Sa, 24. Februar 2018

Schwerer Start

15.04.2011 10:30

Page enttäuscht: Google trotz Gewinn unter Erwartungen

Steigende Kosten bremsen die Gelddruckmaschine Google. Der amerikanische Internet-Konzern konnte den Gewinn im ersten Quartal zwar immer noch um 18 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar (1,6 Milliarden Euro) steigern, doch die Analysten an der Börse hatten mehr erwartet. Nach den ersten Zahlen von Google-Gründer Larry Page an der Konzernspitze fiel die Aktie gleich um mehr als fünf Prozent. Nun muss Page beweisen, dass er Wachstum mit Profit verbinden kann.

Die laufenden Kosten waren in dem Quartal um gut die Hälfte gestiegen - vor allem wegen Investitionen, Tausenden neuen Mitarbeitern und einer allgemeinen Gehaltserhöhung um zehn Prozent. In einer Telefonkonferenz verteidigte Finanzchef Patrick Pichette den Kurs. Google baue milliardenschwere Geschäftsbereiche auf "und jetzt ist die Zeit, zu investieren."

Das Geschäft zu Jahresbeginn hatte freilich noch Vorgänger Eric Schmidt zu verantworten, der nun als Verwaltungsratschef die Rolle des Firmenbotschafters übernommen hat. Page steht erst seit Anfang April in der Pflicht. Jede seiner Handlungen wird genau beobachtet. Die Frage lautet: Wohin steuert Page den Internetgiganten? In der Telefonkonferenz mit Analysten blieb er die Antwort schuldig.

"Ich hoffe sehr, dass er mit der Zeit seine Strategie etwas klarer vorstellt", sagte Jim Tierney, Chef-Investmentstratege beim Vermögensverwalter WP Stewart, der Anteile an Google hält. "Die Ausgaben wachsen schneller als der Umsatz und einige Leute sind doch sehr überrascht, wie bereitwillig der Konzern Geld ausgibt", sagte Colin Gillis von BGC Partners.

Werbung nach wie vor Haupteinnahmequelle
Bislang ist es das Suchmaschinen-Geschäft, das Google reich macht. Firmen zahlen für Werbung, die sie bei den Suchergebnissen platzieren. Doch Google drängt in immer mehr Felder. So ist sein Handy-Betriebssystem Android mittlerweile der schärfste Gegner für Apples iPhone und mit seinem Computer-Betriebssystem namens Chrome OS will Google den Softwareprimus Microsoft mit seinem Windows das Fürchten lehren. Auch die Videoplattform YouTube gehört zum Imperium.

Im ersten Quartal stieg der Konzernumsatz um 27 Prozent auf 8,6 Milliarden Dollar. Davon entfällt allerdings nur ein Bruchteil auf die neuen Spielwiesen. Was indes bereits gutes Geld abwirft, sind die grafischen Werbebanner, die Google vermarktet. Dabei stößt der Konzern immer tiefer in ein Feld vor, das klassischerweise vom Rivalen Yahoo beackert wird.

Google wächst und wächst und wächst
Und Google dehnt sich weiter aus: Erst vor wenigen Tagen bekam das Unternehmen grünes Licht von den US-Wettbewerbshütern für die Übernahme des Flugsuche-Spezialisten ITA. Zwar musste der Konzern dafür einige Zugeständnisse machen, aber dafür steckt Google künftig hinter einem guten Teil der weltweiten Flugticket-Buchungen.

Auch intern wächst das Unternehmen: In den ersten drei Monaten des Jahres stellte Google mehr als 1.900 neue Leute ein, womit 26.300 Menschen für den Konzern arbeiteten. Dieses enorme Tempo kann sich Google dank seiner prall gefüllten Kasse leisten. Der unglaubliche Kontostand zum 31. März: 36,7 Milliarden Dollar.

Neuer Auftrieb durch mehr Gestaltungsspielraum
Vor Page liegt nun die Aufgabe, das Vermögen weiter zu mehren. Nach US-Medienberichten hat der Gründer in seinen ersten Tagen als Chef schon Teile des Top-Managements umgekrempelt. Die einzelnen Bereiche sollen mehr Gestaltungsspielraum bekommen. Das passt zum erklärten Ziel von Page, dass Google wieder wendiger werden solle.

Lary Page hatte Google 1998 zusammen mit seinem Kompagnon Sergey Brin gegründet, der sich heute um neue Produkte kümmert. 2001 übergaben die beiden ihr "Baby" an Schmidt. Unter dem erfahrenen Manager hat sich Google von einem aufstrebenden Internetsuch-Unternehmen zum heute breit aufgestellten Technologiekonzern gemausert.

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