Fr, 17. August 2018

(Stein-)reich

06.02.2018 14:05

Montenegro, die Côte d'Azur des Ostens

Rustikaler Charme trifft auf Luxus: Bereits Weltstars wie Sophia Loren oder George Clooney sollen der Balkan-Schönheit verfallen sein.

Postkartengleich erhebt sich Sveti Stefan inmitten der saphirblauen Adria. Lediglich ein schmaler Damm verbindet das historische Fischerdorf mit dem Festland. Auf sandfarbenen Steinhäusern sitzen rote Ziegeldächer, die von einer mächtigen Mauer umarmt werden. Was hinter den dicken Wänden passiert, bleibt das behütete Geheimnis der Luxus-Hotelkette Aman: Nur Gäste haben Zutritt zu der malerischen Kulisse, in der sich 58 Zimmer befinden. Eine Oase des Glücks für Menschen mit dem nötigen Kleingeld. Ein Stopp für das obligatorische Foto zahlt sich in jedem Fall aus. Nicht zuletzt deshalb, weil sich hinter dem Anwesen eine hollywoodreife Geschichte verbirgt.

Bereits in den 1960er-Jahren genoss Sveti Stefan Kult-Status bei Stars. Marilyn Monroe, Prinzessin Margaret oder Sophia Loren sollen hier Cocktails getrunken, in der Sonne gebrutzelt und diniert haben. Mit dem Zusammenbruch Jugoslawiens ging die Ära des Jetsets zu Ende – bis zum Jahr 2010, in dem die Insel-Ikone wie ein Phönix aus der Asche stieg und als Luxushotel Aman wiedereröffnete.

Wie es zum guten Ton bei Fünf-Sterne-Resorts gehört, bewahrt man hier Stillschweigen über die betuchte Kundschaft. Managerin Marina Radjenovic betont: „Privatsphäre ist an den Namen Aman geknüpft.“ Promi-Klatsch gibt es natürlich trotzdem. Wissende Stimmen flüstern, dass George Clooney und Ehefrau Amal auf Sveti Stefan romantische Stunden verbrachten. Der dreifache Wimbledon-Sieger Novak Djokovic soll hier sogar seine Hochzeit gefeiert haben. Nicht umsonst schmückt sich Montenegro mit dem Ruf als VIP-Destination, eifert seinem Image als Côte d’Azur des Ostens nach. Glamour ist ein gern gesehener Gast hier.

35 Fahrminuten von Sveti Stefan entfernt, liegt der mondäne Jachthafen Porto Montenegro – die zum Leben erwachte Vision des kanadischen Geschäftsmannes Peter Munk: Er verwandelte einen alten Militärstützpunkt in den ersten Tiefwasser-Jachthafen der Welt. Einziges Relikt aus der Kriegszeit ist ein U-Boot, das vor dem Schifffahrtsmuseum auf Besucher wartet. Wer einen Hauch Luxus inhalieren will, huscht einfach den Pier entlang und ruht sich im Schatten der Superjachten aus – die Rede ist hier von Booten ab 24 (!) Metern Länge.

Ein „bisschen“ angeben wollte Munk wohl auch: Porto Montenegro verfügt über die größte Anlegestelle rund um den Globus. „Das Boot, das hier anlegen kann, muss erst gebaut werden“, erklärt Jachtklub-Mitarbeiterin Milena Bojanic mit einem stolzen Lächeln. Und weil reiche Bootsbesitzer gerne Geld verprassen, bietet Porto Montenegro auch gleich die Infrastruktur dafür: Ähnlich einer amerikanischen Outlet-Stadt reihen sich namhafte Modelabels wie Valentino, Max Mara oder BMW aneinander.

