Sanierungs-Stopp

Ehrwürdigen Denkmälern droht jetzt der Verfall

Steiermark
03.11.2008 09:45
Steirische Kulturliebhaber sind entsetzt: Für die Sanierung wunderschöner alter Häuser, Burgen, Kapellen, Bauernhöfe ist plötzlich kein Geld mehr da! Der "Revitalisierungsfonds" des Landes, heuer noch mit 1,65 Millionen Euro dotiert, wurde ersatzlos gestrichen. Jetzt droht steirischen Denkmälern der Verfall...
Das alte Bauernhaus mit dem bunten Garterl davor, das sich in die Umgebung einfügt, als stünde es seit Tausenden Jahren an derselben Stelle. Das handgeschnitzte Marterl am Wegrand, das seit 200 Jahren Wind und Wetter trotzt. Die mächtige Stadtmauer, die sich im Mittelalter erfolgreich gegen jeden Eindringling gestemmt hat. Ihre Tage sind jetzt gezählt. Denn den "Revitalisierungsfonds" des Landes, aus dem die Sanierung und Erhaltung dieser wunderbaren Kleinodien finanziert wurde, gibt es nicht mehr. Ein Blick in den Budgetplan 2009/10 enthüllt das Desaster: Für wertvolles steirisches Kulturgut ist plötzlich kein Geld mehr da, im Jahr 2000 ließ das Land dafür noch sagenhafte 12,7 Millionen Euro springen.

"So kann's nicht gehen"
Entsprechend groß ist die Aufregung bei Kulturliebhabern im ganzen Land. Der Bad Radkersburger Bürgermeister Peter Merlini sieht im Gespräch mit der "Steirerkrone" einen Schaden für Image und Tourismus der Steiermark: "Ich bin entsetzt, dass der Fonds ersatzlos gestrichen wurde. Ohne dieser Förderung könnte niemand mehr die historische Stadtmauer von Radkersburg besichtigen. So kann's sicher nicht gehen." 

Und die Bauwirtschaft fürchtet um Aufträge und Jobs: "Offensichtlich vergisst man, dass die öffentliche Hand auch für das Orts- und Landschaftsbild zuständig ist", wettert etwa Baumeister Rudolf Leitner von der "Alt und Neu Bauträgergesellschaft". 

Seitinger: "Musste neun Millionen einsparen"
Ziel der Angriffe ist ÖVP-Landesrat Johann Seitinger, bei dem die Wohnbauförderung ressortiert. "Kurz vor dem Budgetabschluss hat es geheißen, ich muss neun Millionen Euro einsparen. Da hatte ich die Wahl zwischen Pest und Cholera: Etwa beim sozialen Wohnbau einsparen oder den Revi-Fonds aufzulassen", begründet Seitinger die "schmerzliche Maßnahme" - und reicht die heiße Kartoffel an den den roten Kulturlandesrat weiter: "Kurt Flecker soll jetzt einmal aktiv werden!" 

Wie auch immer: Wenn die Politik den Geldhahn zudreht, werden jahrhundertealte Denkmäler über kurz oder lang dem Verfall preisgegeben sein...

von Gerald Schwaiger, "Steirerkrone"

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