Alleine in Oberösterreich fehlen 41 Richter, darauf machten am Dienstag Vertreter im Linzer Schwurgerichtssaal aufmerksam. Denn während die Arbeit immer komplexer wird und immer mehr Verfahren zu bewältigen sind, hinkt man bei der Nachbesetzung hinterher.
Dort, wo normalerweise (Schwer)Verbrecher sitzen, nahmen am Dienstag oberösterreichische Vertreter der Richtervereinigung Platz. Im Schwurgerichtssaal des Linzer Landesgerichts sprachen sie über die aktuell „sehr herausfordernde“ Zeit. Wie berichtet, protestiert die Justiz gegen die stark steigende Arbeitsbelastung und die eklatante personelle Unterbesetzung.
Arbeit für heuer erledigt
Alleine in Oberösterreich fehlen 41 Richter – 24 an Bezirksgerichten und 17 an Landesgerichten. „Wir haben bereits jetzt die Arbeit erledigt, die für ein ganzes Jahr vorgesehen ist. Leidtragende sind unsere Kollegen, die rechtssuchende Bevölkerung und der Rechtsstaat. In vielen Fällen geht es um Zivilverfahren, die sehr nahe am Menschen sind“, erklärt Irene Melot de Beauregard-Jeryczynski, Obfrau der Richtervereinigung der Sektion Linz-Steyr.
Es ist kein Ausstand oder kein Streik, wir arbeiten weiter. Fad wird mir auch in dieser Woche sicher nicht.

Irene Melot de Beauregard-Jeryczynski
Bild: FOTOKERSCHI / WERNER KERSCHBAUMMAYR
Erstanhörungen in der Mittagspause
Noch dramatischer bringt es Ute Reisinger, Obfrau der Sektion Wels, auf den Punkt: „Die Zitrone ist ausgepresst. Richter müssen Abstriche in der Freizeit oder in der Qualität machen.“ Ein Blick in die Praxis: Bei Christoph Kattnigg vom Bezirksgericht Steyr läutet das Telefon zwischen 6 und 19 Uhr. Erstanhörungen in der Mittagspause sowie Arbeiten im Urlaub oder Krankenstand seien keine Ausnahme mehr.
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