Mi, 15. August 2018

Wirbel um Kontrolle

25.02.2009 13:35

"Fall Ibertsberger" auch in Österreich möglich

Das Schicksal von Andreas Ibertsberger könnte auch Fußball-Profis in Österreich treffen. Auch bei uns gilt die Regelung, dass ein zum Dopingtest ausgeloster Spieler seine Urinprobe unmittelbar nach Matchende abzugeben hat. Zwar darf sich ein Spieler laut NADA-Mitarbeiter Michael Mader nach dem Schlusspfiff im Ausnahmefall - etwa bei einer darauffolgenden Siegerehrung - noch etwas länger auf dem Rasen aufhalten, er muss aber ständig im Blickfeld des Kontrollors sein.

Verschwindet jedoch ein Akteur so wie Ibertsberger am 7. Februar im Liga-Match von Hoffenheim gegen Gladbach vor dem Test ohne Aufsicht noch einige Minuten in der Kabine, wird es brenzlig. "In diesem Fall würde dieses Vorgehen vermerkt werden, und dann müsste die Rechtskommission der NADA entscheiden, ob ein Verfahren eingeleitet wird", sagte Mader, der im vergangenen Dezember die Manager der österreichischen Bundesliga und in der Vorwoche die Clubchefs der Erstligisten noch einmal über das Prozedere bei Dopingtests informierte.

Nach den Angaben von Mader funktioniert die Zusammenarbeit mit den Vereinen "an und für sich hervorragend, nur manchmal erinnern wir sie eben an gewisse Sachen". Im Kalenderjahr 2008 nahm die NADA 117 sogenannte "out of competition"-Tests vor, außerdem müssen pro Bundesliga-Halbsaison laut Mader rund 30 Kicker Wasser nach Spielende lassen.

Kaum Test bei Rapid-Spielern
Rapidler waren in den vergangenen Jahren selten bis gar nicht darunter. "Ich bin seit 1995 bei Rapid und seither kann ich mich nur an zwei Liga-Partien erinnern, in denen wir getestet wurden: Beim meisterschaftsentscheidenden 2:0 gegen Sturm 1996 im Happel-Stadion und noch einmal wenige Jahre später", erzählte Teammanager Stefan Ebner, der bei den Hütteldorfern die Zusammenarbeit mit der NADA koordiniert.

So wie jeder Bundesliga-Verein muss auch Rapid der NADA vor Saisonbeginn die Kaderliste samt Adressen und Telefonnummern übermitteln. Außerdem wird der Anti-Doping-Agentur jeden Montag der detaillierte Wochenplan mit Trainingszeiten, etwaigen Aufenthaltsorten bei Kasernierungen usw. mitgeteilt. Während sich die Kontrollen bei nationalen Pflichtspielen in Grenzen halten, weht im Europacup ein anderer Wind. "Als wir 2005 in der Champions League gespielt haben, sind wir dreimal von internationalen Kontrolloren getestet worden", erinnerte sich Ebner.

Dabei kam es einmal zu einer heiklen Situation: Rapid hatte bei der UEFA eine Einheit mit Leistungstests auf der Schmelz angegeben, kurzfristig wurde aber entschieden, einige Kicker zur Regeneration in ein Fitness-Center zu schicken. Prompt tauchten an diesem Tag die internationalen Doping-Jäger auf, wonach hektisch alle Kicker zusammengetrommelt werden mussten, was in manchem Fall gerade noch innerhalb des damaligen Zeitfensters von einer Stunde möglich war.

Freispruch für Mayrleb und Jagne
Probleme gab es für Kicker in Österreich also bisher vor allem im Zusammenhang mit dem Ablauf von Dopingtests, weniger mit deren Ergebnissen. Zwar wurde Christian Mayrleb in einer Kontrolle am 6. November 2006 die Einnahme des verbotenen Blutdruckmittels Codiovan nachgewiesen, das Verfahren gegen den Stürmer wurde aber eingestellt, weil ihn laut BSO-Urteil "keine Schuld getroffen hat". Ähnliches geschah im Zusammenhang mit dem Nachweis des Cannabis-Konsums von Moudou Jagne - der damalige Altach-Stürmer wurde am 31. Jänner 2007 vom Bundesliga-Strafsenat freigesprochen.

Ein derartiges Verfahren würde mittlerweile aber nicht mehr über die Bundesliga, sondern über die NADA laufen. "Und darüber sind wir froh, denn sonst heißt es, die Bundesliga kontrolliert sich selbst", erklärte Liga-Vorstand Georg Pangl.

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