461 Mitarbeiter bangen

74 Millionen Euro Schulden: Pollmann ist pleite

Niederösterreich
01.09.2026 11:50

Genauere Zahlen liegen nun vor: Der große Familienkonzern Pollmann mit Hauptsitz in Karlstein an der Thaya (NÖ) ist zahlungsunfähig. Drei Gesellschaften – darunter auch die Dachmarke Pollmann International beantragten ein Sanierungsverfahren. Auch 342 Gläubiger sind betroffen! Jetzt entscheidet das Gericht.

Gerüchte gab es schon seit zwei Wochen, jetzt ist es traurige Gewissheit. 1200 Mitarbeiter auf fünf Standorten und drei Kontinenten vereinigt das traditionelle Familienunternehmen aus dem Waldviertel, bei dem es noch in den 1990er-Jahren hieß, dass jedes dritte Schiebedach eines Pkw in Europa von Pollmann stammt. Und auf der Homepage wirbt das Unternehmen noch immer damit, dass 93 Prozent aller namhaften Automarken Teile von Pollmann eingebaut haben.

Großes Paradeunternehmen des Waldviertels
Allein am Hauptsitz Karlstein im Bezirk Waidhofen an der Thaya dürfte das Firmenkonglomerat Pollmann etwa die Hälfte aller Mitarbeiter beschäftigen. Laut Unternehmen seien aus den drei Gesellschaften 461 Mitarbeiter betroffen. Der Schuldenstand der drei Gesellschaften wird mit 74 Mio. Euro angegeben.

Genauere Zahlen
Nach dem Österreichischen Verband Creditreform sind in der Pollmann International GmbH, die selbst als Holding Gesellschaft fungiert und keine Umsätze erzielt, 83 Dienstnehmer beschäftigt. Dort betragen die Passiva 32,08 Millionen Euro, die 86 Gläubigern geschuldet werden. Bei Pollmann Austria arbeiten 321 Menschen. Dort wurden 34,3 Millionen Euro an Schulden bei 222 Gläubigern aufgebaut. Und die Pollmann Werkzeugbau verfügt über 57 Mitarbeiter, wo 7,5 Millionen Euro 34 Gläubigern geschuldet werden. Insgesamt bedeutet das, das 461 Mitarbeiter von der Zahlungsunfähigkeit betroffen sind. Fast 74 Millionen Euro werden 342 Gläubigern geschuldet.

„Aufgrund der Vielzahl der betroffenen Dienstnehmer wurden der Betriebsrat und die Arbeiterkammer in den Prozess eng eingebunden“, hieß es in der Mitteilung. Die ausländischen Tochterunternehmen in Tschechien, Mexiko und China seien von den österreichischen Verfahren ebenso wenig betroffen, wie die Maxxom Automation GmbH, betonte Pollmann in einer Aussendung.

Der derzeit schlechte Zustand der Autoindustrie in Europa und strategische Fehlentscheidung, wie etwa der Neubau eines Werks in Vitis, das bald darauf wieder zugesperrt werden musste, dürften mit Ausschlag für die Zahlungsunfähigkeit gegeben haben. Der Konzern galt seit Jahrzehnten zu den großen Paradeunternehmen des Waldviertels, vor allem in der Sparte Automatisierungstechnik. 

Richterin entscheidet
Drei Gesellschaften des Pollmann Konzerns meldeten vor wenigen Minuten ein Sanierungsverfahren an, bestätigt das Landesgericht Krems auf Nachfrage der „Krone“: Die Pollmann International GmbH, Pollmann Austria GmbH und die Pollmann Werkzeugbau GmbH. Alle drei Gesellschaften haben Sanierungsanträge mit einer Quote von 20 Prozent binnen 2 Jahre gestellt. Die zuständige Richterin werde in den nächsten Tagen entscheiden, ob den beantragten Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung stattgegeben wird. 

Die Gerüchte, die dem Konzern Schulden des Konzerns in Höhe von Zig-Millionen Euro nachsagten und jetzt auch bestätigt wurden, wurden zuletzt damit befeuert, dass der CFO des Konzerns gestern seinen letzten Arbeitstag hatte. Pollmann verweist darauf, dass die Neuaufstellung des Unternehmens schon seit einiger Zeit laufe. „Ein Wechsel an der Unternehmensspitze, die Zusammenlegung und Verlagerung von einem Standort nach Karlstein, der Verkauf nicht betriebsnotwendiger Liegenschaften sowie parallel dazu ein strukturiert aufgesetzter Investorenprozess“ wurden hervorgehoben. „Für ein Unternehmen dieser Größenordnung ist ein Wandel und eine Restrukturierung in dieser Dimension aus eigener Kraft schwer umsetzbar, weshalb die Einleitung der Sanierungsverfahren nicht vermeidbar war.“

Grund für den Sanierungsbedarf sei der „strukturelle Wandel der Automobilindustrie“, eine „dauerhafte Verschiebung, die derzeit viele europäische Zulieferer“ treffe, heißt es weiter von Pollmann. Weltweit wachse die Automobilproduktion weiter, der Druck entstehe im europäischen Markt. Begleitet werden die Gesellschaften nun von der Insolvenzrechtsexpertin Andrea Fruhstorfer.

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