12.03.2009 09:57 |

Erstunken & erlogen

Die größten Internet-Märchen

Spätestens mit Aufkommen der digitalen Aufnahmetechnik und digitalen Bearbeitungsmöglichkeiten ist das Manipulieren von Bildern zum Kinderspiel geworden. In Verbindung mit einer spannenden oder spektakulären Geschichte entstehen dann schnell so genannte "Hoaxes" – Internet-Märchen, mit denen fast jeder von uns bereits beim Surfen oder Lesen von E-Mails konfrontiert wurde. krone.at zeigt dir die bekanntesten Falschmeldungen des Internets. Im Bilder-Quiz kannst du dann selber testen, ob du die Wahrheit von der Fälschung unterscheiden kannst.

Ein Hoax (englisch für "Scherz") ist per Definition eine Falschmeldung, die - einmal massenhaft über E-Mail, SMS oder Medien verbreitet - von vielen für voll genommen und für wahr gehalten wird. Aufgrund der einfachen und schnellen (oftmals auch unreflektierten) Verbreitung der Internetuser via E-Mail kursieren diese Falschmeldungen dann oftmals über Jahre hinweg im Netz - und sind nur schwer aus den Köpfen der Menschen zu tilgen.

Katzen im Einmachglas
Eines der wohl berühmtesten Beispiele hierfür sind die in Einmachgläsern großgezogenen "Bonsaikitten" (siehe Diashow). Laut einer im Jahr 2000 ins Leben gerufenen Website würden die Kätzchen durch die Haltung im Glas wie ein Bonsai-Baum nicht wachsen und zudem die Form des Behälters annehmen. Zahlreiche Tierschützer reagierten damals mit Online-Petitionen gegen dieses grausame Spiel, sogar das FBI ermittelte. Das Ergebnis: Studenten des MIT in Massachusetts hatten sich einen Spaß erlaubt und die Bilder digital bearbeitet. Obwohl der Schwindel recht bald aufflog, fallen auch heute noch Menschen darauf herein.

Tiere gewaltigen Ausmaßes
Überhaupt scheinen Tiere hoch im Kurs der virtuellen Spaßmacher zu stehen. Hund Hercules soll beispielsweise so groß sein wie ein Pferd. An der Leine seines nur ungleich höher gewachsenen Herrchens sieht man ihn über eine Wiese trotten. Ein Blick auf die Hüfte des Mannes offenbart jedoch, dass hier bei der Bildbearbeitung geschlampt wurde: Wo der Pullover zu sehen sein sollte, klafft ein Loch. Schon echter schaut da das Bild der Riesenkatze Snowball aus, die laut hinzugedichtetem Text rund 40 Kilo wiegen soll. Den Besitzer scheint das jedoch nicht zu stören: Nahezu mühelos stemmt er die ohnehin reichlich steif und wie ein Stofftier wirkende Katze in die Höhe. Experten haben inzwischen auch dieses Bild als Fälschung enttarnt.

Hai-Angriff auf Helikopter
Schwerer war die Beweisfindung bei einem angeblichen Hai-Angriff vor der Küste Südafrikas auf einen Hubschrauber der US Air Force. Das an sich professionell aus zwei unterschiedlichen Fotos zusammengefügte Bild hat jedoch einen entscheidenden Fehler: Im Hintergrund sticht die auffällige Architektur der Golden Gate Bridge ins Auge - und die steht nun mal in San Francisco. Die beiden Originalbilder - einerseits die in der Bucht von San Francisco übenden Soldaten, andererseits der springende Hai - konnten daraufhin ausfindig gemacht und die Fälschung rekonstruiert werden.

Flugzeugkatastrophen und Co.
Immer für einen Hoax gut sind neben Tieren auch Katastrophen. Gerade nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York gelangten etliche Falschmeldungen ins Internet. Zweifelsohne am bekanntesten ist die des "Tourist Guy": Ein gewöhnlicher Tourist lässt sich nur wenige Augenblicke vor einem der Flugzeugeinschläge auf dem Dach des Wolkenkratzers fotografieren, die heranrasende Maschine ist bereits deutlich im Hintergrund zu sehen. Einen zusätzlichen Beweis für die Authentizität der Aufnahme soll der Datumsstempel am unteren Bildrand liefern.

Von Budapest nach New York und rund um die Welt
Allerdings gibt es gleich mehrere Fakten, die gegen die Echtheit des Bildes sprechen: Das Flugzeug kommt nicht nur aus der falschen Richtung, es ist auch nicht der richtige Flugzeugtyp. Zudem ist die Maschine trotz der hohen Fluggeschwindigkeit erstaunlicherweise gestochen scharf zu sehen. Der "Tourist Guy" selbst gibt auch Grund zum Zweifeln: Obwohl es am 11. September rund 22 Grad Celsius Außentemperatur hatte, trägt der Tourist eine dicke Jacke und Haube.

