Canaletto & Bellotto

Venezianische Stadtbilder für reiche Reisende

Kultur
23.03.2026 18:00

Wiens Kunsthistorisches Museum widmet den Stadtansichten der gefeierten Venezianer Canaletto & Bellotto eine sehenswerte Schau. Zu sehen bis 6. Juni in der Gemäldegalerie. 

Sie kamen aus einer alten venezianischen Künstler- und Adelsfamilie. Der Vater Bernardo Canal war prominenter Theatermaler, der Sohn Giovanni Antonio Canal genannt Canaletto (1697 bis 1768) der berühmteste „Porträtist“ seiner Heimatstadt. Und Bernardo Bellotto (1722 bis 1780), der Schüler Onkel Canalettos, übernahm von diesem die Vedutenmalerei, erneuerte sie aber um seine bald berühmte Licht- und Schattenmalerei.

Bei Canaletto dem Älteren florierte das Geschäft fantastisch – in Italien, bei den reisenden reichen Engländern, die auf Grand Tour durch Italien zogen und Bilder wie wir heute Postkarten kauften, danach in England selbst, als Italiens Gesellschaft sich für neue Malmoden interessierte.

Begehrter Hofmaler
Auch Bellotto war sehr gefragt: Ab 1747 in Dresden, brachte er es bis zum Hofmaler, bevor er 1759 nach Wien kam, für Kaiserin Maria Theresia, Kanzler Kaunitz und Fürst Liechtenstein malte, München, wieder Dresden und der Warschauer Königshof folgten, wo er 1780 starb.

Bellotto: Wien vom Belvedere aus gesehen, 1759
Bellotto: Wien vom Belvedere aus gesehen, 1759(Bild: Andreas Uldrich)
Bellotto Bernardo: Das Gartenpalais Liechtenstein in Wien vom Belvedere 1759/60 Öl auf Leinwand
Bellotto Bernardo: Das Gartenpalais Liechtenstein in Wien vom Belvedere 1759/60 Öl auf Leinwand(Bild: © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz-Vienna)
London: Die Themse am Lord Mayor’s Day Canaletto (1697-1768) um 1748
London: Die Themse am Lord Mayor’s Day Canaletto (1697-1768) um 1748(Bild: Jon Stokes)
Bernardo Bellotto: Architekturfantasie mit Selbstbildnis in den Roben eines venezianischen ...
Bernardo Bellotto: Architekturfantasie mit Selbstbildnis in den Roben eines venezianischen Edelmannes, 1765 (Warschau, Schloss)(Bild: © The Royal Castle in Warsaw – Museum<?ZE?>Foto: Andrzej Ring, Lech Sandzewicz)

Bellotto entdeckte den „Zauber des Realen“, als er Stadtbilder von Wien, Warschau oder Dresden mit höchster Präzision malte. Um Architekturen so minutiös wie möglich wiederzugeben, setzte er als Hilfsmittel die seit der Renaissance benutzte Camera obscura ein: einen kleinen Holzkasten mit Loch, ein optisches Instrument, mit dem man Bilder auf die Leinwand projizieren konnte, die zuletzt von ihm malerisch verfeinert werden mussten.

Frühe Identitätsbeweise der Meister
Probleme gab es nur gelegentlich, weil Onkel und Neffe sich beide „Canaletto“ nannten. Als etwa der Onkel nach London kam, hielt man ihn für einen „falschen“ Canaletto, einen Scharlatan, der erst seine Identität nachweisen musste.

2018 widmete der Palazzo Barberini in Rom den frühen Venedig-Bildern Canalettos eine Schau. Nun stellt die von Matteusz Mayer kuratierte Ausstellung im Kunsthistorischen Museum 12 Canalettos aus Venedig und London 20 Bellotto-Bildern aus Wien und Warschau gegenüber. Stadtveduten von erlesener Qualität.

Dabei so bedeutende Arbeiten wie Bellottos „Wien vom Belvedere aus gesehen“, das heute noch als Beweismittel beim Denkmalschutz und Streitereien um Wien und das Weltkulturerbe dient. Oder die Schönbrunn- und Liechtenstein-Gemälde, die Paradebeispiele für seine Wiedergabe von Architektur, raffinierte Behandlung von Himmel, Wasser oder Licht- und Schatten sind.

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