So, 17. Dezember 2017

Peinliche TV-Panne

27.06.2008 11:13

Drei Stromaussetzer schuld an Bildausfällen

Drei kurze Stromaussetzer und das Versagen des Sicherheitssystems sind die Gründe, die am späten Mittwochabend während der zweiten Spielhälfte des EM-Halbfinales zwischen Deutschland und der Türkei (3:2) in Basel zu einem Ausfall der TV-Bilder während der Direktübertragung geführt haben. Das erklärte Alexandre Fourtoy, der Chef der UEFA Media Technology SA, am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Wien. Die Panne wird vermutlich auch ein juristisches Nachspiel haben, denn das ZDF und der finnische Sender TV4 prüfen bereits rechtliche Schritte gegen die UEFA, die die alleinige Verantwortung übernahm und bekräftigte, dass die TV-Anstalten nichts für die Bildausfälle können.

"Wir bedauern das zutiefst. Es war eine Verkettung unglücklicher Umstände", sagte Fourtoy. Schuld an den Ausfällen seien drei Strom-Ausfälle im Milli-Sekunden-Bereich des Stromversorgungssystems gewesen. "Diese reichten aus, um das System neu starten zu müssen," begründete der Franzose die Probleme im International Broadcasting Center (IBC), das auf dem Wiener Messe-Areal im Prater untergebracht ist.

Zum Zeitpunkt der Live-Übertragung waren über der österreichischen Bundeshauptstadt schwere Gewitter mit starkem Wind niedergegangen. In vielen Ländern blieben die TV-Schirme für insgesamt 18 Minuten dunkel. Für das zweite Halbfinale Russland - Spanien am (heutigen) Donnerstag und das sonntägige Endspiel ebenfalls im Wiener Happel-Stadion kündigte kündigte Foutoy besondere Sicherheitsmaßnahmen an.

Bedauern beim ORF
Der ORF bedauert den Totalausfall der Satellitenübertragung. "Weit mehr als eine Million österreichischer Fußballfans waren zu Recht empört, auch wenn den ORF keinerlei Schuld trifft, und die Ausfälle ausschließlich im Verantwortungsbereich der UEFA lagen, wie diese unmissverständlich festgestellt hat", erklärte Kommunikationschef Pius Strobl Donnerstagnachmittag in einer Aussendung. Man wolle mit den Verantwortlichen über deren Vorkehrungen "sehr ernsthaft" reden und klären, ob die eingesetzten Backup-Systeme zur Vermeidung eines Totalausfalls ausreichend waren. Es sei "kaum vorstellbar", dass "alle Systeme und Sicherungen so vollständig zusammenbrechen, und faktisch die ganze Welt plötzlich ohne Bilder der EURO dasteht", so Strobl.

Juristisches Nachspiel
Die Fernsehpanne hat möglicherweise auch ein juristisches Nachspiel. Das ZDF überprüft derzeit, ob Ansprüche gegen die UEFA geltend gemacht werden können. "Ich verstehe nicht, warum das Notstromaggregat in Wien nicht funktioniert hat", erklärte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz zu der "ärgerlichsten anzunehmenden Panne". Der Mainzer Sender hat nach einem zweiten Stromausfall in Wien das Übertragungssignal des Schweizer Fernsehens SF1 übernommen, das zu dieser Zeit über eine Glasfaser-Direktverbindung aus dem Stadion in Basel als einziges noch verfügbar war.

Neben dem ZDF prüft auch der schwedische Privatsender TV4 rechtliche Schritte gegen die UEFA. Der Fußball-Beauftragte von TV4, Per Nunstedt, sagte am Donnerstag in Stockholm, der Vorfall sei "völlig inakzeptabel". TV4 habe eine Garantie für die Übertragung von 31 Spielen erhalten und dies habe man nicht bekommen.

ZDF schaltete schneller als der ORF
Während des Bildausfalls hatte ZDF-Kommentator Béla Réthy die TV-Zuschauer wie ein Radioreporter per Telefonleitung auf dem Laufenden gehalten. Ton und Bild kamen zwischenzeitlich aber zeitversetzt an. Das zweite deutsche Tor von Miroslav Klose feierte Réthy bereits, als die Fernsehzuschauer den Ball noch gar nicht im Tor sahen. Im ORF gab es zu diesem Zeitpunkt auch keinen "verfühten" Kommentar, der Staatsfunk übernahm erst wenig später - acht Minuten nach dem Ausfall - das schweizerische Signal.

Laut Gruschwitz haben sich alle anderen TV-Sender verpflichtet, das von der UEFA in Wien produzierte Signal zu übernehmen. Auch die von eigenen Kameras hergestellten ZDF-Bilder gehen über das IBC und waren von der technischen Panne betroffen. "Darüber wird noch zu reden sein", sagte Gruschwitz.

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