Unterhaltsame Premiere mit „Ein Diener zweier Herren“ im Stadttheater Klagenfurt: Wenn ein Bediensteter gleich zwei Auftraggeber hat, sind Verwechslungen und Chaos vorprogrammiert. Ein Abend voller Spielfreude und mitunter übertriebenem Klamauk.
Bei Carlo Goldonis Komödie kommt einem die Commedia dell’arte mit ihrer leichtfüßigen Körperlichkeit, bewusst übertriebenen Figuren sowie Slapstick in den Sinn – Attribute, an denen sich die Produktion orientierte. Übersetzt von H. C. Artmann, von Intendanten-Legende Herbert Wochinz bearbeitet und von Dramaturg Hans Mrak sowie Regisseur Ronny Jakubaschk in die heutige Fassung gebracht, wird das Bühnenwerk dem Publikum mit einer Prise Christine Nöstlinger serviert.
Ein Diener hat alle Hände voll zu tun
Da, wo andere Stücke ihren Schluss finden, beginnt das Lustspiel in drei Akten mit einem Happy End. Doch die in Männerkleidung gehüllte Beatrice (herrlich wandelbar: Raphaela Möst), die sich gemeinsam mit ihrem Diener Truffaldino (pointierter Publikumsliebling: Alexander Jagsch) auf die Suche nach ihrem Geliebten Florindo (übermäßig expressiv: Thomas Frank) macht, setzt eine turbulente Verwechslungskomödie in Gang.
Denn Truffaldino nimmt kurzerhand auch Florindo in seine Dienste – und entfacht damit ein rasantes Verwirrspiel. Die vierte Wand wird durchbrochen und der flinke Bedienstete sucht sich aus dem Publikum einen weiteren Diener. Die eingefügten drei Nöstlinger-Gedichte fügen sich stimmig in das Stück ein und verleihen eine gewisse Tiefe.
Wenn sich das Chaos immer mehr ausbreitet...
Die knalligen Kostüme (Cornelius Reitmayr) reichen vom typischen Harlekin-Stil der Bediensteten über scheinbar Manga-inspirierte Outfits bis hin zu Schlaghosen-Anleihen an die 70er-Jahre. Das hingegen schlichte Bühnenbild (Pascal Seibicke) konzentriert sich vorerst auf das Wesentliche – es entsteht eine Idee von einem Hochhaus, in dem die Schickeria die Verlobung feiert – im Laufe des Stückes öffnen sich jedoch immer mehr Türen - der Spielraum erweitert sich und mit ihm die Dimension des Chaos‘, das sich zunehmend auf der Bühne ausbreitet.
Jakubaschk führt die Schauspieler in einer frischen Inszenierung mit feinem, sauberem Gespür und sicherer Hand, in rasanter Italianità, zu einem komödiantischen Fortissimo. Das überaus spielfreudige Ensemble lässt das turbulente Verwechslungsspiel in all seiner absurden Komik aufblühen - bisweilen jedoch etwas zu überzeichnet.
Spielfreudiges Ensemble mitunter etwas zu exzessiv
Comicartig übertriebene Momente mit Cristiano-Ronaldo-Jubelgeschrei lassen die geschliffene Klinge mitunter ins Trash-Theatrale kippen. Kärntner Dialekt, Wiener Schmäh und bundesdeutsche Färbung verschmelzen zu einem bunten Akzente-Konglomerat. Das plötzlich eingestreute Denglisch wirkt dabei eher deplatziert. Und wenn Erwachsene sich in Jugendsprache versuchen, wird es mitunter schlicht „cringe“. Durch die Vielzahl an Einfällen verliert das Stück stellenweise an Homogenität.
So pendelt der Abend zwischen geschliffener Komödie, präziser Spielfreude und überbordendem Klamauk. Wobei eine Frage bleibt: Wie kommt ein Wiesenmarkt-Lebkuchenherz nach Venedig?
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