17.11.2015 12:01 |

Auch in Österreich

Wieso IS-Terroristen sich über die PS4 absprechen

Nach den Terroranschlägen von Paris rätselt ganz Europa: Wie konnten die Terroristen die Bluttat unbemerkt planen? Eine Theorie: Sie nutzten ungewöhnliche Wege der Kommunikation, um unter sich zu bleiben, sollen sich über den (Sprach-)Chat der PlayStation 4 ausgetauscht haben. Konkrete Beweise dafür gibt es noch nicht, bei einem Verdächtigen in Brüssel wurde aber offenbar eine Konsole konfisziert. Zudem zeigt ausgerechnet ein Fall aus Österreich, dass IS-Sympathisanten tatsächlich über die PS4 kommunizieren.

Ist Sonys PS4 ein Kommunikationswerkzeug für Terroristen? Glaubt man Belgiens Innenminister Jan Jambon, könnte das durchaus zutreffen. Er erklärte erst vor wenigen Tagen, dass IS-Terroristen verstärkt auf die Sony-Konsole setzen, um sich auszutauschen. Die Konsole sei für Ermittler noch schwerer zu überwachen als etwa WhatsApp, klagt der Belgier.

Bombenbauplan auf PS4 in St. Pölten gefunden
Und tatsächlich wurde die PS4 in der Vergangenheit bereits für die Planung von Anschlägen benutzt. Ausgerechnet jener Teenager aus St. Pölten, der im Mai wegen der Planung eines Bombenanschlags auf den Wiener Westbahnhof zu acht Monaten unbedingter Haft verurteilt wurde, soll der Nachrichtenagentur Reuters zufolge auf seiner PS4 Bombenbaupläne gehortet haben. Dass er über die Konsole auch mit IS-Dschihadisten in Kontakt stand, ist nicht auszuschließen.

Dass sich Terroristen über die PlayStation 4 im Speziellen, oder über Computerspiele im Allgemeinen austauschen, halten auch Experten für realistisch. Games seien ein optimaler Weg, um sicher zu kommunizieren, zitiert das IT-Portal "Wired" zwei Forscher der Stony Brook Universität in New York. Sie haben einen verschlüsselten Messenger programmiert, mit dem sie über das Strategiespiel "Castle" in Form von Spielbefehlen Nachrichten versenden können.

Kommunikation über Games hat Vorteile
Doch es braucht nicht unbedingt solch hochgezüchtete Werkzeuge. Spielkonsolen und Games bringen per se einige Eigenschaften mit, die sie zum attraktiven Kommunikationsmedium für Terroristen und Kriminelle, aber auch für Oppositionelle in totalitären Staaten machen. Zum einen standen sie bislang nicht so im Fokus der Überwachung wie reguläre Telefone, soziale Netzwerke oder E-Mails. Zum anderen bieten sie oft verschlüsselte Sprachchat-Funktionen für verschiedenste Spiele.

Einer der Forscher: "Es würde bei einem Spiel keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wenn man sich über Stunden hinweg unterhält." Und sollte man dennoch das Bedürfnis haben, seine Kommunikation zu verschleiern, könnte man sich einfach in verschiedenen Spielen tummeln und gleichzeitig mit den Games die Chat-Server wechseln.

Versteckte Botschaften in Spielen machbar
Letztlich brauchen Dschihadisten dabei nicht einmal einen Sprachchat, um über Games zu kommunizieren. Das Wirtschaftsmagazin "Forbes" berichtet, dass Terroristen verschlüsselte Botschaften auch direkt in Spielen verstecken könnten.

Was, wenn zwei Spieler im Shooter "Call of Duty" Geheimbotschaften mit Kugeln an die Wände schießen? Was, wenn sie einen "Super Mario Maker"-Level bauen, in dem sie ihre Botschaften in Form von Münzen verbergen? Diese und ähnliche Fragen müssen sich Ermittler bei der Überwachung von Terrorverdächtigen künftig wohl stellen.

Aus dem Video-Archiv: "Anonymous-Hacker schwören Rache für Paris"

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