Mo, 20. August 2018

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05.06.2018 10:52

Facebook versorgt Handyhersteller mit Nutzerdaten

Neuer Datenskandal bei Facebook: Nach dem Wirbel um die unerlaubte Datennutzung durch die Analysefirma Cambridge Analytica ist nun aufgedeckt worden, dass Facebook auch einer Vielzahl von Smartphone-Herstellern Zugriff auf Nutzerdaten gewährt hat. Bei einem Test, wie viele Daten die Hersteller über die Geräte ihrer Kunden abschöpfen können, ging die Zahl der Betroffenen auf einem einzelnen Handy in die Hunderttausenden. Facebook ist bemüht, die Wogen zu glätten. Manche Beobachter sprechen derweil von einem „Fehler im System“ und üben harsche Kritik an Facebooks Umgang mit Nutzerdaten.

Ein Reporter der „New York Times“, der das Ausmaß des Datenzugriffs durch die Handyhersteller mit seinem eigenen Konto ausprobiert hat, staunte nicht schlecht, als sein Smartphone nach dem Login bei Facebook nicht nur die Daten seiner 550 Freunde herunterlud, sondern gleich auch noch deren Freunde durchleuchtete. Dieses erweiterte Netzwerk umfasste insgesamt rund 290.000 Nutzer, deren Informationen ebenfalls am Smartphone des Journalisten landeten.

Weitere Recherchen ergaben: Facebook gewährte jahrelang mindestens 60 verschiedenen Herstellern einen vergleichbaren Datenzugriff. Die Möglichkeit für Smartphone-Hersteller, auf Facebook-Nutzerdaten zuzugreifen, soll zumindest seit 2007 bestanden haben. Der Zugriff der Hersteller wird erst jetzt nach und nach eingeschränkt.

Zugriff für Apple, Amazon, Microsoft, Samsung …
Dass die Gerätehersteller - unter ihnen Unternehmen wie Apple, Amazon, Microsoft und Samsung - so großzügigen Zugriff auf die Nutzerdaten der Facebook-Gemeinde erhalten haben, erklärt man bei Facebook damit, das Nutzererlebnis auf Smartphones verbessern zu wollen. Konkret geht es bei dem Datenzugriff für Smartphone-Hersteller offenbar darum, dem Gerät speziellen Zugriff auf Facebook-Daten zu gewähren, damit die User einfacher Dinge ins soziale Netzwerk hochladen können.

Die Datenweitergabe durch Facebook verwundert, hat sich das soziale Netzwerk doch eigentlich 2012 gegenüber der US-Handelskammer FTC dazu verpflichtet, die Datenschutzeinstellungen der Nutzer zu beachten und keine Daten ohne deren Einverständnis an Dritte weiterzugeben. Dass noch immer Daten bei den Geräteherstellern landen, erklärt sich dadurch, dass diese von Facebook nicht als „Dritte“ betrachtet werden, sondern als Dienstanbieter, der über „device-integrated APIs“ Zugriff auf Facebook erlangt.

Beziehungsstatus und Glaube abgeschöpft
Dass über diese Schnittstellen allerlei höchst private Daten abgeschöpft werden, dürfte vielen Nutzern dennoch nicht gefallen. Beim eingangs erwähnten Experiment wurden unter anderem private Chatverläufe, Handynummern, E-Mail-Adressen und sogar Infos wie Beziehungsstatus oder Religionsbekenntnis abgeschöpft. Nicht alle Hersteller haben diese Daten auch gespeichert: Manche betonen, dass die Daten ausschließlich am Smartphone des Kunden vorhanden waren, manche wollen die Facebook-Schnittstelle überhaupt schon lang nicht mehr genutzt haben. Und wieder andere, das hat Facebook bestätigt, haben die Daten auch auf ihre Server hochgeladen.

Facebook dementiert Missbrauch von Nutzerdaten
Facebook ist bemüht, die Wogen zu glätten und betont, dass es zu keinem Datenmissbrauch gekommen sei. Partnerschaften mit Geräteherstellern hätten zu einem Zeitpunkt begonnen, als es noch keine Online-Stores gegeben habe, aus denen sich die Facebook-Apps hätten herunterladen lassen können. Die Partnerfirmen hätten dabei Vereinbarungen unterzeichnet, wonach die Daten lediglich für den Facebook-Austausch über ihre Geräte verwendet werden durften.

Man habe nach Bekanntwerden des Cambridge-Analytica-Skandals damit begonnen, Verträge über die Datenweitergabe an andere Firmen - also auch jene mit den Handyherstellern - abzuwickeln. Mittlerweile sei rund ein Drittel der Verträge nicht mehr aktuell. Dennoch: Dem Vertrauensaufbau, dem sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg gerade so hingebungsvoll vor Politikern diesseits und jenseits des „großen Teiches“ widmet, sind die neuen Enthüllungen tendenziell wenig förderlich.

Ministerin sieht „Fehler im System Facebook“
Deutschlands Verbraucherschutzministerin Katarina Barley (SPD) reagierte dennoch besorgt. Der Bericht der „New York Times“ scheine „viele Befürchtungen zu bestätigen“, erklärte sie in Berlin: „Cambridge Analytica könnte nur die Spitze des Eisbergs gewesen sein.“ Die Ministerin betonte, dass es sich nicht um Datenlecks handle, sondern der Fehler bei Facebook „im System“ liege.

Das Geschäftsmodell des Unternehmens beruhe darauf, „seine Nutzer bis ins Kleinste auszuforschen und die Daten mit Geschäftspartnern auszutauschen“, warnte Barley. Sie erklärte, Facebook müsse angesichts der neuen Vorwürfe „schnell und umfassend aufklären und künftig die strikte Einhaltung des EU-Datenschutzrechts sicherstellen“.

 krone.at
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