Dass das Bild tatsächlich eine Fälschung ist, hat der geistige Vater des Scherzes inzwischen selbst zugegeben. "Tourist Guy" heißt eigentlich Peter Guzli, stammt aus Budapest und war tatsächlich in New York auf dem World Trade Center - allerdings nicht 2001, sondern bereits vier Jahre zuvor. Aus Spaß fügte er seine Aufnahme vor der Skyline mit der eines Flugzeuges nach dem 11. September zusammen und zeigte das Bild einem Freund, der es wiederum per E-Mail an etliche Freunde weiterleitete.

Kate in Handschellen
Spektakulär sind schließlich auch die Aufnahmen aus dem Inneren einer Boeing 737, während diese nach einer Kollision über den Wolken in Stücke gerissen wird. Der Memorystick einer Digitalkamera blieb unversehrt, über die Seriennummer konnte schließlich der Besitzer der Kamera ausfindig gemacht werden. Paulo Muller hinterlässt aus einer früheren Beziehung zwei Töchter, Bruna und Beatriz, so die berührende Geschichte hinter der entsprechenden Kettenmail.

Auch in diesem Fall flog der Schwindel allerdings rasch auf. Wer sich den Passagier vorne links im Bild genauer ansieht, entdeckt ein Paar Handschellen am Arm. Diese gehören zur US-Schauspielerin Evangeline Lilly, besser bekannt als Kate aus der Mystery-Serie "Lost".

Aus dem Leben von "lonelygirl15"
Ganz ähnlich verhält es sich auch beim Fall von Jessica "Bree" Rose. Als "lonelygirl15" fesselte sie über Monate hinweg mit ihren Video-Tagebuchbeichten die Fans auf YouTube und Co. Was diese allerdings nicht wussten: Das vermeintliche Teenager-Mädchen war in Wirklichkeit eine bezahlte Schauspielerin.

Horror aus dem Posteingang
Ebenfalls immer wieder Gegenstand von Hoax-Mails sind Spuk- und Horrormeldungen, die zumeist in den Bereich der "Urband Legends" fallen. Stichwort: Die Spinne aus der Yucca-Palme. Besonders spannend ist, dass diese Meldungen häufig als "Glücksmail" daher kommen, dem Leser allerdings den Tod verheißen, wenn dieser die Mail nicht binnen weniger Sekunden weiterleitet.

Prominentes Beispiel: Der Geist von Sundarbans in Bangladesh. Bei einem Ausflug auf den Pulianjolai-Berg lässt sich ein Student fotografieren und fällt kurz danach ins Koma. Er scheint die unliebsame Bekanntschaft mit dem hinter ihm stehenden Geist gemacht zu haben. Die schimmernde Gestalt dürfte allerdings ganz klassisch durch Doppelbelichtung in die Aufnahme "gezaubert" worden sein und war bereits Jahre zuvor auf unterschiedlichsten Aufnahmen zu finden. Eine solche E-Mail darf also getrost gelöscht werden, eine Heimsuchung ist nicht zu befürchten. Ganz abgesehen davon, dass sich technisch nicht nachverfolgen lässt, ob man nun binnen weniger Sekunden die Mail weiterleitet oder nicht.

Larven im Kebab
Für Aufregung in unseren Breitengraden hat auch die Geschichte der aus Kebab stammenden und sich durch den Körper des Menschen fressenden Wurm-Larven gesorgt. Obwohl ein beigefügtes Bild eindrucksvoll belegt, wie eine solche Larve, nachdem sie über die Nahrungsaufnahme als Ei in den Körper gelangte, aus dem Auge eines Menschen kriecht, handelt es sich bei dieser Geschichte um einen Hoax. Denn Gammelfleisch hin oder her: Wurm-Eier würden in jeder Kebab-Grillerei vernichtet werden. Das authentische Bild stammt stattdessen von einer Website, die sich mit der bevorzugt in Zentral- und Südamerika vorkommenden Dasselfliege beschäftigt.  

Wahrheit oder Fälschung?
Jetzt bist du gefragt: Bist du in der Lage, Wahrheit und Fälschung voneinander zu unterscheiden? Mach die beiden Bilder-Quizzes und finde es heraus.

Wer es nicht genau weißt, sollte einen Blick auf die Hoax-Info-Seite der TU Berlin werfen. Hier werden laufend kursierende Falschmeldungen enttarnt und archiviert.

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