Die Stadt Feldkirch schließt wie berichtet mit Ende des Betreuungsjahres 2026/27 den Ganztagskindergarten Tisis. Es ist die zweite Schließung einer Kinderbetreuungseinrichtung innerhalb einer Woche: Auch die Spielgruppe „Zottelbär“ muss dicht machen, am Dienstag wurde über den Trägerverein ein Konkursverfahren eröffnet.
Das Ländle hinkt in Sachen Kinderbetreuung immer noch weit hinterher, von einem Versorgungsstandard wie etwa in Wien ist man weit entfernt. Umso größer ist das Unverständnis darüber, dass in Vorarlbergs zweitgrößter Stadt binnen einer Woche die Schließung zweier Betreuungseinrichtungen bekannt geworden ist. „Die schwarz-blaue Landesregierung betont bei jeder Gelegenheit, wie wichtig die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist und dass Frauen beim Wiedereinstieg in den Beruf keine Steine in den Weg gelegt werden sollen. Gleichzeitig werden wir jetzt aber gerade Zeugen davon, wie in Feldkirch das Betreuungsangebot Stück für Stück zerbröselt. Da darf man sich schon fragen: Was sind die Worte von ÖVP und FPÖ eigentlich wert?“, schimpft SPÖ-Bildungssprecherin Manuela Auer.
Herausfordernde Situation für Eltern und Kinder
Für die betroffenen Familien bedeute der Wegfall der bisherigen Betreuungsmöglichkeit eine große Belastung: „Gerade wenn so eine Umstellung während dem Betreuungsjahr passiert, ist das für Familien schwer. Eltern und Kinder müssen sich auf eine neue Situation einstellen, neue Wege, neue Bezugspersonen, neue Abläufe. Und es sind in der Regel dann vor allem die Mütter, die dann schauen müssen, wie sie das alles wieder unter einen Hut bekommen“, betont Auer.
Mehraufwand nicht ausgeschlossen
Die Stadt Feldkirch hat zwar nach der Schließung des Ganztagskindergartens in Tisis versprochen, für jedes Kind weiterhin einen Platz zur Verfügung zu stellen, allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass die Kids in einen anderen Stadtteil ausweichen müssen: „Hier wird Familien eine Flexibilität abverlangt, die den realen Gegebenheiten in der Arbeitswelt nicht standhält. Wer Schichtdienst hat, pendelt oder in Teilzeit arbeitet, kann nicht einfach spontan umplanen, weil sich das Betreuungsangebot ändert“, gibt die SPÖ-Landtagsabgeordnete zu bedenken.
Wer Schichtdienst hat, pendelt oder in Teilzeit arbeitet, kann nicht einfach spontan umplanen, weil sich das Betreuungsangebot ändert.
Manuela Auer
Harsche Kritik an Bildungsstadträtin
Die Feldkircher Stadt-SPÖ nimmt vor allem Bildungsstadträtin Andrea Zelzer ins Visier. Diese habe bei der jüngsten Sitzung des Bildungsausschusses am 30. September kein Wort über die bevorstehende Schließung des Ganztagskindergartens in Tisis verloren, ärgert sich die rote Stadtpolitikerin Angela Schmid. „Wenn eine Kinderbetreuungseinrichtung in Feldkirch geschlossen wird, möchten wir darüber in den entsprechenden Gremien natürlich rechtzeitig und ausführlich informiert werden – und nicht erst Wochen später über die Medien erfahren, was Sache ist!“
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