Viele Ausflugsziele in der Steiermark stehen vor neuen Herausforderungen. Wo einst Wasser in Strömen floss, bietet sich nun ein ziemlich trauriger Anblick.
Das herbstliche Blättermeer zeigt sich in orange-gelber Pracht, Felsen ragen neben uns empor, fest ergreifen wir die Holzleiter vor uns. Dann ein Blick nach unten – doch vom tosenden Wasser in der Bärenschützklamm bei Mixnitz fehlt jede Spur.
Der Klimawandel macht sich bemerkbar. Greenpeace warnt aktuell vor dramatisch niedrigen Grundwasserständen. Zwei steirische Gemeinden, Oberzeiring und Schöder, kämpften zuletzt mit verunreinigtem Trinkwasser und einem sinkenden Ertrag in ihren Quellen – und auch die heimischen Klammen stöhnen unter der Trockenheit.
Beschwerden von Besuchern
„Das ist das erste Jahr, wo es so heftig ist! Seit dem Frühjahr haben wir quasi kein Wasser, es ist extrem“, sagt Gerhard Jantscher vom Alpenverein Mixnitz, der sich um die Instandhaltung der Bärenschützklamm kümmert. Besucher hätten sich schon beklagt, „aber da muss ich an den Menschenverstand appellieren, wenn es sechs Monate nicht regnet, dann kann kein Wasser fließen“, sagt Jantscher.
Auch Kesselfall ohne Fall
Beim beliebten Ausflugsziel Kesselfallklamm in Semriach ist die Lage nicht besser. Auch diese Klamm liegt seit dem Frühjahr so gut wie trocken. „Das ist besonders für Kinder schade, die hier sonst an manchen Stellen plantschen dürfen“, sagt Günther Steger vom zuständigen Alpenverein Semriach.
Grüner See gleicht Schottergrube
Beim Grünen See in Tragöß-St. Katharein ist das Bild genauso traurig: Er ist leer. „Der See gleicht einer Schottergrube, das glaubt man nicht“, sagt Bürgermeister Hubert Zinner. „Die Trockenheit wird wirklich zum Problem!“ Auch die E-Werke an der Laming, einem Zufluss zur Mürz, mussten laut Bürgermeister heuer bereits wegen Wassermangels abgeschaltet werden. „Das gab es noch nie“, so Zinner. Er würde sich für die Region lang anhaltenden Niederschlag und viel Schnee im Winter wünschen.
Wilde-Wasser-Themenweg blieb verschont
„Wir hatten Riesenglück, es hat immer wieder Niederschlag gegeben“, sagt Hermann Trinker, Bürgermeister von Schladming. Der Themenweg Wilde Wasser, der bis zum Riesachfall führt, blieb von der Trockenheit verschont. „Aber auch wir hoffen natürlich auf mehr Regen“, so Trinker.
Zurück nach Mixnitz. Am oberen Ende der Bärenschützklamm angekommen, hängt am WC bei der Hütte ein Schild über dem Waschbecken: „Wir bitten um Verständnis, wegen Trockenheit kein Wasser!“ Laut Gerhard Jantscher muss die Feuerwehr in der Gegend bereits Hütten mit Wasser beliefern.
Wasser ist ein wertvolles Gut. Es braucht ein Umdenken!

Gerhard Jantscher, Alpenverein Mixnitz
Bild: Christian Jauschowetz
Appell vom Alpenverein
„Viele höher gelegene Alpenvereinshütten in Österreich mussten schon zusperren, weil das Wasser am Berg fehlt. Man kann nicht alles per Hubschrauber anfliegen lassen. Wasser ist ein wertvolles Gut“, betont er. Doch dieses Bewusstsein fehlt der Bevölkerung. „Wir sind es gewohnt, den Wasserhahn aufzudrehen, die Hände einzuseifen oder Haare einzuschäumen, das Wasser rinnt derweil weiter. Wir brauchen ein Umdenken!“, fordert Jantscher. Denn: „Quellen versickern zunehmend.“
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