So, 24. Juni 2018

Triumph im WM-Finale

14.07.2014 12:23

Löw: "Niemand hat es so verdient wie wir!"

Nach 24 Jahren Abstinenz ist Deutschland wieder Weltmeister - zum vierten Mal nach 1954, 1974 und 1990. Die DFB-Elf rang am Sonntagabend in einem mitreißenden Finale Argentinien erst in der Verlängerung durch ein Goldtor von Mario Götze mit 1:0 nieder. Joachim Löw hat sich dadurch auf eine Stufe mit deutschen Trainerlegenden wie Sepp Herberger oder Franz Beckenbauer gehievt. Zum Finaltriumph sagte der Coach: "Wir haben alles getan, um diesen Tag zu erleben. Niemand hat es so verdient wie wir!"

"Es war ein hartes Stück Arbeit. Die Spieler sind weit über die Grenzen gegangen. Sie haben so viel gegeben wie noch nie, um das zu holen, das sie noch nie hatten. Wir sind jetzt seit 55 Tagen zusammen, aber die Arbeit hat schon vor zehn Jahren begonnen. In diesen Jahren voller harter Arbeit sind wir immer besser geworden. Das war ein unglaublicher Teamgeist, eine verschworene Einheit, die alles gegeben hat. Dieser Sieg war einfach fällig. Das ist jetzt eine Sache für die Ewigkeit. Wir haben es hier im Fußballtempel Maracana als erste Europäer geschafft, den Titel in Südamerika zu gewinnen. Diese Mannschaft ist noch jung und noch lange nicht am Ende", jubelte Löw in der Nacht auf Montag.

"So ein Moment ist pures Glück, pure Freude und auch Stolz", konstatierte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der sich an die Jubelszenen beim letzten deutschen WM-Triumph 1990 in Rom erinnert fühlte. Unter Löw soll es seiner Meinung nach noch weitere Erfolge zu feiern geben. "Er wird auch in zwei Jahren Trainer sein", kündigte Niersbach mit Blick auf die EM in Frankreich an. Löw, dessen Vertrag bis 2016 läuft, gab ihm Gegensatz zu Teammanager Oliver Bierhoff selbst kein klares Bekenntnis zur Zukunft ab, wollte erst einmal nur genießen.

Der 54-Jährige kam 2004 unter Jürgen Klinsmann in den Trainerstab. Löw war zu diesem Zeitpunkt nur "frei" gewesen, da er am 24. März 2004 von Frank Stronach als Trainer der Wiener Austria beurlaubt wurde. Die Austria war Löws zweite Trainerstation in Österreich, 2001 bis 2002 hatte er den FC Tirol betreut und 2002 zum Meistertitel geführt.

Vom Sommermärchen zum WM-Titel
Gemeinsam krempelten Klinsmann und Löw die wichtigste deutsche Fußballmannschaft und gleich auch noch das komplette Umfeld um. Und sie inszenierten das WM-Sommermärchen 2006, als man bei der Heim-WM Dritter wurde. Als Klinsmann danach Schluss machte, schob er seinen Assistenten und Freund Löw in die erste Reihe. In acht Jahren hat Chef Löw nicht nur Klinsmanns Erbe fortgesetzt. Er hat dem Spiel der DFB-Elf einen neuen, modernen, zeitweise sogar spektakulären Anstrich gegeben. Zweiter bei der EM 2008, Dritter bei der WM 2010, im Halbfinale auch bei der EM 2012 - Deutschland mischte kontinuierlich in der Spitze mit.

Den letzten Schritt, die Krönung, mussten sich Löw und die Generation um Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Per Mertesacker, Miroslav Klose und Lukas Podolski hart und zäh erkämpfen. Mit dem 1:0 nach Verlängerung am Sonntag im Endspiel in Rio de Janeiro gegen den WM-Dauerrivalen Argentinien gelang der große Wurf.

Löw hat seine vierte Titelmission noch fokussierter und geradliniger verfolgt. "Joachim Löw hat gelernt, er hat sich schon entwickelt", beschrieb Mertesacker die Entwicklung. Der Abwehrmann war von Beginn an dabei in der Ära Klinsmann und Löw. "Als Co-Trainer hat er schon viel taktisch gearbeitet. Er ist ein sehr motivierender, aufbauender Trainer. Bis zur Ansprache macht er jetzt alles komplett", verriet der Wahl-Engländer Mertesacker einige Wandlungen. "Für mich ist er ein fantastischer Trainer", bemerkte Stürmer-Oldie Miroslav Klose, der zehn Jahre mit Löw gearbeitet hat.

"Ewiges Glücksgefühl" bei Löw
Auf die Frage, wie Löw, der in seiner Amtszeit auch viel Kritik einstecken musste, die kommenden Tage verbringen wird, meinte er: "Ich werde ich nicht unbedingt in ein Loch fallen. Und am Dienstag wahrscheinlich auch nicht. Denn da fahren wir nach Berlin - und da wollten wir hin. Es ist logisch, bei so vielen Emotionen, bei so viel Druck, der bei einem Turnier auf dieser Mannschaft und uns allen lastet, wird es natürlich einen emotionalen Abfall geben. Aber ich glaube, dieses tiefe Glücksgefühl wird für alle Ewigkeit bleiben."

Gefeiert wurde in Rio übrigens in geschlossener Gesellschaft mit Ehrengästen, Freunden, Familien und Spielerfrauen. Bei den besseren Hälften seiner Stars hatte sich Löw noch auf dem Platz für ihre Unterstützung bedankt. Frau Löw war auch im Stadion, aber nicht im Innenraum. Am Dienstagvormittag werden die Weltmeister den goldenen Pokal auf der Fanmeile in der deutschen Hauptstadt präsentieren. "Wir werden mit den Fans noch eine Riesenfeier abreißen", kündigte Joker Andre Schürrle an.

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