01.03.2007 13:24 |

Härtetest

Olympus' mju 770 SW im Test

Ungewöhnliche Digitalkameras erfordern ungewöhnliche Testmethoden. Olympus hat sich schon bei der Präsentation der mju 770 SW weit aus dem Fenster gelehnt: Wasserfest, stoßsicher, ja für die härtesten Abenteuer sollte sie geeignet sein. Das wollten wir live sehen! Und nach zwei Wochen zwischen Regen, etlichen Wasserbädern, einer Ladung Dreck, kleinen Schlägen, großen Tritten und der abschließenden 80-Kilo-Belastungsprobe wissen wir – diese Kamera macht tatsächlich jeden Sch… mit!

Den von Olympus empfohlenen Tauchgang in der Alten Donau haben wir zwar nicht gemacht, ansonsten wurde der mju 770 SW im Krone.at-Test aber nichts geschenkt. Paris bei Regen, Wien bei Schneefall, mehrere Wechselbäder im Waschbecken und nicht zuletzt ein paar spektakuläre Stürze vom Schreibtisch – alles hat sie ohne Kratzer überstanden.

Der Hummer unter den Kompaktkameras
Damit die 7,1-Megapixel-Kamera diese Abenteuer meistert, hat man sie in echter Heavy-Duty-Bauweise konstruiert. Die dicke Edelstahlplatte an der Front und das stabile Metallgehäuse haben zwar ihr Gewicht, machen die mju 770 SW aber zum Hummer unter den Kompaktkameras. Vor allem in den Details zeigt sich, dass man hier echtes „Craftsmanship“ serviert bekommt. USB- bzw. Video-Out-Anschluss und der Einschub für Akku und Speicherkarte sind durch stabile Metallklappen geschützt, die mit dickem Gummi luftdicht isoliert sind.

Auslöser und On/Off-Schalter sind in einen harten Metallhöcker eingelassen und können beim Herunterfallen keinen Schaden nehmen. Die gesamte Gehäusekonstruktion ist zudem mit bis zu 100 Kilo belastbar – sollte beim Tauchgang ein gefräßiger Hai auftauchen, stehen selbst hierbei die Chancen nicht schlecht, dass (zumindest) die Digicam eine Bissattacke überlebt. Das wasserdichte Objektiv sitzt hinter einer Metallklappe, die sich beim Einschalten automatisch zur Seite schiebt, das Display ist mit einer Gummidichtung ins Gehäuse eingebettet. All das macht die Kamera auch frostsicher bis minus 10 Grad Celsius. Wobei wir diese Eigenschaft und die Dichte auf bis zu 10 Metern Tauchtiefe jeweils aufgrund der Wetterbedingungen im Test nicht überprüfen konnten.

Aktzeptable Abbildungsleistung - gute Automatikprogramme
In der Praxis heißt das für den Fotografen: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Im Prinzip kann man den eingeschlafenen Kollegen an der Bar aus dem vollen Bierglas fotografieren, auch ein Porträt aus der Gulaschsuppe (Insider-Tipp: Selbstauslöser benutzen) ist möglich. Der größte Vorteil: Man kann der mju 770 SW danach einfach ein Vollbad spendieren, und die Spuren sind beseitigt.

Auf der fotografischen Seite kann die Abenteurer-Digicam mit akzeptablen Leistungen überzeugen. Das 3-fach-Zoomobjektiv reicht von 38 bis 114 Millimetern Kleinbildäquivalent, die bei kleinen Kameras im Weitwinkelbereich häufig vorhandenen Verzerrungen konnten wir der mju 770 SW nicht nachweisen. Ein „Fischaugeneffekt“ ist erst bemerkbar, wenn man zum Beispiel eine extrem breite Straße wie die Pariser Champs Elysee fotografiert. Hier sind die Kanten der Gebäude in den Bildecken etwas gebogen, das liegt aber innerhalb der Norm.