Die wirklich großen Meeresdampfer, die Kreuzfahrtschiffe, ankern aber nicht in Porto Montenegro, sondern vor Kotor. Die UNESCO-Hafenstadt liegt in einer fjordähnlichen Bucht. Auf dem Wasser, das an schwarzen Samt erinnert, spiegelt sich die dramatische Berglandschaft Montenegros. Bis zu 10.000 Touristen strömen am Tag nach Kotor – eine beachtliche Zahl, wohnen in der Altstadt doch nur ein paar hundert Einwohner. Noch heute zeugen imposante Kirchen und Paläste von dem einstigen Eroberer der Stadt: Vier Jahrhunderte unterwarf sich Kotor der Fremdherrschaft der Venezianer. Der Hauch dieser Epoche ist noch heute in den Gassen zu spüren.

Das Herzstück der Stadt, ein barocker Uhrturm, empfängt die Besucher auf dem Hauptplatz. Seit mehr als 150 Jahren kümmert sich die Familie Homen darum, dass bei Kotors Wahrzeichen die Zeit richtig tickt. Wer durch das sympathische Straßen-Labyrinth läuft, begegnet neben den Touristenscharen auch den „wahren Bewohnern Kotors“. „Unsere Stadt gehört den Katzen“, verrät Fremdenführerin Rosanda. Jahrhunderte zuvor sollen die Vierbeiner die Stadt vor Infektionen durch Ratten gerettet haben – und erwirkten sich damit ein „lebenslanges Wohnrecht“. Gerüchten zufolge sollen in der Altstadt mehr Samtpfoten als Menschen leben – aber das ist freilich nur ein Mythos, der in den Ohren von Katzenliebhabern gut klingt.

Am Ufer der Kotor-Bucht liegt das jahrhundertealte Seefahrerstädtchen Perast. Catherine Zeta-Jones und Michael Douglas bezauberte das Ambiente so sehr, dass sie hier sogar ein Anwesen erstanden. Auch Brad Pitt und Angelina Jolie sollen schon die Strandpromenade entlanggelaufen sein. Mit Blick auf die beiden malerischen Inseln St. Georg und St. Marien auf dem Felsen lässt sich die Landesküche Montenegros entdecken. Sorge, dass man hier hungrig bleibt, braucht man übrigens nicht zu haben. Tourismus-Experte Andri Stanović verrät: „Wir in Montenegro machen gerne alles ein bisschen größer – vor allem die Portionen. Das ist bei uns ein Zeichen des Wohlstandes.“

Apropos Wohlstand: Das Kontrastprogramm zu Luxus-Resorts und Jachten wartet im orthodoxen Frauenkloster Duljevo. Elf Nonnen leben, getrennt vom Weltlichen, für die Kirche. Ihr Tag besteht aus Arbeit, Fasten und Gebet. Jede Nonne hat einen eigenen Aufgabenbereich – sie melken Ziegen, besticken Priesterkleidung, malen Ikonen und stellen Seifen sowie Öle her. Ihren Unterhalt verdienen sie sich mit dem Verkauf der Produkte. Von 5 bis 20 Uhr stehen die schweren Klostertüren auch Besuchern offen. Als Zeichen der Gastfreundschaft servieren die Damen einen silbernen Messbecher mit ihrem selbst gebrannten Kräuterschnaps – ganz unabhängig von der Tageszeit. Auf die Frage nach der Schweigepflicht huscht Nonne Apagia ein Lächeln über die Lippen: „Man muss ein gesundes Leben führen. Sonst platzt ja alles aus den Nähten!“ So ganz ohne Luxus kommt das Frauenkloster dann doch nicht aus: Sein wichtigster Kunde ist kein anderer als das Nobelhotel Aman Sveti Stefan, das die Nonnen-Naturkosmetik in seinem SPA einsetzt

Auch abseits der noblen Touristen-Trampelpfade hat das 600.0000 Einwohner zählende Montenegro viel zu geben. Das „Land der Schwarzen Berge“ wartet mit einer alpinartigen Gipfelwelt, tiefen Schluchten, reißenden Flüssen und unberührten Seen auf. Seinen ursprünglichen Charakter haben die Einheimischen nicht vergessen, wie Andri Stanović betont: „Wir Montenegriner pflegen gerne zu scherzen, dass wir ein steinreiches Land sind. Immerhin liegt halb Montenegro unter Steinen.“

Alexandra Halouska, Kronen Zeitung

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