23.11.2014 12:30 |

Nomen est omen

Toyota Mirai: Design- und Wasserstoff-Revolution

"Zukunft" also, so heißt der Toyota Mirai, das weltweit erste Serienauto mit Brennstoffzelle, aus dem Japanischen übersetzt. Es gab ein Sondermodell des Mazda MX-5 mit gleichem Namen. Zukunft. Das soll wohl auch das abenteuerliche Design ausdrücken. Aber für die Technik gehört den Japanern tatsächlich Respekt gezollt.

Die Optik erinnert an Zeichnungen aus den 50er-Jahren, die darstellen, wie man sich die Autos der Zukunft vorgestellt hat, also jenseits des Jahres 2000. Der Toyota Mirai wirkt, als wenn der Hersteller einen Erfolg der Brennstoffzellentechnik von vornherein ausschließen will. Ja, auch ein BMW i3 schaut absichtlich nicht aus wie ein normales Auto und polarisiert damit, aber der Mirai? Aber gut, mir gefällt auch der Prius kein Stück, und trotzdem ist Toyota mit dem Ökoauto eine Erfolgsgeschichte gelungen.

Hinten raus kommt nur Wasser
In einer chemischen Reaktion aus Wasserstoff und Sauerstoff erzeugt die Brennstoffzelle den Strom für einen Elektromotor und stößt kein anderes Abgas aus als Wasserdampf. Und während man Akku-Autos nach wenigen Hundert Kilometern stundenlang laden muss, reichen die Wasserstofftanks des Mirai für 500 Kilometer und sind nach fünf Minuten wieder voll.

Mit 4,90 Meter Länge und einem stromlinienförmigen Profil, vorne mit riesigen Lufteinlässen und hinten mit einem mächtigen Heck, sieht der Toyota ein wenig aus wie ein Raumschiff. Sobald man jedoch in den Mirai einsteigt, ist man gleich wieder im Hier und Heute. Auch wenn die Bildschirme ein bisschen größer und bunter sind und Sensortasten im Cockpit einen Hauch von Hightech simulieren, fühlt sich der Mirai deshalb nicht viel anders an als ein etwas modernisierter Prius.

Das gilt allerdings leider auch für das Platzangebot. Weil vorn unter der Haube schon der E-Motor und die ganze Elektronik stecken, mussten die Brennstoffzelle (unter dem Fahrersitz), die zwei Wasserstofftanks (vor und hinter der Hinterachse) und die Pufferbatterie aus dem Prius (unter dem 450-Liter-Kofferraum) ja irgendwo hin. Dass da ein bisschen Knie- und Kopffreiheit auf der Strecke bleibt, darf keinen wundern.

Und wie fühlt sich's an?
Der Mirai ist ein bisschen lauter als ein Prius, weil neben dem E-Motor immer irgendwo noch ein Lüfter oder ein Verdichter läuft. Und er ist ein bisschen behäbiger, weil er stolze 1,9 Tonnen wiegt. Aber man rückt den Schaltstummel auf D, tritt aufs Pedal und surrt los, als wäre die Brennstoffzelle das Normalste der Welt. Und zumindest wenn man nicht in den spaßfreien Eco-Modus wechselt, sind die Fahrleistungen absolut alltagstauglich: 0 auf 100 in 9,6 Sekunden und maximal 178 km/h – damit kann man sich auch in Europa bedenkenlos auf die Straße trauen.

Aber weil Toyota schnell auf Stückzahlen kommen muss, um seine Zero-Emission-Quote zu erfüllen, setzten die Verantwortlichen nicht nur auf die futuristische Form, die Faszination an der Technik und das Image des grünen Vorreiters: In Amerika ist der Mirai zum Schnäppchentarif erhältlich: In der Liste 57.500 und nach Abzug der Subventionen nur noch 45.000 Dollar oder umgerechnet 36.000 Euro teuer, kostet der Mirai kaum mehr als ein BMW i3 oder eine elektrische Mercedes-B-Klasse.

In Europa dürfte sich der Hoffnungsträger schwer tun. Nicht nur, weil es zum Beispiel in Deutschland aktuell nur ein Dutzend Wasserstofftankstellen und für die Zukunft eine Netzplanung mit zunächst nur 50 Stationen gibt. Sondern auch, weil die Japaner hier ohne politischen Druck keinen subventionierten Preis machen und für ihren Mirai 78.540 Euro verlangen – doppelt so viel wie BMW für den i3 und sogar mehr als Tesla für das Modell S. Da könnte es mit der Revolution noch ein bisschen dauern.

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