Das freie Wort

Beängstigende Fragilität

Es gibt einem schon mehr als zu denken, wenn man liest, dass vermutlich in Russland sitzende IT-Hacker in der Lage sind, eine der wichtigsten Ölpipelines der USA nahezu eine Woche lang lahmzulegen, um damit künstlich einen Engpass herzustellen, der viele Menschen dazu bringt, Benzin höchstgefährlich in Plastiksäcken abzufüllen und zu transportieren. Es gibt einem außerdem zu denken, dass ein einziger Tweet von E-Auto-Papst Elon Musk den Absturz der Kryptowährungsbörsen innerhalb weniger Minuten herbeiführen kann und dadurch Milliardenverluste für eine Vielzahl vollkommen unbeteiligter Dritter produziert werden. Die mittlerweile erfolgte digitale Vernetzung der gesamten Welt hat uns zu Bewohnern eines einzigen großen Wohnzimmers gemacht, in dem jeder alles über jeden weiß und Schadenmaximierung sehr leicht durchgezogen werden kann. Und das ist leider ganz und gar nicht angenehm und zeigt uns, wie fragil und verletzlich sämtliche unserer bewährten Systeme – speziell in der Infrastruktur – geworden sind. Heute ist es eine gehackte Erdölpipeline, morgen sind es Krankenhäuser, die lahmgelegt werden, und übermorgen sind es Bankomaten, die plötzlich vielleicht wochenlang kein Bargeld mehr ausgeben. Es ist höchst an der Zeit, über diese bedrohlich wirkende Totalvernetzung, die pathologisch-kriminellen Elementen Tür und Tor öffnet, vernünftig nachzudenken und dabei die Frage zu stellen, ob wir uns wirklich dauerhaft einer derartigen Situation unterwerfen wollen. Oder wäre es nicht besser, viele der automatisiert zustande gekommenen Vernetzungen ganz bewusst zu hinterfragen und allenfalls auch wieder rückgängig zu machen? Ein Nachdenkprozess dazu wäre jedenfalls höchst notwendig.

Martin Krämer, per E-Mail
Erschienen am Mo, 17.5.2021

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