Mo, 22. Oktober 2018

Frust der Retter

30.09.2017 21:10

Wegen Blase am Fuß muss "Heli-Taxi" her

Weniger Unfälle, aber um vier Tote mehr - zwiespältig fällt die Bilanz von Alpinpolizei und Bergrettung nach der Tiroler Sommersaison aus. Beim Pressetermin in Innsbruck ärgerten sich die Helfer darüber, dass sich Leute immer häufiger wegen Nichtigkeiten mit dem Helikopter bergen lassen. "Die Hemmschwelle sinkt", schimpft Norbert Zobl, Leiter der Alpinpolizei.

Tirol ist bei der Hilfe am Berg professionell strukturiert - "das wird von manchen schamlos ausgenutzt", beobachtet Zobl. Und nannte drastische Beispiele:

Schauplatz Ötztal: Eine neunköpfige Gruppe trägt Bikes über eine Scharte nahe Sölden und kommt bei Dunkelheit nicht mehr weiter. Ein erster Notruf wird storniert, doch dann trauen sich die selbst ernannten Extremsportler" wegen einer schlafenden Kuhherde nicht mehr weiter. Von Bergrettern geborgen, kündigen sie für den kommenden Tag gleich die nächste Biketour über einen ausgesetzten Steig an und lassen sich auch nicht belehren.

Zu bequem für eine Stunde Gehzeit: Notruf

Ebenfalls im Ötztal: Notruf vom Rettenbachjoch, angeblich Erschöpfte sitzen gut gelaunt in der Sonne und wollen eine Stunde Gehzeit bis zum Parkplatz nicht mehr auf sich nehmen. "Der einzig mir bekannte Fall, wo Personen von der Heli-Besatzung sitzen gelassen wurden", erzählt Zobl. Schauplatz Zams: Ein Alpinist schlägt Alarm, weil er wegen einer Blase am Fuß nicht mehr weiter kann - Heli-Flug ins Krankenhaus Zams, wo nicht einmal eine Behandlung nötig ist.

41 Todesopfer, großteils beim Bergwandern

In der Unfallbilanz zwischen 1. Mai und 17. September stehen in Tirol 41 Todesopfer (im Vorjahr 37). Erneut starben die meisten nicht bei "Risiko-Sportarten", sondern beim Bergwandern. Hauptursachen: Stürze, Stolpern, Rutschen. Leicht gesunken ist die Zahl der insgesamt Verunfallten (780 statt im Vorjahr 831). Der Großteil kommt aus Deutschland (45 Prozent), Inländer machen 38 Prozent aus.

"Falsche Leute am falschen Ort"

Generell sagt Zobl: "Sehr oft sind die falschen Leute am falschen Ort. Die Ausrüstung ist einerseits mangelhaft. Andererseits passen schwere Hochtourenschuhe und ein 30-Kilo-Rucksack nicht zu einem normalen Steig." Peter Veider: "Viele wissen nicht einmal, was ein roter oder schwarzer Weg bedeutet."

Andreas Moser, Kronen Zeitung

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