Ungeachtet neuer diplomatischer Bemühungen hat es zwischen Russland und der Ukraine in der Nacht erneut schwere Luftangriffe gegeben. In Kiew schlugen 21 ballistische Raketen ein, zwei Menschen starben. „Appeasement“ gegenüber Putin würde den Krieg nicht stoppen, warnt der ukrainische Außenminister.
„Fast unmittelbar nach einer weiteren Gesprächsrunde hat Russland einen gezielten Angriff gestartet“, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf Telegram. Er sprach von einem demonstrativen Schlag Moskaus nach den Verhandlungen vom Vortag. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff hatte am Mittwoch Russlands Präsident Wladimir Putin getroffen. Dabei hatte Witkoff den Kremlchef einen „Humanisten“ genannt. „Seit dem Abend haben die russischen ‘Humanisten‘ drei Wellen ballistischer Angriffe auf Kiew abgefeuert“, reagierte Selenskyj nun mit bitterem Spott darauf.
„Raketen sind Anwort auf Verhandlungen“
Der Angriff zeige, dass Russland seine Haltung nicht ändere. „Doch wenn russische Raketen die Antwort auf Verhandlungen sind, muss echter Druck auf Russland ausgeübt werden“, sagte Selenskyj. Es brauche eine Verstärkung der ukrainischen Flugabwehr und „die rasche Lieferung von Raketen, die Fähigkeit, Abschussrampen für ballistische Raketen zu zerstören, Sanktionen wegen des Krieges“. Die Ukraine verdiene Unterstützung, der Aggressor eine angemessene Behandlung, betonte er.
Auch in anderen Teilen des Landes gab es russische Luftangriffe. In der nordöstlichen Region Charkiw wurden nach Behördenangaben eine Frau getötet und vier weitere Menschen verletzt. In der Region Poltawa traf eine Drohne die Energieinfrastruktur in der Gegend von Krementschuk. Die am Dnipro gelegene Stadt ist ein wichtiges Industriezentrum und Standort einer der größten Ölraffinerien der Ukraine.
Ukraine warnt vor Beschwichtigungspolitik
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha warnte angesichts der Attacken vor Nachgiebigkeit und „Appeasement“, also einer Politik der Beschwichtigung gegenüber der Regierung in Moskau. Das würde den russischen Angriffskrieg genauso wenig stoppen wie „Unterwürfigkeit und Schmeichelei“, betonte Sybiha am Donnerstag auf X (siehe unten).
Nach dem Treffen Putins mit Witkoff stellte der Kreml neue Dreier-Verhandlungen mit Vertretern Moskaus, Kiews und Washingtons für Mitte November in Aussicht. Es gibt aber keine Anzeichen dafür, dass Russland von seiner Forderung, die Ukraine müsse den Donbass räumen, abrückt. Ein von Selenskyj vorgeschlagenes Einfrieren der Frontlinie lehnt Putin ab.
Ukrainische Angriffe auf Moskau
Die Ukraine griff ihrerseits in der Nacht Moskau mit Hunderten Drohnen an. Laut Russland wurden die meisten Flugkörper jedoch schon weit von der Hauptstadt entfernt abgeschossen. In der Nähe von Moskau wurden den Behörden zufolge aber zwei Menschen verletzt. Bei der jüngsten Attacke flogen 630 Drohnen in Richtung Moskau, wie Bürgermeister Sergej Sobjanin mitteilte.
Auch in anderen Landesteilen griff die Ukraine an: In der Stadt Lipezk, rund 400 Kilometer südlich von Moskau, wurde dabei den russischen Behörden zufolge ein Mann verletzt. Drohnen hätten Wohnhäuser und eine medizinische Einrichtung getroffen, erklärte Regionalgouverneur Igor Artamonow.
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