Di, 17. Juli 2018

„Krone“-Interview

02.04.2018 07:00

Cradle Of Filth: „Wir sind mehr als nur eine Band“

Den Black Metal haben zwar hauptsächlich Bands aus Skandinavien geprägt, doch die Briten von Cradle Of Filth gehören zu den erfolgreichsten ihrer Zunft. Neben Blastbeats und Provokation sorgten Sänger Dani Filth und seine wechselnden Mitstreiter auch immer für cinematische Klänge und bekömmliche Melodien. Das brachte der Band nicht nur einen Vertrag beim Labelriesen Sony Music ein, sondern auch Dauerrotation auf MTV und in diversen Fernsehshows. 25 Jahre später ist alles etwas ruhiger geworden, die Freude an der Musik aber immer noch ungebrochen. Dani Filth sprach mit uns ausführlich über die Bandgeschichte, Missverständnisse, Rückschläge und Highlights.

„Krone“: Dani, letzten Herbst hast du mit „Cryptoriana – The Seductiveness Of Decay“ das zwölfte Studioalbum von Cradle Of Filth veröffentlicht und es ist wieder ein Werk voller Horrorgeschichten, dunkelromantischer Bezüge und eines durchdachten Konzepts. Siehst du dich eigentlich eher als Lyriker oder als Musiker?
Dani Filth:
In erster Linie bin ich sicher ein Sänger, manchmal versuche ich mich auch als Musiker. (lacht) Ich bin aber dabei, einen Gedichtband zu veröffentlichen, nur feile ich daran schon seit Ewigkeiten. Moonspell-Sänger Fernando Ribeiro, der selbst genug Erfahrungen als Autor hat, hat mir schon gesagt, dass ich das Projekt endlich fertigkriegen soll, also werde ich es 2018 wohl irgendwann abschließen. Es gibt aber daneben auch noch viel anderes zu tun.

Manche Leute behaupten steif und fest, dieses Album wäre die erste „Black-Metal-Oper“. Wie siehst du das und welchen Zugang hast zu Opern?
Keinen wirklichen, um ehrlich zu sein. Ich bin aber ein großer Fan von Soundtracks und Orchestrierungen, so wie unser Drummer Martin, mit dem ich jetzt seit zwölf Jahren zusammenarbeite. Durch die Chöre kommen die Menschen wohl auf diese Zuschreibung. Für mich ist das immer noch ein bisschen seltsam, weil ich unseren Sound nie so sah.

Der visuelle Aspekt war seit jeher ein essenzieller Bestandteil des gesamten Bandkonzepts. Hast du nie daran gedacht, Cradle Of Filth einmal in die Welt der Theater oder Musicals zu transferieren?
Ich würde lügen, wenn ich sage, es klänge nicht interessant, aber das ist eine ziemlich teure und ambitionierte Angelegenheit. Ich weiß nicht, ob wir selbst überhaupt ambitioniert genug dafür sind. Aufnahmen mit einem Orchester sind mittlerweile auch im Metal totgespielt, da kann nichts mehr Neues herauskommen. Ob wir darauf noch zurückgreifen werden? Ich habe keine Ahnung.

Fällt es dir zunehmend schwer, mit jedem neuen Album die eigene Musik zu revolutionieren und neu zu erfinden?
Ich weiß nicht, ob das überhaupt unser Anspruch ist, aber es geht darum, sich nicht ständig zu wiederholen. „Cryptoriana“ ist ein klarer Schritt nach vorne, andererseits auch eine kleine Hommage an unsere früheren Werke wie „Cruelty And The Beast“ und „Dusk And Her Embrace“. Das liegt auch an unserem guten Line-Up mit den vielen fähigen Musikern, die ich heute habe.

Bei Cradle Of Filth gab es immer große Diskussionen darüber, wie viel vom nach außen transportierten Satanismus – vor allem der frühen Tage – echt war und wie viel nur Show. Kannst du uns aufklären?
Wir wurden schon immer als die absoluten Bösewichte kategorisiert. Als Leute, die rund um die Uhr Jungfrauen opfern und ganze Grafschaften in England verteufeln. Diese Art von Paganismus, den man uns immer ankreiden wollte, der war natürlich völlig überzogen. Wie alle anderen haben aber auch wir früher mit diesen Dingen gespielt und sicher auch provoziert. Das Bild von Cradle Of Filth ist in gewisser Weise aber auch mit dem Image konnotiert und Entertainment ist genauso ein Geschäft. Ich lebe diese Band und ihre Inhalte sieben Tage die Woche, 24 Stunden pro Tag.

Was waren die schlimmsten Missverständnisse dir oder der Band gegenüber?
Dass ich eine Art totalitärer Hitler wäre, das stimmt absolut gar nicht.

Beziehst du dich da auf die endlosen Line-Up-Wechsel innerhalb der Band?
Ja, genau. Ich bin schließlich der Letzte, der noch hier ist.

Siehst du dich als Urvater des dramatisch konnotierten Horror-Black-Metal? Warst du der wichtigste Wegbereiter für ein ganzes Subgenre?
Möglicherweise, ich weiß das nicht. Es ist natürlich schön zu wissen, dass du andere Musiker in ihrem Tun inspirieren konntest, aber es ist auch gefährlich, wenn manche in deine Fußstapfen treten.

Du hast oft betont, dass du von deiner Jugend und deinen ersten Berührungen in der Musik her mit Thrash Metal infiziert warst. Warum wurde aus diesem klaren Einfluss bei dir nie eine Band, die eben solche Musik spielt?
Unsere Musik beinhaltet eine Menge Thrash-Einflüsse, auch wenn sie nicht immer klar erkennbar sind. Wir haben uns auf jeden Fall stark darum gekümmert, unsere Bedürfnisse in dem Bereich bestmöglich abdecken zu können. (lacht)

Wie wichtig war es dir, die Menschen zu provozieren? Ich denke da etwa an das legendäre „Jesus Is A Cunt“-Shirt, auf dem sich eine Nonne befriedigt?
Die T-Shirt-Sache wurde unheimlich aufgebauscht, obwohl sie nur einen Comedy-Aspekt hatte. Viele Leute haben das ernst genommen, aber für uns war das ein spaßiges Statement. Diese Geschichte jagt uns aber seit Anbeginn – speziell auch deshalb, weil vor ein paar Jahren eine Frau in Christchurch, Neuseeland, schwere Probleme damit bekam, weil sie damit ein Museum betrat. Ich finde die ganze Sache noch immer irrsinnig witzig und ironisch.

Gab es auf der Welt bestimmte Plätze, wo ihr durch derartige Provokationen oder eure Symbolik echte Probleme bekommen habt?
In China können wir aus diversen Gründen überhaupt nicht Fuß fassen. Ansonsten ist das relativ okay. In den USA gibt es ein paar Venues, die mit uns Probleme haben, aber auch das hat sich wesentlich verbessert. In Russland gab es unlängst mal eine Tour, bei der wir 15 Shows hätten spielen sollen, aber es fanden glaube ich nur vier oder fünf davon statt, weil die Katholiken dort ein immenses Problem mit uns haben. Andere ließen uns dort ein Meet & Greet abhalten und Sachen signieren, aber nicht auf die Bühne. Was für eine ironische Doppelmoral. Andere wiederum hatten fahrlässige Ausreden, um die geplanten Gigs noch zu stoppen. So ist das eben. Zur gleichen Zeit tourten Cannibal Corpse dort, aber die meisten hielten uns wohl für antireligiöser als Corpse.

Hattest du früher Spaß daran, mit deinem Image und der Band offensiv zu provozieren?
Absolut, das war ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. (lacht) Wir haben immer Dinge gemacht, die uns wichtig erschienen. Manchmal evozierte das Probleme, weil wir eine unsichtbare moralische Linie übertreten haben, aber das liegt immer auch in der Betrachtungsweise der Menschen. Gewisse Dinge sind subversiver als andere. Es gibt keine allgemeingültigen Antworten.

2002 etwa, als du eine Gastrolle im Horrorfilm „Cradle Of Fear“ hattest, war es noch sehr leicht, für Aufregung zu sorgen. Heute hat jeder Zugang zu allem und die Menschen werden immer abgestumpfter. Wird es auch für dich schwerer, die Konzentration der Menschen auf deine Band zu lenken?
Ich weiß das nicht wirklich, um ehrlich zu sein. Ich habe mittlerweile einen Instagram-Account und tummle mich auf YouTube, aber hauptsächlich, um die Band zu bewerben. Ich finde das ziemlich lustig und gehe eher Bandkollegen und Freunden auf die Nerven mit dummem Zeug, das ich ihnen weiterleite. Heute ist es aber so, dass viele Bands schon mehr darauf bedacht sind, ihren Online-Status korrekt zu aktualisieren, als gute Musik zu kreieren. Unser neues Management hat mich davon überzeugt, dass ich da in gewisser Weise mitmachen sollte, also spiele ich das Spiel halt mit. Das hat auch seine Vorteile. Unlängst schrieb mich Rob Halford von Judas Priest an – das ist schon cool. (lacht)

