Proteinpulver für Muskeln, Vitamine fürs Immunsystem und Kreatin für mehr Leistung: Österreichs Jugendliche setzen zunehmend auf Nahrungsergänzungsmittel. Eine neue AK-Studie zeigt, wie verbreitet der Trend bereits ist – und warnt ausdrücklich.
Der Griff zur Pille gehört für viele junge Menschen längst zum Alltag. Ob für einen durchtrainierten Körper, ein stärkeres Immunsystem oder mehr Energie. 65 Prozent der 14- bis 25-Jährigen haben in den vergangenen drei Monaten Nahrungsergänzungsmittel konsumiert. Schon jeder zweite Jugendliche greift so zu Vitaminen, Pulvern und Co. Bei den 18- bis 25-Jährigen sind es sogar sieben von zehn. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung im Auftrag der Arbeiterkammer (AK).
Proteinpulver und Kreatin besonders beliebt
An der Spitze der beliebtesten Präparate steht sogenanntes Whey-Protein. 46 Prozent der Konsumenten verwenden das Molkenprotein. Dahinter folgen einzelne Vitamin- und Mineralstoffpräparate (46 Prozent), Omega-3-Produkte (43 Prozent) und Multivitaminpräparate (40 Prozent). Auch Kreatin (34 Prozent) und Koffein (29 Prozent) sind gefragt.
Die Gründe für den Griff zur Dose sind vielseitig: 48 Prozent wollen ihr Immunsystem stärken, 45 Prozent Muskeln aufbauen und 37 Prozent einem möglichen Mangel an Nährstoffen vorbeugen. Wobei Burschen eher für den Muskelaufbau Präparate nehmen (74 Prozent) und Mädchen vor allem Nährstoffmängel vorbeugen wollen. AK-Ernährungsexpertin Petra Lehner warnt: „Muskeln wachsen nicht von allein, auch nicht mit dem besten Sportpräparat“
„Doktor TikTok“ statt Ernährungsberatung
Besonders kritisch ist, woher die Jugendlichen ihre Informationen beziehen. Internet und soziale Medien werden von 38 Prozent als Quelle genannt, Influencer und Online-Coaches von weiteren 14 Prozent. Weniger als jeder zehnte Befragte nutzt professionelle Informationsquellen. „Der Wunsch nach mehr Gesundheit, Leistung und einen guten Körper beginnt früh. Viele kombinieren gleich mehrere Produkte. Der tatsächliche Bedarf wird selten professionell abgeklärt“, erklärt Lehner.
Die möglichen Folgen: Wer mehrere Präparate kombiniert, kann unbeabsichtigt zu hohe Mengen einzelner Inhaltsstoffe aufnehmen. Insbesondere bei Koffein, Magnesium, Vitamin D und Zink warnt die AK vor einer unkontrollierten Gesamtzufuhr.
Viele kombinieren gleich mehrere Produkte. Der tatsächliche Bedarf wird selten professionell abgeklärt
AK-Ernährungsexpertin Petra Lehner
Millionenmarkt wächst rasant
Hinter dem Trend steckt ein bommendes Geschäft. Allein der Umsatz mit Vitaminen und Mineralstoffen ist in Österreich von rund 91 Millionen Euro im Jahr 2016 auf 143 Millionen Euro im Jahr 2025 gestiegen. Das entspricht einem Plus von rund 57 Prozent. Proteinpulver und zahlreiche weitere Produktgruppen sind darin noch gar nicht enthalten.
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