Die Albertina gibt mit „Tanzbilder“ Einblick in die umfangreichen Foto-Bestände des Hauses. Rund 120 Aufnahmen von den 1860er bis in die 1930er Jahre zeigen, wie Ausdruck und Bewegung sich dabei verändert haben. Zu sehen bis 7. Juni in der Albertina modern im Künstlerhaus.
Menschen zu fotografieren, das bedeutete in den Anfangstagen des Mediums vor allem eines: stillhalten! Das Ergebnis waren statische Bilder von stoisch blickenden Menschen in steifen Posen. Erst technischer Fortschritt und kürzere Belichtungszeiten machen es möglich, auch Bewegungen einzufangen, Dynamik und spontane Gestik abzulichten. Gerade für die Tanzfotografie brachte das vor etwa 100 Jahren eine regelrechte Revolution.
Die Albertina hat Tiefenbohrungen in ihrem umfangreichen Fotoarchiv gemacht und genau diesen Umbruch mit einer Ausstellung nachvollziehbar gemacht. Aus den mehr als 100.000 Fotografien der Sammlung hat Kuratorin Astrid Mahler für „Tanzbilder“ 120 Arbeiten ausgewählt, die nun in der Dependance im Künstlerhaus zu sehen sind.
Vom Tüll-Kostüm zum Akt
Die ersten Bilder stammen aus den 1860ern. Sie zeigen Tänzerinnen in gestellten Posen in üppigen Tüll-Kostümen freundlich lächelnd im Atelier. Sie stehen in einem starken Kontrast zu den jüngsten Fotografien aus den späten 1920er und frühen 1930er Jahren: Es sind dynamische Bilder voller Bewegung. Sie zeigen ausdrucksstarke Frauen in schlichten (oder kaum mit) Gewändern und mit expressiven Gesten.
Doch die Schau, die naturgemäß ausschließlich Schwarz-Weiß-Fotografien umfasst, erzählt weit mehr als nur die technische Entwicklung der Fotografie im Tanz. Anhand der chronologisch gehängten Bilder lassen sich etliche weitere gesellschaftliche wie künstlerische Entwicklungen nachvollziehen.
Viele Geschichten in einer
Wie sich das Bild der Frau gewandelt hat – von der hübschen Figurine zur emanzipierten Kämpferin. Wie sich der Tanz selbst verändert hat – von strengen Ballettfiguren hin zum freien Ausdruckstanz. Wie sich das Verhältnis zur Körperlichkeit transformiert hat – von keuschen Kostümen zu entblößten Brüsten. Auch das Aufkeimen des Starkults lässt sich hier nachvollziehen, da Abzüge von Künstlerinnen genau in dieser Zeit zur Massenware wurden.
Dass Wien im frühen 20. Jahrhundert sowohl ein Zentrum des Tanzes als auch der Fotografie war, erklärt die Dichte an Werken, die hier verfügbar sind. Wie ganz nebenbei stellt die Schau auch prägende Künstlerinnen vor, die diese Zeit maßgeblich geprägt haben: von den legendären Tänzerinnen Josephine Baker, Gret Palucca oder Isadora Duncan bis zu den mitunter wenig bekannten Fotografinnen Charlotte Rudolph, Lisette Model oder Trude Fleischmann.
Einfluss weit über den Tanz hinaus
Wie diese Entwicklungen die Fotografie an sich und auch andere Künste beeinflusst haben, lässt sich nur erahnen. Etwa in dem ikonografischen Schiele-Porträt von Anton Josef Trčka, auf dem die expressive Geste durchaus an einen Tänzer gemahnt.
Was hier noch alles in den Archiven der Albertina schlummert, werden kommende Ausstellungen zeigen. Albertina-Direktor Ralph Gleis kündigte jedenfalls an, es weiter zu erforschen und zugänglich zu machen.
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