Große Weihe am Samstag

Neuer Wiener Erzbischof mag es „möglichst einfach“

Österreich
21.01.2026 16:05

Am Wochenende bekommt Österreich mit Josef Grünwidl einen neuen Wiener Erzbischof: Der langjährige Pfarrer und Bischofsvikar wird am Samstag im Stephansdom geweiht. Er selbst setzt dabei neue Akzente - und auf Schlichtheit: Schon bei seinen Amtszeichen ist allein die Bischofsmütze neu.

Den ersten „Schrecken“ über seine Ernennung zum Wiener Erzbischof hat Josef Grünwidl mittlerweile wohl hinter sich gelassen: Nun kommt zum Respekt vor dem Amt die Zuversicht, berichtet der langjährige Pfarrer im Vorfeld seiner Weihe und zitiert dazu den heiligen Augustinus: „,Wenn das, was ich für euch bin, mich erschreckt, gibt mir das, was ich mit euch bin, Zuversicht: Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ.‘“

Das sieht er als einen Schwerpunkt: „Ich übernehme mit der Bischofsweihe einen besonderen Dienst in der Kirche, aber das Christsein ist unsere gemeinsame Basis.“

Kardinal Christoph Schönborn wird Grünwidl am Samstagnachmittag im Stephansdom zum Erzbischof weihen – im Beisein der österreichischen Bischöfe, Vertreter von Ökumene, anderen Religionsgemeinschaften, aus der Politik und dem öffentlichen Leben sowie vielen Gläubigen.

Insgesamt werden 3000 Teilnehmer erwartet, die – so ist es dem designierten Erzbischof wichtig – viel selbst mitsingen sollen.

Josef Grünwidl wird ab Samstag neuer Wiener Erzbischof und folgt somit Kardinal Christoph ...
Josef Grünwidl wird ab Samstag neuer Wiener Erzbischof und folgt somit Kardinal Christoph Schönborn nach.(Bild: Imre Antal)

Jugendliche führen neuen Erzbischof 
Zu Beginn wird Grünwidl von etwa 60 Jugendlichen im Bischofshaus abgeholt und in den Dom geführt: „eine Erinnerung an meine Zeit als Jugendseelsorger“, so Grünwidl. Rund 150 Ministranten werden ebenfalls anwesend sein – „viele auch aus meinen ehemaligen Pfarren, die damals so klein waren und mittlerweile 20, 25 Jahre alt sind.“

Zu den Neuerungen beim Ablauf der Bischofsweihe gehört, dass der Anfang nicht beim Altar, sondern in der Mitte des Doms mit einer Tauferneuerung gestaltet wird und dass die Ernennungsurkunde des Papstes eine Seelsorgerin aus dem Weinviertel verlesen wird: „nicht der Ordinariatskanzler, sondern eine Frau aus dem Gottesvolk“.

„Recyclete“ Insignien
Besonders gewählt hat Grünwidl auch seine Insignien, also seine Amtszeichen als Erzbischof: „Als Grundlinie habe ich hier ausgegeben, dass alles möglichst einfach sein soll“, so der Seelsorger.

  • So wird sein Bischofsstab jener von Weihbischof Helmut Krätzl sein: „Es ist annähernd der gleiche Stab, den auch Kardinal Franz König und der Wiener Weihbischof Florian Kuntner verwendet haben, ein einfacher Holzstab mit einer versilberten Krümmung.“
  • Auch sein Bischofsring ist schlicht: „Mein Bischofsring ist der ganz einfache Konzilsring, den damals alle als Geschenk erhalten haben, die beim Zweiten Vatikanischen Konzil teilgenommen haben. Der damals war freilich in Gold; meiner ist versilbert.“
  • Das Kreuz des neuen Erzbischofs wird jenes, „das Papst Franziskus gewählt hat“, so Grünwidl: „Es zeigt Jesus als den guten Hirten. Auch das eine einfache, schlichte Kopie.“
  • „Das Einzige von meinen Insignien, das wirklich für mich speziell angefertigt werden musste, ist die Bischofsmütze – die muss einfach passen“, schmunzelt er, „und ich habe mir erklären lassen, alte Bischofsmützen irgendwie umzuformen, das geht nicht.“ Sie ist geschmückt mit den angedeuteten sieben Flammen des Heiligen Geistes: „Und den werde ich sicher brauchen für meine Aufgaben als Erzbischof von Wien“, zeigt er Humor.
  • Freilich braucht ein Erzbischof auch ein Wappen: Das zeigt neben dem Kreuz der Wiener Erzdiözese einen Adlerflügel aus dem Gemeindewappen seines Heimatortes Wullersdorf und fünf Orgelpfeifen. Zu letzterem erklärt er: „In der Kirche gibt es so wie bei einer Orgel verschiedene Stimmen, laute und leise. Es gibt Prospektpfeifen, die vorne stehen und sichtbar sind, und viele Tausende im Hintergrund. Und es geht darum, dass die verschiedenen Stimmen und Klangfarben sich gut mischen und eine Harmonie bilden – ein Bild für die Einheit der verschiedenen Strömungen, Geschwindigkeiten und Ansichten, die es in unserer römisch-katholischen Kirche gibt. Außerdem funktioniert eine Orgel nicht ohne Wind – ein Symbol für den Heiligen Geist.“

