Europa-League-Hit

SK Rapid holt in der “Hölle von Glasgow” ein 1:1

Fußball
01.10.2009 23:45
Rekordmeister SK Rapid Wien hat am Donnerstag in der Europa-League-Gruppenphase den nächsten beachtlichen Teilerfolg gefeiert. Die Hütteldorfer trotzten Celtic Glasgow in einem ausgeglichenen Spiel auswärts ein 1:1 (1:1) ab und sind damit weiterhin Tabellenführer der Gruppe C. Die Tore im mit 55.000 Zuschauern fast ausverkauften Celtic Park erzielten Nikica Jelavic (3.) bzw. Scott McDonald (21.) bereits vor der Pause. Infos zu den Spielen der anderen heimischen Klubs findest du in der Infobox!

Rapid-Trainer Peter Pacult hatte wie erwartet auf ein 4-5-1-System mit den Flügeln Veli Kavlak und Branko Boskovic sowie Jelavic als Solospitze gesetzt. Der Kroate deutete auch schon früh mit einem Kopfball seine Gefährlichkeit an (2.), eine Minute später schlug er nach Vorarbeit von Steffen Hofmann zu. Der Rapid-Kapitän hatte sich einen Fehler der Schotten im Spielaufbau zunutze gemacht.

Rapid mit Blitzstart
Jelavic traf aus spitzem Winkel ins lange Eck und wurde damit seinem Ruf als Mann für die wichtigen internationalen Tore gerecht. Der 24-Jährige hat bereits vier Europacup-Spiele in Folge eingenetzt - in beiden Quali-Begegnungen gegen Aston Villa, bei der 3:0-Gala zu Hause gegen den HSV und schließlich auch gegen Celtic.

Schotten feldüberlegen
Die Schotten waren nach dem frühen Rückstand zwar feldüberlegen, klare Torchancen blieben aber bis zum Ausgleich aus. Ein Schuss von Georgios Samaras hatte Helge Payer keine Probleme bereitet (8.), gegen McDonald konnte sich der Rapid-Keeper aber nicht auszeichnen. Andreas Dober hatte dem Australier den Ball mit einem völlig verunglückten Pass, für den Abwehrchef Ragnvald Soma zu langsam war, auf dem Tablett serviert.

Es war die erste Großchance der Gastgeber gewesen, die sonst vor der Pause wenig zustandebrachten. Auf der Gegenseite verfehlte ein Hofmann-Weitschuss das Kreuzeck (28.), einen Freistoß des Spielmachers drehte Celtic-Torhüter Artur Boruc über die Latte (41.). Jene Offensivpower, die Rapid gegen Villa und den HSV gezeigt hatte, war aber ebenfalls nicht wirklich zu sehen.

Payer rettet mehrfach für Rapid
Unmittelbar nach Seitenwechsel hatten die Hütteldorfer Glück, als Payer erst gegen den quirligen Shaun Maloney rettete und Soma den Nachschuss von McDonald von der Linie kratzte (48.). Die Chancen der energischen, aber technisch limitierten Schotten mehrten sich. Payer musste einen Schlenzer von Daniel Fox parieren (56.), Gary Caldwell verfehlte das Tor aus kurzer Distanz (57.).

Selbst nach einem Triple-Tausch fand Celtic in der Schlussphase keine tauglichen spielerischen Mittel mehr vor. Die Rapid-Konter verliefen zwar ebenfalls im Sand, ein Elfmeter wäre nach Attacke von Caldwell an Jelavic allerdings vertretbar gewesen (61.). Ein Kopfball des Kroaten ging neben das Tor (83.).

Hütteldorfer bewahren die Ruhe
Die Hütteldorfer haben sich auch von der Stimmung in Glasgow nicht aus der Ruhe bringen lassen. Der Ereignisse von 1984, die im Vorfeld der Partie in den Medien eine große Rolle gespielt hatten, schienen die Celtic-Fans aber nicht vergessen zu haben. "1984 - 2009 - We still hate Rapid", war auf einem Transparent zu lesen gewesen, auf einem anderen der Schriftzug des österreichischen Rekordmeisters im Wappen durch das Wort "Liars" ("Lügner") ersetzt.

Das Achtelfinale im Cup der Cupsieger hatte 1984 neu ausgetragen werden müssen, nachdem der Rapidler Rudi Weinhofer bei der 0:3-Niederlage in Glasgow von einem Gegenstand getroffen worden war. Rapid gelang mit einem 1:0-Sieg auf neutralem Boden in Manchester der Aufstieg - den entscheidenden Treffer hatte ausgerechnet Pacult erzielt. Dessen Mannschaft gelang nun der erste Europacup-Punkt einer österreichischen Mannschaft in Schottland.

Rapid weiter Tabellenführer in Gruppe C
Die rund 2.500 mitgereisten Rapid-Fans, die in der Schlussphase ein Weinhofer-Bild und riesige Plastik-Whiskeyflaschen präsentierten, feierten das Remis wie einen Sieg. Mit vier Zählern aus zwei Spielen sind die Hütteldorfer weiterhin Tabellenführer - einen Punkt vor dem HSV und Hapoel Tel Aviv. Die Israeli sind am 22. Oktober auswärts auch nächster Gegner der Wiener, die sich weiter berechtigte Hoffnungen auf den Aufstieg in die Runde der letzten 32 machen dürfen.

Meinungen zum Match
Peter Pacult (Rapid-Trainer): 
"Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden, auch mit der Art und Weise, wie wir uns präsentiert haben. Die Mannschaft hat von Anfang an den Kampf und das Tempo angenommen, dabei hat uns die schnelle Führung geholfen. Der Punkt ist sehr verdient. So eine Situation wie beim Gegentor schreibe ich der Lässigkeit von Dober zu. Solche Aussetzer passieren ihm leider öfter. Damit hat er auch die Mannschaft verunsichert. Was die Aufstiegschancen betrifft, fange ich jetzt nicht zu rechnen an. Wir haben noch vier schwere Spiele."

Tony Mowbray (Celtic-Trainer): 
"Ich bin frustriert, aber so ist Fußball. Rapid ist hinten sehr gut gestanden. Und wenn eine Kontermannschaft das erste Tor schießt, dann wird es schwierig. Wir haben aber bewiesen, dass wir Rapid in Wien Probleme bereiten können. Wir haben noch immer Chancen auf den Aufstieg."

Steffen Hofmann (Rapid-Kapitän): 
"Ich denke, dass wir mit dem Spiel und mit vier Punkten nach zwei Spielen zufrieden sein können. Wir haben sogar Chancen auf den Sieg gehabt. Es ist verrückt, wenn man nach Glasgow fährt und sagt, wir wären Favorit. Wir haben ein Spiel gegen den HSV gewonnen, und ganz Österreich glaubt, wir gewinnen die Europa League. Wir haben nun zwei sehr schwierige Spiele gegen Tel Aviv, da weiß niemand, wo wir genau dran sind."

Zum Fehler von Andreas Dober, der zum 1:1 führte: "Wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen. Heute ist ein Fehler passiert. Es waren noch welche da, die das hätten ausbessern können, aber das ist leider nicht passiert."

Nikica Jelavic (Rapid-Torschütze): 
"Ein Punkt ist gut für uns, wir sind Tabellenführer. Es ist wichtig, dass wir nicht verloren haben. Das nächste Spiel ist aber wieder sehr wichtig. Man muss immer so auftreten wie in diesem Spiel."

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