Das freie Wort

Mercosur – es wird wieder verhandelt

Es wird wieder weiterverhandelt: geheim, damit nur ja die Öffentlichkeit nichts mitbekommt. Mercosur soll also – so bald wie möglich – unter Dach und Fach sein. Was das für viele europäische Wirtschaftszweige bedeutet, können sich wahrscheinlich die wenigsten von uns konkret vorstellen. Der europäischen Landwirtschaft wird beinahe am Fließband eine neue Regelung nach der anderen umgehängt. Immer mehr Vorschriften bezüglich Tierwohl (was ja prinzipiell vollkommen in Ordnung ist), wann was und auf welcher Fläche angebaut werden darf, welche Maßnahmen gegen Schädlinge ergriffen werden dürfen, Renaturierung – schützen wir Wiesen und Wälder! Alles gut und schön. Wie schauen die Produktionsbedingungen aber außerhalb der EU aus? Da werden noch immer Schädlingsbekämpfungsmittel verwendet, die bei uns schon jahrelang verboten sind, siehe Weizenlieferungen aus der Ukraine, Hühner werden dort noch immer in Käfigen gehalten. Wo ist da das Tierwohl? Dass in Lateinamerika zu den jetzt schon enormen Brandrodungen noch zahlreiche weitere zum Gewinn von Ackerflächen dazukommen werden, interessiert in Brüssel anscheinend auch niemanden. Hauptsache, wir retten das Weltklima. Die Devise lautet offensichtlich: Höhlen wir Europas Wirtschaft aus, und machen wir uns abhängig. Vollmundig wird einerseits gegen die Abhängigkeit von russischen Bodenschätzen gewettert, andererseits machen wir (Brüssel) uns freudigen Herzens abhängig von außereuropäischen Ländern, ohne Rücksicht auf irgendetwas. Selbst wenn gewisse Forderungen bezüglich Umweltschutz und Tierwohl vertraglich fixiert werden; wer soll das kontrollieren oder einfordern? Wenn erst mal unsere Landwirtschaft und auch die restliche Wirtschaft am Ende sind, sind wir unseren Lieferanten mit Haut und Haaren ausgeliefert.

Leopoldine Gram, per E-Mail

Erschienen am Mi, 11.9.2024

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