Noch in der Stunde der historischen Kitzbühel-Niederlage hat der Alpinchef im Österreichischen Skiverband eine Reaktion angekündigt. „Ich sehe jede Krise als Chance. Jetzt können wir zeigen, aus welchem Holz wir geschnitzt sind. Wir werden uns zusammen da rausarbeiten“, sagte Christian Mitter. Zuvor waren erstmals in der Weltcup-Historie in einer Streif-Abfahrt alle Österreicher an den Top Ten vorbeigerast.
Dass die Schwäche in der Problemdisziplin ausgerechnet beim prestigeträchtigen Heimspektakel schonungslos zu Tage trat, wurde im ÖSV zähneknirschend hingenommen. Zwei Wochen vor den Olympischen Spielen in Italien waren die Verbandsspitzen bemüht, im Anschluss keinen Alarmismus zu betreiben. „Natürlich ist es nicht unser Anspruch, dass wir nicht einmal unter den Top Ten sind. Es sind wahrscheinlich Kleinigkeiten, die fehlen einfach“, sagte Verbandspräsidentin Roswitha Stadlober.
„Wir werden es überleben“
„Historisch schlecht – das haben wir auch im Riesentorlauf immer wieder gehört. Es geht auch wieder schnell in die andere Richtung. Wir werden es alle überleben, müssen es abhaken und einfach weiterarbeiten“, sagte indes Mitter. Wohlwissend, dass über die Tonalität der Schlagzeilen zum heimischen Abfahrtssport eben hauptsächlich ein Mann entscheidet. „In der Abfahrt hakt es, wenn der Vincent keinen guten Tag hat.“ Vincent Kriechmayr konnte die in ihn gesteckten Hoffnungen als 13. nicht erfüllen.
„Tut mir leid, ich habe es versucht, aber ich habe es nicht auf den Punkt gebracht.“ Der Oberösterreicher wollte seinen Ritt über die Streif „zu taktisch“ und teils zu defensiv angelegt haben. Der Tiefschlag wurmte ihn. „Es zipft mich gscheit an. Dafür bin ich zu ehrgeizig.“ Ebenso könne er das jedoch „sehr leicht“ wegstecken, denn: „Ich bin gesund, die Leute, die mir wichtig sind, sind gesund. Was will man mehr im Leben? Das relativiert dann schon wieder einiges.“
Olympia-Generalprobe ohne ÖSV-Trio
Die Olympia-Generalprobe in Crans-Montana am kommenden Wochenende wird Kriechmayr mit Blick auf den nahenden Saisonhöhepunkt auslassen. „So wie ich da gefahren bin, brauche ich jetzt einmal ein Training, damit ich dann in Bormio ein bisschen besser abschneide.“ Daniel Hemetsberger, der beim Sieg des jungen Italieners Giovanni Franzoni mit guter Zwischenzeit ausschied, und Raphael Haaser halten es gleich und verzichten auf die Schweiz-Rennen. „Ich werde mich auf den Riesenslalom in Schladming konzentrieren und dann schauen, dass ich noch ein paar Tage Ruhe kriege, bevor es dann wieder richtig losgeht“, sagte Haaser.
Inzwischen läuft die Problemanalyse im ÖSV-Team weiter. „Wir haben schnelle Sektionen, wir basteln es halt nicht zusammen. Wir müssen genau hinschauen, warum sind unsere starken Sektoren stark und unsere schwachen schwach“, sagte Mitter. „Natürlich fehlt uns hinten die Dichte. Wir sind dran, eine kompakte Mannschaft zu bauen.“ Mit nur einem Podestplatz in 700 Tagen in der Abfahrt kam das Ergebnis nicht komplett überraschend. Ein historisches Negativergebnis in Kitzbühel hätte man sich dennoch gerne erspart. Letztlich ist der Sportliche Leiter Ski alpin auch überzeugt: „Wir können das Speedfahren im Allgemeinen schon.“
Bundesförderung verlängert
Um das auch künftig gezielt zu trainieren, verlängerten das Sportministerium und der ÖSV das Projekt „temporäre Trainingsstätten“. Im Rahmen dieses Projektes werden in touristisch genutzten Skigebieten eigens vorbereitete Trainingspisten errichtet, die ausschließlich dem Spitzensport dienen. Dafür stellt der Bund in der nächsten Saison bis zu 1,6 Mio. Euro zur Verfügung. „Mit dieser Investition sichern wir die Qualität des österreichischen Spitzen-Skisports und schaffen zugleich eine verantwortungsvolle Antwort auf die klimatischen Herausforderungen unserer Zeit“, erklärte dazu Sportminister Andreas Babler
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