Erste Termine und Entscheidungen
Weil eben nicht alle Platz im Stephansdom finden, wird der neue Wiener Erzbischof in den kommenden Wochen weitere besondere Gottesdienste, etwa im Wiener Neustädter Dom und in seiner Heimatgemeinde Wullersdorf (NÖ), feiern. Und bereits am Sonntag, also am Tag nach seiner offiziellen Amtseinführung, wird er mit Bedürftigen in Wien zusammenkommen.

Zu den ersten Personalentscheidungen, die Grünwidl als Erzbischof vornehmen wird, gehört die Besetzung eines Bischofsvikars für das Vikariat Süd – das Amt hatte zuletzt ja Grünwidl selbst übernommen gehabt. Weitere wichtige Entscheidungen sollen dann im Herbst fallen.

Außerdem sind erste Treffen in seiner neuen Funktion bereits festgelegt, etwa mit den Spitzen der Israelitischen Religionsgesellschaft (IRG), der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) und Bundeskanzler Christian Stocker.

Das Wichtigste in Kürze

  • Josef Grünwidl wurde 1963 in Hollabrunn geboren und wuchs in Wullersdorf auf. 1988 empfing er die Priesterweihe. Seelsorglich tätig war er in Wien und Wiener Neustadt, später als Pfarrer im südlichen Niederösterreich und in Perchtoldsdorf.
  • Von 1995 bis 1998 war er Sekretär von Erzbischof Schönborn, 2023 wurde er zum Bischofsvikar für das Vikariat Süd ernannt.
  • Seit der Emeritierung von Kardinal Schönborn am 22. Jänner 2025 leitete er die Erzdiözese interimistisch als Apostolischer Administrator der Erzdiözese Wien.

Zölibat als freie Entscheidung und Diakoninnen möglich
Angesprochen auf die Themen des Zölibats und Frauen in Weiheämtern zeigt sich Grünwidls Standpunkt unverändert offen: „Ich bin der Meinung, dass das Zölibat eine freie Entscheidung sein sollte“, sagt er.

Die Beispiele verheirateter Priester in Geschwisterkirchen und katholischen Ostkirchen würden zeigen, dass das möglich sei: „Hier sollten wir überlegen, ob es eine Änderung geben kann.“ 

Was das Diakonat für Frauen betrifft: Auch das würde Grünwidl für einen möglichen Schritt halten: „Das wird zurzeit weltkirchlich auch theologisch heftig diskutiert und ich hoffe, dass es hier Änderungen gibt.“

Kirche nicht über Probleme definieren
Allerdings seien Themen wie Zölibat oder Frauen in Weiheämtern nicht die vorrangigen Fragen innerhalb der Kirche, sondern vielmehr: „Wie können wir die Botschaft vom biblischen Gott heute glaubwürdig den Menschen vermitteln?“

Generell definiert Grünwidl „die Kirche nicht in erster Linie über Probleme, Defizite, über Statistiken und Strukturen, sondern über die biblische Verheißung. Und die besagt: Wir sind Volk Gottes. Auch wenn sich die vertraute Gestalt der Kirchen gerade dramatisch ändert, wird es mit unserer Kirche gut weitergehen.“

Nachsatz: „Allerdings ganz anders als wir es gewohnt sind.“ Diese Hoffnung leitet ihn mehr als der Blick auf Zahlen, Statistiken und Umfragen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt