






Am Wochenende bekommt Österreich mit Josef Grünwidl einen neuen Wiener Erzbischof: Der langjährige Pfarrer und Bischofsvikar wird am Samstag im Stephansdom geweiht. Er selbst setzt dabei neue Akzente - und auf Schlichtheit: Schon bei seinen Amtszeichen ist allein die Bischofsmütze neu.
Den ersten „Schrecken“ über seine Ernennung zum Wiener Erzbischof hat Josef Grünwidl mittlerweile wohl hinter sich gelassen: Nun kommt zum Respekt vor dem Amt die Zuversicht, berichtet der langjährige Pfarrer im Vorfeld seiner Weihe und zitiert dazu den heiligen Augustinus: „,Wenn das, was ich für euch bin, mich erschreckt, gibt mir das, was ich mit euch bin, Zuversicht: Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ.‘“
Das sieht er als einen Schwerpunkt: „Ich übernehme mit der Bischofsweihe einen besonderen Dienst in der Kirche, aber das Christsein ist unsere gemeinsame Basis.“
Kardinal Christoph Schönborn wird Grünwidl am Samstagnachmittag im Stephansdom zum Erzbischof weihen – im Beisein der österreichischen Bischöfe, Vertreter von Ökumene, anderen Religionsgemeinschaften, aus der Politik und dem öffentlichen Leben sowie vielen Gläubigen.
Insgesamt werden 3000 Teilnehmer erwartet, die – so ist es dem designierten Erzbischof wichtig – viel selbst mitsingen sollen.
Jugendliche führen neuen Erzbischof
Zu Beginn wird Grünwidl von etwa 60 Jugendlichen im Bischofshaus abgeholt und in den Dom geführt: „eine Erinnerung an meine Zeit als Jugendseelsorger“, so Grünwidl. Rund 150 Ministranten werden ebenfalls anwesend sein – „viele auch aus meinen ehemaligen Pfarren, die damals so klein waren und mittlerweile 20, 25 Jahre alt sind.“
Zu den Neuerungen beim Ablauf der Bischofsweihe gehört, dass der Anfang nicht beim Altar, sondern in der Mitte des Doms mit einer Tauferneuerung gestaltet wird und dass die Ernennungsurkunde des Papstes eine Seelsorgerin aus dem Weinviertel verlesen wird: „nicht der Ordinariatskanzler, sondern eine Frau aus dem Gottesvolk“.







„Recyclete“ Insignien
Besonders gewählt hat Grünwidl auch seine Insignien, also seine Amtszeichen als Erzbischof: „Als Grundlinie habe ich hier ausgegeben, dass alles möglichst einfach sein soll“, so der Seelsorger.
Erste Termine und Entscheidungen
Weil eben nicht alle Platz im Stephansdom finden, wird der neue Wiener Erzbischof in den kommenden Wochen weitere besondere Gottesdienste, etwa im Wiener Neustädter Dom und in seiner Heimatgemeinde Wullersdorf (NÖ), feiern. Und bereits am Sonntag, also am Tag nach seiner offiziellen Amtseinführung, wird er mit Bedürftigen in Wien zusammenkommen.
Zu den ersten Personalentscheidungen, die Grünwidl als Erzbischof vornehmen wird, gehört die Besetzung eines Bischofsvikars für das Vikariat Süd – das Amt hatte zuletzt ja Grünwidl selbst übernommen gehabt. Weitere wichtige Entscheidungen sollen dann im Herbst fallen.
Außerdem sind erste Treffen in seiner neuen Funktion bereits festgelegt, etwa mit den Spitzen der Israelitischen Religionsgesellschaft (IRG), der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) und Bundeskanzler Christian Stocker.
Zölibat als freie Entscheidung und Diakoninnen möglich
Angesprochen auf die Themen des Zölibats und Frauen in Weiheämtern zeigt sich Grünwidls Standpunkt unverändert offen: „Ich bin der Meinung, dass das Zölibat eine freie Entscheidung sein sollte“, sagt er.
Die Beispiele verheirateter Priester in Geschwisterkirchen und katholischen Ostkirchen würden zeigen, dass das möglich sei: „Hier sollten wir überlegen, ob es eine Änderung geben kann.“
Was das Diakonat für Frauen betrifft: Auch das würde Grünwidl für einen möglichen Schritt halten: „Das wird zurzeit weltkirchlich auch theologisch heftig diskutiert und ich hoffe, dass es hier Änderungen gibt.“
Kirche nicht über Probleme definieren
Allerdings seien Themen wie Zölibat oder Frauen in Weiheämtern nicht die vorrangigen Fragen innerhalb der Kirche, sondern vielmehr: „Wie können wir die Botschaft vom biblischen Gott heute glaubwürdig den Menschen vermitteln?“
Generell definiert Grünwidl „die Kirche nicht in erster Linie über Probleme, Defizite, über Statistiken und Strukturen, sondern über die biblische Verheißung. Und die besagt: Wir sind Volk Gottes. Auch wenn sich die vertraute Gestalt der Kirchen gerade dramatisch ändert, wird es mit unserer Kirche gut weitergehen.“
Nachsatz: „Allerdings ganz anders als wir es gewohnt sind.“ Diese Hoffnung leitet ihn mehr als der Blick auf Zahlen, Statistiken und Umfragen.
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