Wirbel in Ollersdorf

Mitarbeiter müssen erneut um ihre Gehälter bangen

Burgenland
08.10.2026 19:00

Kein Ende im Gehaltsstreit: Obwohl Bürgermeister Bernd Strobl (ÖVP) zu Jahresbeginn sämtliche Zahlungen für 2026 zugesichert hatte, ist die pünktliche Auszahlung der Oktober-Löhne erneut ungewiss. Die SPÖ-Landesgeschäftsführer fordern nun seinen Rücktritt. Der Ortschef macht das Land verantwortlich.

Post vom Bürgermeister sorgt in Ollersdorf erneut für Kopfschütteln. Schon im Jänner mussten die Mitarbeiter des Kindergartens auf ihr Gehalt warten. Jetzt könnte sich das bedauerliche Schauspiel wiederholen. ÖVP-Ortschef und Klubobmann Bernd Strobl hat die rund 15 Gemeindebediensteten schriftlich darüber informiert, dass sich die nächste des Gehalts mit 15. Oktober verzögern könnte. Und das, obwohl er noch im Februar versichert hatte, sämtliche Gehälter für 2026 seien gesichert.

Streit um Ertragsanteile des Landes
Als Grund nennt Strobl die Finanzpolitik des Landes. Von den für September angekündigten rund 65.000 Euro an Ertragsanteilen seien nach Abzügen durch das Land gerade einmal 3227 Euro in der Gemeindekasse gelandet. Statt 60 Prozent, wie in anderen Bundesländern, würden den Kommunen hierzulande nur noch 33 Prozent der Gelder bleiben, rechnet er vor. „Und die roten Gemeinden bekommen halt großzügige Sonderbedarfszuweisungen“, wettert der schwarze Ortskaiser.

Bei der SPÖ sorgt das für Empörung. Klubobmann Roland Fürst wirft Strobl vor, seine Mitarbeiter erneut „in politische Geiselhaft“ zu nehmen. Er stellt die Frage, ob Misswirtschaft vorliege oder der Bürgermeister mit der Haushaltsführung überfordert sei. Die SPÖ-Landesgeschäftsführer Friedrich Radlspäck und Kevin Friedl fordern seinen Rücktritt.

Ortschef zahlte im Jänner Gehälter aus privater Kasse
Im Jänner machte Strobl eine geplatzte Gemeinderatssitzung und fehlende Budgetbeschlüsse für die verspätete Auszahlung verantwortlich. Das Land stellte damals klart, dass gesetzliche und vertragliche Verpflichtungen auch ohne beschlossenen Voranschlag zu erfüllen seien. Schließlich streckte Strobl rund 69.000 Euro privat vor. Die Rücktrittsforderung sei „noch erbärmlicher als das Schauspiel vom letzten Sonntag“, sagt Strobl in Anspielung auf die Turbulenzen rund um SPÖ-Bundeschef Andreas Babler. Fürst solle sich lieber mit den Finanzen seiner Heimatgemeinde Bad Sauerbrunn beschäftigen.

Strobl: „Vielleicht gewinnen wir im Lotto“
SPÖ-Vizebürgermeisterin Tanja Illedits will sich zum politischen Schlagabtausch nicht äußern. Ihr gehe es um die Beschäftigten und deren Familien: „Ein politisches Spiel auf dem Rücken der Mitarbeiter und ihrer Familien auszutragen, geht gar nicht.“ Ob die Gehälter am 15. Oktober letztendlich pünktlich überwiesen werden, kann Strobl nicht sagen. Die Gemeinde warte auf Zahlungen des Landes in Höhe von mehreren Zehntausend Euro. Zudem könnten bis zum 25. Oktober weitere Ertragsanteile und Einnahmen aus Vorschreibungen einlangen. Die Mitarbeiter würden ihr Geld jedenfalls bekommen, versichert er. „Vielleicht gewinnen wir im Lotto“, neckt Strobl. Sollten die ausständigen Gelder fließen, könne er sogar „vier Monate im Voraus“ bezahlen.

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