1,99 Euro für eine Schokoladentafel – und wenig später derselbe Artikel um weniger als die Hälfte im Angebot. Was wie ein Ausreißer wirkt, hat anscheinend System: Die Preispolitik von Milka sorgt seit Monaten für Kopfschütteln bei den Kunden. Rabatte, Preissprünge und weniger Inhalt lassen viele ratlos zurück – und bringen mittlerweile auch Verbraucherschützer und Politik auf den Plan.
Auslöser der Debatte ist eine Änderung aus dem Jahr 2025. Damals reduzierte Milka die klassische Alpenmilch-Tafel von 100 auf 90 Gramm. Gleichzeitig stieg der Preis in vielen Supermärkten auf bis zu 1,99 Euro. Für viele Käufer bedeutete das eine doppelte Belastung: weniger Schokolade, höherer Preis. Verbraucherschützer sprechen von sogenannter Shrinkflation – einer versteckten Preiserhöhung über kleinere Packungen.
Preis plötzlich im freien Fall
Besonders irritierend wirkt für viele, dass dieselbe Tafel regelmäßig zu deutlich niedrigeren Aktionspreisen angeboten wird. Rabatte von 79 oder 99 Cent stehen im starken Kontrast zum regulären Regalpreis. In sozialen Netzwerken ist deshalb von einem „Preisroulette“ die Rede.
Online mehren sich Boykottaufrufe, etwa auf Plattformen wie Reddit, wo Nutzer erklären, selbst bei stark reduzierten Preisen nicht mehr zugreifen zu wollen.
Öffentliche Rügen für die lila Kuh
Die Kritik blieb nicht folgenlos. Die Milka-Mutter Mondelez wurde 2025 gleich mehrfach öffentlich gerügt. Die Verbraucherzentrale Hamburg kürte die Alpenmilch-Tafel zur „Mogelpackung des Jahres“, zudem erhielt das Produkt den Negativpreis „Goldener Windbeutel“ von Foodwatch. In einer Online-Abstimmung beteiligten sich zehntausende Konsumenten – so viele wie selten zuvor.
Juristisches Nachspiel in Deutschland
Mittlerweile hat die Auseinandersetzung auch eine juristische Dimension. Die Verbraucherzentrale Hamburg klagt gegen Mondelez wegen unlauteren Wettbewerbs. Aus ihrer Sicht sei die Reduktion der Füllmenge bei nahezu unveränderter Verpackung für Käuferinnen und Käufer nicht ausreichend erkennbar gewesen. Der Prozess soll im April 2026 beginnen.
Mondelez spricht vom „letzten Mittel“
Der Konzern weist die Vorwürfe zurück. Man verweist auf massiv gestiegene Kosten für Kakao, Energie und Verpackung. Die Gewichtsänderung sei klar auf der Verpackung angegeben und zusätzlich online kommuniziert worden. Preiserhöhungen seien, so der Hersteller, das „letzte Mittel“, um Qualität und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Experte ortet Vertrauensbruch
Unabhängig von der rechtlichen Bewertung sehen Fachleute jedoch ein Vertrauensproblem. Carsten Demming von der Duale Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn warnt gegenüber der „Frankfurter Rundschau“ davor, dass stark schwankende Preise das Gefühl für den tatsächlichen Wert eines Produkts zerstören können. Wenn hohe Preise auch dann bestehen bleiben, wenn sich Kosten entspannen, könne von einem Vertrauensbruch gesprochen werden. Rabattaktionen würden den Normalpreis im Nachhinein überteuert erscheinen lassen.
Österreichische Politik mit erstem Schritt
In Österreich hat die Diskussion bereits politische Konsequenzen. Mit dem beschlossenen Anti-Mogelpackungs-Gesetz müssen Händler künftig verkleinerte Packungen klar kennzeichnen. Ziel ist es, Preis- und Mengenänderungen für Konsumenten auf den ersten Blick erkennbar zu machen. Bei Verstößen drohen Geldstrafen von bis zu 15.000 Euro.
Verbraucherschützer raten Konsumentinnen und Konsumenten dennoch zu Eigeninitiative: Der Blick auf den Grundpreis pro 100 Gramm sei oft aussagekräftiger als auffällige Rabattsticker. Viele reagieren bereits, greifen vermehrt zu Eigenmarken oder vergleichen Preise digital.
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