Mi, 24. Jänner 2018

Meine Geschichte

01.03.2017 17:00

Nierenspende an Ziehsohn - Paar wieder vereint

Obwohl er nicht sein Bub ist, spendet Günther dem neuen Kind seiner Ex-Frau eine Niere. Jetzt sind sie alle wieder eine Familie. Lesen Sie das Protokoll eines Mannes, der nichts von falschem Stolz hält.

Nicht unser Blut, sondern unsere Herzen machen uns zu Vätern. Diesen Satz hat mal ein Mann im Radio gesagt. Seine Worte könnten den Schlüsselmoment meines Lebens nicht treffender beschreiben.

Die Nachricht, dass meine Ex-Frau von einem anderen schwanger ist, war für mich wie ein Schlag in die Magengrube. Trotz Scheidung habe ich mich immer eng verbunden mit ihr gefühlt. Wir hatten zu jung geheiratet, zu früh Kinder bekommen und uns dann im Alltagstrott verloren. Dann war Natascha im Begriff, eine neue Familie zu gründen. Aber dazu sollte es gar nicht kommen. Während sie zum Entbinden ins Spital gegangen ist, habe ich mich um unsere beiden gemeinsamen Kinder gekümmert. Neyla. Sie ist neun. Und Nico. Er ist acht. Das hatten wir vorab so vereinbart.

Nierenprobleme wegen Gendefekts
Deshalb habe ich dann notgedrungen mitbekommen, wie ernst es um den kleinen Paul gestanden ist. Von Anfang an hatten seine Nieren nicht richtig gearbeitet. Ein Gendefekt. Nur durch eine Organspende in den Griff zu bekommen ...

Sein leiblicher Vater? Der hat sich nach dieser Hiobsbotschaft gleich einmal aus dem Staub gemacht. Mich dagegen hat diese Situation alles andere als kaltgelassen. Ich habe den Kleinen nur ansehen müssen, und ich bin zerflossen. Er hat in mir etwas berührt. Ganz tief drin.

Einige hatten versucht, mir die Spende auszureden
Es war schwer für mich mit anzusehen, wie schlecht es um den kleinen Zwerg stand. Als schließlich die Suche nach einem passenden Spender losgegangen ist, habe ich dann fast wie selbstverständlich gesagt: "Ich will mich ebenfalls testen lassen!"

Natascha hat geweint, als sie das erfahren hat. Nie wäre sie auf die Idee gekommen, mich darum zu bitten. Dass ein Mann dem neuen Kind seiner Ex-Frau ein Organ spenden könnte - dieses Szenario ist nicht nur ihr ungewöhnlich vorgekommen. Einige hatten sogar versucht, mir das auszureden. Doch damals habe ich für mich entschieden: Themen wie verletzter Stolz, Kränkung oder männliche Eitelkeit haben hier nichts verloren, wenn es um das Leben eines Kindes geht.

Haben Sie auch ein Schicksal gemeistert und können damit anderen Mut machen? Dann schreiben Sie bitte an: brigitte.quint@kronenzeitung.at

Transplantation erfolgreich
Tatsächlich war es dann auch so: Als der medizinisch geeignetste Spender galt am Ende ausgerechnet ich. Also habe ich mich operieren lassen. Paul war erst wenige Tage alt. Dass ich dabei immer ein gutes Gefühl hatte, wäre gelogen. So eine Nierenspende macht man ja nicht jeden Tag. Doch das war nichts gegen das Glücksgefühl, als es mit Paul bergaufgegangen ist. Die Transplantation war ein Erfolg.

Die Beziehung zu Natascha war in der Zeit respektvoll, freundschaftlich. Sie war mir dankbar. Aber auf die Idee, dass wir wieder ein Paar werden könnten, wären weder sie noch ich gekommen. Die Sorge um das kranke Kind war übermächtig, hat alles andere in den Hintergrund gerückt.

Pauls erstes Wort war dann "Papa" - gemeint war ich
Nach Pauls Entlassung aus dem Spital hat es sich aber ganz von selbst ergeben, dass wir uns regelmäßig getroffen haben. Alleine der Kinder wegen. Irgendwann hat mich Natascha gefragt, ob ich mitkommen mag ins Disney Land Paris. Ich wollte. Dort haben wir uns dann geküsst. Seither sind wir wieder eine Familie.

Paul hat uns zusammengebracht. Er ist heute vier. Sein erstes Wort war "Papa" gemeint war ich. Das war der Zeitpunkt, an dem er mein Herz endgültig erobert hatte!

TIPPS UND INFOS

  • Paul leidet am "Nephrotischen Syndrom, finnischer Typ". Wie der Name schon sagt, kommt die Krankheit vermehrt in der finnischen Bevölkerung vor. In Österreich dagegen gibt es nur sechs Patienten.
  • Oft kann nur eine Nierentransplantation das Leben der Betroffenen retten. Wie Paul müssen die meisten rund 14 Spezial-Medikamente täglich einnehmen. Hinzu kommen regelmäßige Spitals-Aufenthalte.
  • Mama Natascha Folly hat auf Facebook die Gruppe "Pauls Leben mit dem Kongenitalen Nephrotischen Syndrom" gegründet, um sich mit Usern auszutauschen.

Brigitte Quint, Kronen Zeitung

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