwas kurvig wird. Beim Mitschwimmen im Stau dürfte er aber gute Dienste leisten. Die „Hand ans Lenkrad!“-Warnung ist hier übrigens kompromissloser als bei anderen Herstellern.

Da kommt noch was nach…
Der fünftürige Kia Ceed ist erst der Anfang (abgesehen davon, dass ein GT als Topversion mit über 200 PS angekündigt ist). Im September folgt erst einmal der Kombi (1200 Euro Aufpreis), im Herbst wird es dann richtig spannend: Kia bringt einen viertürigen Shooting Brake. Aus dem Programm gestrichen wurde der dreitürige Pro-Ceed.

Unterm Strich
Der neue Kia Ceed kostet gerade mal 400 Euro mehr als der alte, bietet dafür aber noch mehr Auto fürs Geld. Insgesamt hat der Ceed alles abgelegt, was man als Korea-Mief bezeichnen könnte, nicht nur sein Apostroph. Er fühlt sich in bestem Sinne europäisch an (was er ja auch ist), von den Materialien bis zum Einrasten von Schaltern und der Haptik von Hebeln und Knöpfen. Und sogar das Basismodell ab 17.490 Euro ist ein durchaus kaufbares Auto, das bis hin zur Klimaanlage das Wichtigste an Bord hat. Makel zu finden wird hier schwierig. Und wenn welche auftreten sollten, fallen sie wahrscheinlich unter die siebenjährige Garantie.

Warum?
Tolles Fahrverhalten
Herrlicher Innenraum

Warum nicht?
Vorläufig keine stärkeren Motoren

Oder vielleicht …
… Opel Astra, Hyundai i30; VW Golf, Seat Leon, Renault Mégane, Peugeot 308 etc.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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