Obwohl es in Österreich eine Vielzahl an Hilfsangeboten gibt, erschweren Bürokratie und Hemmschwellen oft den Zugang. Davon kann der Tiroler Herr Reich ein Lied singen.
Laut Statistik Austria erhielten im Jahr 2024 8906 Personen in Tirol Mindestsicherung bzw. Sozialhilfe. Die Leistungen sollen Menschen unterstützen, die ihren Lebensunterhalt oder ihren Wohnbedarf nicht ausreichend aus eigenen Mitteln finanzieren können.
Auch Herr Reich ist auf die staatliche Unterstützung angewiesen. Doch für ihn ist es nicht einfach, die Hilfe zu bekommen, die seinen Alltag erleichtern könnte. Vor etwa zehn Jahren wurde Herrn Reich von der Pensionsversicherung die Pflegestufe 1 zugesprochen. Neben mehreren gesundheitlichen Problemen ist der Innsbrucker akut sturzgefährdet.
Wir leben hier scheinbar in einem Bananenstaat. Ich kann kaum laufen und bekomme trotzdem keinen Ausweis.

Hr. Reich, Innsbruck
Bild: Johanna Birbaumer
In seiner Wohnung würde er deshalb Hilfe benötigen, sagt er. Um einen besseren Zugang zu Hilfsangeboten zu bekommen, riet ihm sein Sozialarbeiter, einen Behindertenpass zu beantragen.
Unterstützung scheitert an einer Zahl. Was dann?
Der Antrag auf einen Behindertenpass kann beim Sozialministeriumsservice sowohl online als auch persönlich gestellt werden. Nach eigenen Angaben musste Hr. Reich medizinische Unterlagen und Einkommensnachweise vorlegen. Herr Reich erhielt dann aber keinen Behindertenpass. Wie sein Sozialarbeiter bestätigt, wurde sein Antrag abgelehnt.
Die Ausstellung setzt einen festgestellten Grad der Behinderung von mindestens 50 Prozent voraus, heißt es auf der Website des Sozialministeriumservice. Aber Hr. Reich möchte die Entscheidung des Sozialministeriumservice nicht akzeptieren: „Wir leben hier scheinbar in einem Bananenstaat. Ich kann kaum laufen und bekomme trotzdem keinen Ausweis.“
Verzweiflung, Scham und Stigmatisierung
Dabei gebe es genügend andere Unterstützungsangebote für ihn, sagt sein Sozialarbeiter. Regelmäßig hilft er ihm bei Behördengängen und anderen bürokratischen Angelegenheiten. „Nicht jede Hilfe setzt einen Behindertenpass voraus“, sagt er. Dazu zählen unter anderem die ISD, die Volkshilfe oder die Johanniter. Diese bieten unter anderem Hilfe im Haushalt und beim Abholen von Medikamenten sowie psychosoziale Begleitung an.
Herr Reich habe diese Angebote bislang jedoch abgelehnt, berichtet sein Sozialarbeiter. Aus seiner Erfahrung weiß der Sozialarbeiter, dass Scham und die Angst vor gesellschaftlicher Stigmatisierung dabei eine Rolle spielen können. Manche Betroffene wissen zudem nicht, welche Leistungen ihnen zustehen oder an wen sie sich wenden können.
Für Menschen wie Herrn Reich stellt sich deshalb nicht nur die Frage, welche Hilfen ihnen offenstehen, sondern auch, ob diese bekannt, verständlich und auch leistbar sind.
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