Rob Halford ist auch einer jener Musiker, die soziale Medien mit viel Humor und Selbstironie bedienen. Wie viel Platz hat Online-Humor bei Cradle Of Filth oder bei dir?
Ich nehme die Dinge prinzipiell nicht zu ernst, was ich einst mit King von God Seed unter Beweis gestellt habe. Wir drehten eine Pilotfolge für eine Show, wo es darum ging, dass wir uns grob umrissen in verschiedenen Kulten wiedergefunden haben. Die Leute wollten das aber nicht, weil sie King und mich nicht in so einer humorigen Rolle akzeptierten. Wir haben uns über lächerliche Situationen lustig gemacht. Da war etwa diese Frau, die unser spirituelles Bewusstsein erweckte und mittels blauem Rauchen dafür sorgte, dass wir krank und abgedreht wurden. Wir waren auch bei der Hippie-Kommune, in der einst George Harrison war, bei den Hare Krishna. Wir dachten, das wäre genial, aber irgendwie kam der Witz nicht an. Das Ganze firmierte unter dem Namen „Take Me To Your Leader“.

Etwa zwischen 1998 und 2005 hattet ihr die absolute Hochphase, wart jahrelang die mit Abstand populärste Band im Black-Metal-Segment. Hattest du jemals damit gerechnet, mit derart extremer Musik so viel Publikum zu erreichen?
Ich glaube jeder einzelne Musiker hat das Ziel, mit seiner Band von den kleinen Pubs auf die wirklich großen Bühnen zu kommen. Das ist die Intention für eine musikalische Karriere. Heute haben wir wieder ein neues Management, das uns ein starkes Line-Up zurechtgemacht hat. Es ist alles möglich, daran glaube ich auch heute noch.

Ihr habt damals sogar bei einem Majorlabel, Sony Music, unterschrieben und zu dieser Zeit war mit Satyricon nur eine derart extreme Band bei einem so großen Label unter Vertrag. War das in der Rückbetrachtung der richtige Schritt? Immerhin wart ihr da eine Band von vielen und kein Zugpferd.
Wir wussten natürlich über die Probleme, die uns erwarten würden und sie passierten auch alle. Da gibt es verschiedene Verträge in verschiedenen Ländern und dann wissen nicht immer alle, was sie mit dir machen sollen. Sie gaben uns aber wirklich gute Möglichkeiten, die wir absolut nutzten. Wir durften bei den größten US-Festivals auf den B-Bühnen spielen, mit Moonspell als Support, und das ist nicht üblich für eine Band unserer Ausrichtung. Sie haben uns verdammt viel Geld dafür gegeben, ein Album zu produzieren und als der Vertrag auslief, wollten sie uns nicht knebeln, sondern ließen uns gehen. Das war im Endeffekt die richtige Entscheidung.

Ihr habt damals viele große, kommerzielle Festivals gespielt – etwas auch das Sziget in Budapest. Festivals, bei denen vielleicht nur eine Handvoll Black-Metal-Fans zugegen sind.
Das hat immer viel Spaß gemacht, weil es auch für uns eine andere Welt war. Manchmal präferiere ich sogar solche Festivals, weil man Leute erwischt, die man überraschen kann. Solche für uns seltsamen Festivals bringen uns weiter – für meine Bucketlist waren einige davon sehr wichtig. (lacht)

Was war deiner Meinung nach der Grund dafür, dass ein derart breites Publikum ausgerechnet mit deiner Band funktioniert hat?
Wir haben immer gut darauf geachtet, wirklich fähige Musiker in die Band zu holen und uns von Anfang an darauf konzentriert, die Bühnenshows, aber auch die Videos sehr pompös und cinematisch zu gestalten. Mit jedem Schritt wollten wir das Image noch besser aufpolieren, noch professioneller werden. Wir sollten Spaß haben und die Leute, die uns sehen, auch. Über die Jahre wurde Cradle Of Filth dann mehr ein Lifestyle als bloß eine Band.