Die mju 770 SW wartet auch mit einer Vielzahl an Belichtungsprogrammen auf, die in der Regel Sinn ergeben und funktionieren. Die 24 Programme stellen Parameter wie Weißabgleich, Blende, Belichtungszeit, Autofokusmessung und ISO-Wert so ein, dass der gewünschte Effekt mit ziemlicher Sicherheit zu erzielen ist. Folgende Programme sind verfügbar: Porträt, Landschaft, Landschaft mit Porträt, Nachtaufnahme, Nachtaufnahme mit Porträt, Sport, Innenaufnahmen, Kerzenlicht, Selbstporträt, Porträt in natürlichem Licht, Sonnenuntergang, Feuerwerk, Museum, Speisen, Vitrine, Dokumente, Auktion, Aufnehmen und Auswählen 1, Aufnehmen und Auswählen 2 , Strand und Schnee, Unterwasser-Snapshot, Unterwasser-Weitwinkel 1, Unterwasser-Weitwinkel 2, Unterwasser-Nahaufnahme, Videos.

Am besten haben im Krone.at-Test die Automatiken für Kerzenlicht, Vitrine, Sonnenuntergang, Strand und Schnee, sowie die Unterwasser-Modi funktioniert. Hier waren nahezu perfekte Ergebnisse zu erzielen. Mehr oder weniger wirkungslos war das Programm Dokumente. Der abgelichtete Brief war zwar bis auf ein paar Verzerrungen gut lesbar, Vorteile brachte das Programm aber nicht. Der Nachtmodus besteht nur aus einer drastischen Erhöhung der ISO-Zahl und einer Verringerung der Farbsättigung, wodurch das Foto schlichtweg grauenhaft aussieht. Aufnahmen bei Nacht mit geringer Belichtungsszeit und ohne zu Verwackeln sind aber Wunschträume jedes Kameraherstellers, insofern ist das Versagen des Nachtmodus-Programms absolut vernachlässigbar.

Schutz vor dem Verwacklungssschutz ist notwendig
Definitiv verbieten sollte man der mju 770 SW die so genannte Anti-Verwackelungsfunktion. Ist diese aktiviert, schraubt die Software bei entsprechend schlechten Lichtverhältnissen die ISO-Zahl nach oben und kann so eine kürzere Belichtungszeit erzielen. Bei Fotos in Museen o.ä. kann das erwünscht sein, wenn man danach allerdings eine Aufnahme in einem schattigen Park macht, belässt die Kamera den ISO-Wert hoch und schraubt die Verschlusszeit noch ein gutes Stück nach unten, was aber eigentlich nicht nötig wäre.

Kleiner Tipp am Rande: Es empfiehlt sich generell, den ISO-Wert manuell zu regeln. Am Strand bzw. in der Sonne ISO 100, bei normalen Lichtverhältnissen 200, bei Fotos mit Blitz ebenfalls ISO 200, im Grenzbereich vielleicht sogar nur ISO 100 und bei beweglichen Objekten (Athleten, Autos, Konzerte, etc.) und bei eher schummrigen Lichtverhältnissen ISO 400. Obwohl die mju 770 SW auch bis zu ISO 1600 leisten könnte, sollte man das Angebot nicht in Anspruch nehmen. Aufgrund der kleinen Sensorfläche, die bei Kompaktkameras jeden Bautyps und jeder Marke vorhanden ist, schaffen es die Wenigsten, ab einer ISO-Zahl von 400 rauschfreie Bilder zu liefern.

Viel Action zu einem angemessenen Preis
Fazit: Im Test konnte die mju 770 SW nicht nur durch ihre durch und durch solide Bauweise beeindrucken, sondern auch mit akzeptablen Abbildungsleistungen überzeugen. Als erfreuliches Detail wäre da am Ende noch die überdurchschnittliche Akkuleistung von zirka 350 Aufnahmen (höchste Qualität, fine, 3072 x 2304 Pixel groß, 30% der Aufnahmen mit Blitz) zu erwähnen. Die mju 770 SW gibt es in den Farben Titanium Grey (unser Testmodell), Dark Blue und Mocca Brown, wobei letztere im Gatsch sicher nicht so spektakulär aussieht, wie die Silberne, wenn sie ordentlich verschmiert wird. Olympus gibt eine Preisempfehlung von 399,- Euro an. Im Laden steht die mju 770 SW aber schon um gesehene 345,- Euro bereit.


Christoph Andert

Donnerstag, 13. Mai 2021
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