Trump-Aussage empört

„Russland verhält sich gegenüber Ukraine korrekt“

Außenpolitik
20.10.2026 12:35

Je näher die Schicksalswahlen in den USA für Donald Trump rücken, desto deutlicher zeigt er seine Abneigung gegenüber Wolodymyr Selenskyj und seinen Kuschelkurs mit Wladimir Putin. Zuletzt sagte Trump zu Reportern in Washington, Russland habe sich gegenüber der Ukraine „korrekt verhalten“.

Seine Aussage fiel, als der US-Präsident gefragt wurde, ob er einem Dreiergipfel mit Putin und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping zugestimmt habe. Der russische Präsident hatte ein solches Treffen vorgeschlagen, um über ein Kriegsende in der Ukraine zu verhandeln.

„Sie haben nicht viel getan“
„Ich würde das tun“, sagte Trump daraufhin, „aber nicht so sehr wegen der Ukraine. Russland hat sich, ehrlich gesagt, in Bezug auf die Ukraine korrekt verhalten. Sie haben nicht viel getan.“ Lieber wolle er mit den Staatschefs über Atomwaffen und Denuklearisierung sprechen. Vereinbart ist ein solches Treffen noch nicht.

Der O-Ton von Donald Trump vor dem Weißen Haus in Washington D.C.:

In der Ukraine und international sorgt Trumps Sager für Fassungslosigkeit und Empörung. Seit mehr als vier Jahren greift Russland seinen Nachbarn tagtäglich brutal und tötet dabei immer wieder Zivilisten. Die Worte des US-Präsidenten fielen am selben Tag, als in der ostukrainischen Stadt Charkiw eine russische Drohne einen Park traf. Sechs Menschen, darunter drei Kinder, starben.

Trump will Ablöse von Selenskyj
Zugleich bekräftigte Trump seine Forderung nach einer Ablösung des ukrainischen Staatsoberhaupts Selenskyj. Es sei „an der Zeit, dass jemand anderes im Namen der Ukraine verhandelt“, sagte er. Der 80 Jahre alte Präsident verhält sich seit Wochen zunehmend feindseliger gegenüber der Ukraine. Grund sind offenbar die US-Zwischenwahlen am 3. November: Die Umfragewerte von Trumps Republikanern sind miserabel, teure Lebenshaltungskosten, vor allem bei Treibstoff, treiben die US-Bürger in die Arme der Demokraten, die leistbare Preise versprechen. Für Trump ist die Ukraine mit ihren Angriffen auf russische Raffinerien schuld an hohen Dieselpreisen, den Iran-Krieg lässt er dabei außer Acht.

Kiew in der Zwickmühle
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj steckt bei alldem in einer Zwickmühle: Er ist offensichtlich enttäuscht von den USA, kann sie aber nicht vollständig verprellen, weil die Ukraine massiv abhängig von der amerikanischen Unterstützung in Gestalt von Geld, Waffen und Geheimdienstinformationen. Zuletzt beklagte Selenskyj, dass der Austausch von Informationen eingeschränkt und die Lieferung von Abwehrraketen verzögert worden sei. Um sich weiter Hilfe zu sichern, telefonierte der Präsident am Dienstag mit US-Außenminister Marco Rubio. „Ich bin dankbar für seine Bereitschaft zu helfen und seine klare Haltung“, schrieb Selenskyj danach auf X. „Natürlich geschieht dies alles vor dem Hintergrund unserer diplomatischen Initiativen, diesen schrecklichen Krieg und das tägliche Sterben zu beenden.“

Mit weiteren diplomatischen Bemühungen versucht Kiew, Washington an seiner Seite zu halten. Helfen sollen dabei Norwegen und Finnland. Sie organisierten ein Treffen am Dienstag in Oslo, wo Selenskyj mit den US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner sprechen soll. Ziel der Gespräche, die zu einem „für die Ukraine kritischen Zeitpunkt“ stattfinden, sei es, die „diplomatischen Bemühungen wieder in konstruktivere Bahnen zu lenken“, sagte der norwegische PremierJonas Gahr Støre dazu. An dem Treffen nimmt auch der finnische Präsident Alexander Stubb teil.

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