Wusstest du in den Hochzeiten der Band, dass ihr irgendwann eine Spitze erreicht habt, oder dachtest du, dass in punkto Ruhm und Popularität noch mehr drin gewesen wäre?
Natürlich wussten wir, dass wir uns in einer Art Erfolgsblase befinden. Egal, wie sich das Musikbusiness entwickelt hat, wir haben immer unseren eigenen Weg durchgezogen und vor allem auf das Fernsehen gesetzt. Es gab damals eine Anfrage von „I’m A Celebrity – Get Me Out Of Here“ und ich wusste, dass es viel Popularität bringt und gutes Geld, andererseits war mir aber auch klar, dass ich das nicht bis zum Ende durchhalten würde. Dann gab es noch die ewigen Line-Up-Probleme. Die haben wir heute nicht und wer weiß, was wir damals noch erreichen hätten können, mit einer wirklich stabilen Bandbesetzung. Über die Jahre waren wir in fast allen britischen Fernsehsendern zu sehen. Heute ist es mir wichtiger, etwas spezieller und exakter in der Öffentlichkeit aufzutreten.

Könntest du dir eigentlich vorstellen, einmal in der Jury einer Castingshow zu sitzen?
Ich sah vor ein paar Wochen Christina Scabbia von Lacuna Coil in der Jury der italienischen Version von „The Voice“. Sie ist natürlich eine andere Art von Sängerin, aber man kann es doch ungefähr vergleichen. Bei der englischen Version von „The Voice“ hatten sie einen Sänger einer Indie-Band, dessen Name mir gerade nicht einfällt. Er sang gemeinsam mit Tom Jones und Cheryl Cole oder wen auch immer – jedenfalls war das jemand, den man auch nicht vermutet hätte. Ich würde das für mich aber nicht ausschließen. Wenn die Voraussetzungen passen, könnte ich mir das durchaus vorstellen.

Bedeutet dir die englische Musikgeschichte im Bereich der Pop- oder Indie-Rock-Bands auch etwas? Ziehst du auch von dort Inspirationen für deine Arbeit mit Cradle Of Filth?
Vielleicht nicht dieser Bereich, aber klassische englische Metalbands wie Iron Maiden, Judas Priest, Paradise Lost, Bolt Thrower, Napalm Death oder Carcass hatten einen großen Einfluss auf unseren Sound. Selbstverständlich auch die Geschichte von Black Sabbath. Heute besteht Cradle Of Filth aus Engländern, Kanadiern und Tschechen – man kann uns also längst nicht mehr als britische Band bezeichnen.

Wir alle wissen, dass es seit Jahrzehnten die Diskussionen darüber gibt, ob man Cradle Of Filth jetzt cool finden darf oder nicht. Werdet ihr von der Szenepolizei akzeptiert oder nicht und wie sieht es mit Mitmusikern aus dem Black-Metal-Bereich aus? Welche Erfahrungen hast du dort gemacht?
Soweit ich mich erinnern kann, gab es bei all den Touren mit all den Bands nicht einen Menschen, der sich uns gegenüber despektierlich verhalten hat. Ich war unterwegs mit unterschiedlichsten Bands wie Taake oder anderen norwegischen Kultgruppen, aber meistens haben wir einfach nur Partys gefeiert, zu viel getrunken und uns dämlich aufgeführt. Wir haben dann Village People und ähnliches gehört. (lacht)

Taake haben gerade große Probleme, weil Sänger Hoest die Vergangenheit einholt und er wegen vieler rechtsgerichteter Vorfälle in den USA fast überall Auftrittsverbot bekam. Black Metal soll und muss provozieren, das war immer die Prämisse des Genres. Aber gibt es nicht auch Grenzen, die nicht überschritten werden sollten?
Jeder muss vorsichtig sein, vor allem dann, wenn du mit einer Band deinen Lebensunterhalt bestreitest. Es ist zum Beispiel unheimlich schwierig überhaupt in die USA zu kommen, wenn du aus irgendeinem Grund Waffen besessen, Drogen konsumiert oder mal einen jugendlich-dummen Diebstahl getätigt hast. Das hängt dir oft ewig nach und kann eine Karriere gewaltig ins Stocken bringen.

Hast du deinen Lebensstil in den letzten Jahren stark verändert?
Was soll ich sagen – ich trinke mit Sicherheit noch immer zu viel. Das brauche ich nicht leugnen. Es gehört aber einfach zu einer Kameradschaft einer tourenden Band, dass dort Spaß herrscht und die Partystimmung passt. Wir sind für einige Wochen eine große Familie, die einfach eine gute Zeit haben will. Man muss etwas gegen den Lagerkoller tun. Wenn du fünf, sechs Wochen im Tourbus verbringst, klebst du quasi auf den Fingernägeln der anderen. Selbst an den freien Tagen hast du keine Rückzugsmöglichkeit, weil der freie Tag bedeutet, dass du einfach lange Strecken im Bus fährst. Dass man da und dort zu viel erwischt und mit einem bösen Kater erwacht, daran gibt es eigentlich kein Vorbeikommen.

