Do, 14. Dezember 2017

"Ghost Gunner"

02.10.2014 10:01

Mini-Fräse für den PC fertigt Sturmgewehrteile

Das umstrittene US-Unternehmen Defense Distributed hat angekündigt, den Eigenbau von nicht registrierten Sturmgewehren vereinfachen zu wollen. Nachdem das Unternehmen des Texaners Cody Wilson bereits Vorlagen für Waffen aus dem 3D-Drucker ins Netz gestellt hat, nimmt es sich mit einer intelligenten Fräse zum Anschluss an den PC nun der privaten Produktion von Metallteilen für Sturmgewehre an. US-Waffengegner sind besorgt.

Mit dem "Liberator" (siehe Infobox) hat Defense Distributed in den vergangenen Monaten reichlich Aufsehen erregt: Die Pistole aus dem 3D-Drucker steht als Bauplan öffentlich zugänglich im Netz und ist durch Metalldetektoren in öffentlichen Gebäuden kaum zu entdecken.

Fräse ermöglicht AR-15-Gewehre ohne Seriennummer
Jetzt nehmen sich Wilson und seine Mitstreiter bei Defense Distributed einem "CNET"-Bericht zufolge stabilerer Waffen an. Sie haben eine mit dem PC verbundene Fräse enthüllt, die binnen einer Stunde aus einem Metallblock das Gehäuseunterteil eines AR-15-Sturmgewehrs herstellen kann.

Beim Gehäuseunterteil handelt es sich nicht nur um einen der wichtigsten Bestandteile eines Sturmgewehrs, sondern auch um jenen, der normalerweise mit der Seriennummer versehen ist. Wird das Teil selbst hergestellt, fällt die Seriennummer weg und die Waffe wird zum offiziell nicht existierenden Geist. Deshalb auch der Name der CNC-Fräse von Defense Distributed: "Ghost Gunner".

Open-Source-Fräse kostet 1.500 US-Dollar
Das Gerät kommt in einer Metallbox und wird mit dem PC verbunden. Laut Defense Distributed wurden für den Bau Open-Source-Teile verwendet. Kosten soll die Fräse bei Verkaufsstart gegen Ende des Jahres rund 1.500 US-Dollar. Wie Defense-Distributed-Chef Wilson betont, soll damit eine Waffenproduktion realisierbar sein, für die es sonst ein zehnmal teureres Fräsgerät bräuchte.

Um ein AR-15-Sturmgewehr herstellen zu können, braucht es neben dem Gehäuseunterteil noch einige andere Komponenten, die Defense Distributed in der Vergangenheit zum Teil bereits mittels 3D-Drucker gefertigt hat. So sorgte das Unternehmen beispielsweise schon Anfang 2013 für Aufsehen, als es bekannt gab, Magazine für das AR-15-Sturmgewehr 3D-drucken zu können.

AR-15-Sturmgewehr hat blutige Geschichte
Interessantes Detail: Das Sturmgewehr AR-15 kam dem Bericht zufolge in der Vergangenheit bei vielen großen Amokläufen der jüngeren US-Geschichte zum Einsatz. Etwa beim Massenmord an der Columbine High School im April 1999, dem zwölf Schüler und ein Lehrer zum Opfer fielen. Und auch beim Amoklauf an der Sandy Hook Volksschule im Dezember 2012, der insgesamt 28 Menschenleben forderte, nutzte der Täter ein AR-15-Sturmgewehr.

Waffengegner sind angesichts solcher Vorfälle und der neuen Möglichkeiten, die 3D-Druck und nun die Waffenfräse von Defense Distributed bieten, zutiefst besorgt. Einige Politiker, etwa der kalifornische Senator Kevin de Leon, fordern deshalb strengere Regeln für den Waffenbau: Registrierungspflicht für Selbstbau-Waffen und den Zwang zu Metallteilen, um die Waffen aufspürbar zu machen.

US-Politiker diskutieren Regeln für Selbstbau-Waffen
"Der technologische Fortschritt verlangt, dass wir unsere Gesetze aktualisieren, um neuen und wachsenden Sorgen zur öffentlichen Sicherheit zu begegnen", forderte er vor wenigen Wochen in einem Brief an den kalifornischen Gouverneur. Dieser lehnte das Anliegen ab – mit der Begründung, eine Seriennummer auf selbst gebauten Waffen würde die öffentliche Sicherheit auch nicht verbessern.

Defense-Distributed-Chef Wilson selbst sieht sich derweil auf der gesetzlich sicheren Seite und hat die Sorgen seiner Gegner sogar in das oben zu sehende bizarre Werbevideo für den "Ghost Gunner" eingebaut. "Womit auch immer sie ankommen, wird neu für mich sein. Wir haben versucht, jedem Gesetzestext zu genügen."

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