Kinderliebe ist keine Rechnung – Kinderlosigkeit nicht die Lösung
„Kinderbetreuung würde ich nicht als Arbeit sehen.“ Mit diesem Satz sorgte Bundeskanzler Christian Stocker für heftige Diskussionen. Er hat sich dafür entschuldigt und seinen Sager als falsch bezeichnet. Das ist anzuerkennen. Doch hinter dieser Aussage steckt eine Frage, die weit über den politischen Aufreger hinausgeht: Was ist die Leistung von Eltern wert, wenn dafür kein Gehalt auf dem Konto landet? Familie ist kein Business Case. Eine Mutter steht nachts auf, ein Vater fährt sein krankes Kind zum Arzt – nicht für Geld, sondern aus Liebe. Aber Liebe und Arbeit schließen einander nicht aus. Kinder versorgen, trösten, organisieren, begleiten, nachts aufstehen und am nächsten Morgen wieder funktionieren: Das ist Arbeit, auch wenn dafür kein Lohnzettel ausgestellt wird. Wer diese Leistung nicht anerkennt, verkennt nicht nur die Liebe, sondern auch die Realität von Familien. Wer wegen der Kinder beruflich zurücksteckt, Teilzeit arbeitet oder für Jahre aus dem Beruf aussteigt, verzichtet auf Einkommen, Karrierechancen und spätere Pensionsansprüche. Das ist keine Theorie: Österreich verzeichnete 2025 mit 76.067 Geburten den niedrigsten Stand seit 2001. Gleichzeitig starben 87.902 Menschen – 11.835 mehr, als geboren wurden. Damit war die Geburtenbilanz zum sechsten Mal in Folge negativ. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau lag mit 1,30 auf einem neuen Tiefststand. Doch in jedem Kind wächst nicht nur das Glück einer Familie, sondern auch die Zukunft unseres Landes. Eltern begleiten damit die nächste Generation ins Leben. Niemand verlangt, Elternschaft zu vermarkten oder Liebe in Geld aufzuwiegen. Aber wer Kinder großzieht, darf daraus nicht langfristig zum Verlierer werden. Familienpolitik muss nicht die Liebe bezahlen – sie muss dafür sorgen, dass Elternschaft nicht zum Nachteil wird. Eine Gesellschaft, die sich über zu wenige Kinder sorgt, darf jene, die Kinder bekommen und großziehen, nicht gleichzeitig so behandeln, als wäre ihre tägliche Leistung selbstverständlich. Was Eltern ihren Kindern an Liebe schenken und von ihnen zurückbekommen, kann kein Geld der Welt aufwiegen. Gerade deshalb darf die Betreuung von Kindern nicht unsichtbar werden.
Alessandro Ferrari, Wien
Erschienen am Mo, 10.8.2026
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