Gerüchte gab es schon seit zwei Wochen, jetzt ist es traurige Gewissheit. Der große Familienkonzern Pollmann mit Hauptsitz in Karlstein (NÖ) ist pleite. Drei Gesellschaften – darunter auch die Dachmarke Pollmann International – brachten vor wenigen Minuten einen Antrag auf Sanierungsverfahren am Landesgericht Krems ein.
1200 Mitarbeiter auf fünf Standorten und drei Kontinenten vereinigt das traditionelle Familienunternehmen aus dem Waldviertel, bei dem es noch in den 1990er-Jahren hieß, dass jedes dritte Schiebedach eines Pkw in Europa von Pollmann stammt. Und auf der Homepage wirbt das Unternehmen noch immer damit, dass 93 Prozent aller namhaften Automarken Teile von Pollmann eingebaut haben.
Großes Paradeunternehmen des Waldviertels
Allein am Hauptsitz Karlstein im Bezirk Waidhofen an der Thaya dürfte das Firmenkonglomerat Pollmann etwa die Hälfte aller Mitarbeiter beschäftigen. Der derzeit schlechte Zustand der Autoindustrie in Europa und strategische Fehlentscheidung, wie der Neubau eines Werks in Vitis, das bald darauf wieder zugesperrt werden musste, dürften mit Ausschlag für die Zahlungsunfähigkeit geführt haben. Der Konzern galt seit Jahrzehnten zu den großen Paradeunternehmen des Waldviertels, vor allem in der Sparte Automatisierungstechnik.
Richterin entscheidet
Drei Gesellschaften des Pollmann Konzerns meldeten vor wenigen Minuten ein Sanierungsverfahren an, bestätigt das Landesgericht Krems auf Nachfrage der „Krone“: Pollmann International, Pollmann Austria und Pollmann Werkzeuge. Die zuständige Richterin werde in den nächsten Tagen entscheiden, ob den beantragten Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung stattgegeben wird.
Die Gerüchte, die dem Konzern Schulden des Konzerns in Höhe von Zig-Millionen Euro nachsagen, wurden zuletzt damit befeuert, dass der CFO des Konzerns gestern seinen letzten Arbeitstag hatte.
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