Halbes Land betroffen

Teenie-Blitzcoups: Einbruch nur, um „cool“ zu sein

Österreich
23.10.2026 05:30

In halb Österreich verzeichnet die Polizei seit den Sommermonaten einen sprunghaften Anstieg an Einbrüchen in Geschäfte und Restaurants. Die Täter der Blitzcoups sind meist blutjung und verüben ihre Taten nicht aufgrund der zu erwartenden Beute. Vielmehr geht es ihnen offenbar um die Anerkennung in ihrem Freundeskreis.

Als Florian Hoffer am Sonntag, dem 11. Oktober, zu seinem Lokal kommt, liegen Scherben über den Boden verteilt. Jugendliche hatten die Glastür zerschlagen und waren in die „Spaghetteria Il Mercato“ im zweiten Wiener Gemeindebezirk eingestiegen.

Während der Schaden groß ist, ist die Beute mit einem iPad und den Trinkgeldumsätzen recht mager – ein Umstand, den die Polizisten des Landes mittlerweile bestens kennen dürften. Einbruch bedeutet heutzutage nicht mehr maximale Beute. Es geht den blutjungen Einbrechern um anderes. Nämlich die Anerkennung innerhalb ihres eigenen Freundeskreises.

So sah es im Wiener Nordbahnviertel vergangene Woche in vielen Lokalen aus.
So sah es im Wiener Nordbahnviertel vergangene Woche in vielen Lokalen aus.(Bild: zVg)

Beute ist meist recht überschaubar
Was auf den ersten Blick absurd klingen mag, ist Realität. Immer häufiger brüten die Ermittler über Aufnahmen der Überwachungskameras von Geschäften und Restaurants, in denen junge Einbrecher zu sehen sind, die sich selbst bei ihren Coups filmen. Und dann, wie im Falle eines Friseurs in Wien, nur eine Schere und einen Haarspray mitgehen ließen.

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Seit Sommer verzeichnen wir einen deutlichen Anstieg bei Einbrüchen in Geschäftslokale und Restaurants.

Das Bundeskriminalamt auf Anfrage der „Krone“

Videos mit Rapmusik werden mit Freunden geteilt
Warum sie das machen, liegt auf der Hand. Sie wollen offenbar innerhalb ihres Freundeskreises als „cool“ gelten. Dafür filmen sie die Tat, lachen in die Kamera, hinterlegen die Videos mit Rapmusik und stellen sie in weiterer Folge auf TikTok, WhatsApp, Snapchat und Co. ihren Freunden zur Verfügung. 

Wer mehr angestellt hat, genießt demnach vermutlich umso mehr Ansehen innerhalb der Gruppe. Die Leidtragenden sind die Geschäftsinhaber, die – im wahrsten Sinne des Wortes – die Scherben aufkehren und sich mit der Versicherung und Einnahmeausfällen herumschlagen müssen.

Auch Spaghetteria-Inhaber Florian Hoffer wurde zum Opfer junger Einbrecher.
Auch Spaghetteria-Inhaber Florian Hoffer wurde zum Opfer junger Einbrecher.(Bild: Stefan Steinkogler)

Mehr als 20 Geschäftseinbrüche pro Tag
Ein beträchtlicher Teil der Serien seit dem Sommer betrifft die Bundeshauptstadt, in der – etwa im Nordbahnviertel oder entlang der Mariahilfer Straße – teils in mehrere Geschäfte in einer Nacht in nur einer Gasse eingebrochen wird. Im Juli und August, also in der Ferienzeit, verzeichnete die Polizei aber nicht nur in Wien einen massiven Anstieg im Hinblick auf Geschäftseinbrüche. Österreichweit soll es teils zu mehr als 20 Einbruchsdiebstählen pro Tag in Firmen und Geschäfte gekommen sein.

Tatserien von Vorarlberg bis nach Wien
Neben Wien verzeichnen auch die Bundesländer Vorarlberg, Salzburg und Oberösterreich deutliche Anstiege bei Geschäftseinbrüchen. Im August fassten Beamte etwa eine Gruppe um einen 14-jährigen Syrer, die in Bludenz (Vbg.) für eine Vielzahl vergleichbarer Einbrüche verantwortlich sein soll. Ende August ging dann im oberösterreichischen Perg eine Bande Jugendlicher ins Netz, die in diverse Gasthäuser eingestiegen war. Mit einem Hammer knackten zwei Minderjährige im Juni in der Stadt Salzburg eine Trafik. Die Flucht mit Zigaretten als Beute misslang. 

Geschäftscoups lösen Autoeinbrüche ab
Auffällig soll – neben dem jungen Alter der Verdächtigen – generell auch die hohe Anzahl an minderjährigen syrischen Staatsangehörigen sein, die in die Einbruchsserien verwickelt sind. Was ebenso auffällt: Zeitgleich mit dem sprunghaften Anstieg an Geschäftseinbrüchen brach offenbar die Zahl an geknackten Autos völlig ein. Es liegt also nahe, dass die Einbrecher nun auf Lokale umgestiegen sein dürften.

Werden die blutjungen Täter von der Polizei erwischt, ist ihnen das in den meisten Fällen egal. Kein Wunder, viele von ihnen sind noch nicht einmal 14 Jahre alt und kommen damit auch straffrei davon.

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