Du hast oft betont, dass Mitte der 90er-Jahre, als ihr mit Cradle Of Filth so richtig begonnen habt, alle Bands im Black Metal die Riffs von Darkthrones „Panzerfaust“-Album abgepaust hätten. War das er Grund, warum du mit Cradle von Anfang an so opulent und großspurig klingen wolltest?
Wir haben einfach entschieden, dass dies der ideale Sound für uns sein würde. Wir standen alle auf Soundtracks und epische Doom-Metal-Bands, insofern gab das einen Teil unserer Ausrichtung vor. Der Rest drehte sich darum, möglichst gut und wuchtig zu klingen. Es ging nie darum, etwas deshalb zu machen, weil es wer anders eben anders machte.

Im Gegensatz zu allen gängigen Rockstarklischees bist du seit 13 Jahren glücklich verheiratet und hast eine 19-jährige Tochter. Wie wichtig war die Unterstützung deiner Familie für deine Karriere?
Die Familie war unglaublich wichtig. Ich habe immer noch sehr viel Kontakt mit meinen drei Geschwistern und meiner Mutter. Mein Vater lebt mittlerweile in Südfrankreich und ist extra für unser Konzert nach Barcelona geflogen. Wir sind uns geografisch nicht so nahe, aber emotional.

Waren deine Eltern anfangs sehr verunsichert über deinen Karriereweg und gab es dann einen Punkt, an dem sie es akzeptierten und Stolz verspürten?
Ich bin mir sicher, dass sie anfangs wenig begeistert waren. (lacht) Wir haben aber niemals wirklich darüber geredet, nachdem sie aber immer Konzerte besuchen und mich unterstützen, werden sie wohl stolz auf mich sein.

Folgt dir deine Tochter auf deinem Karriereweg? Hast du ihr das Musikalische vererbt?
Nein, sie studiert auf der Universität Kriminalwissenschaften. Etwas ganz anderes.

Ein wichtiger Baustein eures großen Erfolgs war natürlich deine einzigartige Stimme. Wie pflegst du sie bzw. wie gehst du heute mit ihr um, nachdem sie schon so lange so intensiv im Einsatz ist?
Je länger man die Stimme verwendet, umso besser weiß man, wie man mit ihr umgeht. Ich habe einen wirklich guten Arzt, der sehr gut mit meinen Stimmbändern arbeitet und mich aufpäppelt, wenn ich es wieder übertreibe. Es ist ein schmaler Grat, zwischen zu viel und zu wenig Warm-Up vor Auftritten. Heute etwa klingt meine Stimme richtig scheiße, weil ich mich nicht gut fühle und es dadurch wirklich hart ist, ein 90-Minuten-Set durchgehend gut zu bestreiten. Manchmal feiere ich auch zu viel, wie bereits erwähnt, und das ist für Sänger natürlich besonders hart.

Nach gefühlt 1000 Shows oder mehr in eurer Karriere – wie schaffst du es, keine Routine aufkommen zu lassen und immer ein Gefühl der Spannung erzeugen zu können?
Ich bin jedenfalls nicht mehr nervös, aber durchaus verunsichert, wenn ich mich nicht gut fühle, was auf Tour immer mal wieder vorkommt. Die Anspannung von früher ist mittlerweile weg, aber das ändert nichts an der Motivation, die ich bei jedem Konzert verspüre.

Was passiert heuer noch so alles bei Cradle Of Filth? Welche Projekte gehst du als nächstes an?
Jetzt geht es einmal um den Re-Release von „Cruelty And The Beast“. Die Original-Tapes werden remixt und das Ganze sollte ungefähr Anfang November erhältlich sein. Dann wird noch ordentlich getourt zwischen Südamerika, Indonesien, Australien, Japan und Kanada. Da sind Orte dabei, an denen wir noch nie waren. 2019 werden dann noch mehr Festivals kommen, heuer sind sie eher ausgewählt und überschaubar.

Was machst du eigentlich, wenn du nicht für die Band arbeitest?
Ganz normale Dinge, wie jeder andere auch. Ich gehe gerne ins Kino, fahre durch die Gegend, ziehe mir Netflix-Serien rein, gehe gut Essen oder auf Partys. Einen Soundtrack für eine Netflix-Serie zu machen, würde mir übrigens unheimlich viel Spaß machen. Ich habe noch so einiges vor.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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