„Windchill“-Effekt

Warum uns gerade besonders kalt ist

Österreich
22.01.2026 13:36
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Von krone.at

Die Kältewelle hat das Land fest im Griff und auch in den kommenden Tagen werden die Temperaturen vielerorts kaum den Gefrierpunkt erreichen. Doch während klirrende Kälte bei Sonnenschein oftmals sogar zum Spazierengehen einladen kann, will man aktuell kaum die warme Stube verlassen, denn durch den Wind fühlt es sich oft noch kälter an, als es wirklich ist.

„Dieser Effekt, dass der Wind das Kälteempfinden verstärkt, nennt man Windchill-Effekt“, erklärte am Donnerstag Clemens Biermair, Meteorologe bei der Geosphere Austria. Mit 20 km/h Wind zum Beispiel fühlen sich minus fünf Grad schnell einmal wie minus zwölf Grad an.

Je stärker der Wind, desto kälter fühlt es sich an
50 km/h Wind machen aus minus fünf Grad, wie wir sie zuletzt oft hatten, gefühlte minus 15 Grad und 100 km/h Wind bewirken, dass sich minus fünf Grad wie minus 18 Grad anfühlen, erläuterte Biermair. Je höher die Windgeschwindigkeit ist, desto schlimmer auch die gefühlte Kälte. Der Anstieg ist jedoch nicht linear und etwa ab 100 km/h sei der Auskühlungsgrad ausgereizt.

Bei Sonnenschein kann ein Winterspaziergang tatsächlich etwas herrliches für Geist und Körper ...
Bei Sonnenschein kann ein Winterspaziergang tatsächlich etwas herrliches für Geist und Körper sein.(Bild: APA/BARBARA GINDL)

  Dieser sogenannte Windchill-Effekt beschreibt im Prinzip den Unterschied zwischen der tatsächlichen Temperatur und der gefühlten Temperatur in der Kälte. Dabei entzieht der Wind (oder auch Fahrtwind, etwa beim Skifahren) der Hautoberfläche warme Luft und sorgt so für mehr Verdunstungskälte. Den Effekt versteht man daher auch als Maß für den Verlust an Körperwärme.

Warmer Luftpolster schützt uns
Normalerweise befindet sich auf der Haut nämlich ein warmer Luftpolster, der durch die Körperwärme erzeugt wird. „Dieser Luftpolster wird aber vom Wind weggeblasen“, so Biermair. Mit guter Kleidung könne man sich schützen, aber eben nicht zu 100 Prozent. „Und ob uns kalt ist oder nicht, liegt im Endeffekt daran, wie viel Energie der Körper aufwenden muss, um seine Temperatur zu halten“, sagte der Meteorologe. Das Kälteempfinden sei außerdem von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hänge von verschiedenen Faktoren wie Körperoberfläche, Hauttyp oder Größe ab. Aber: Mittlerweile habe der Wind nachgelassen, gab Biermair Entwarnung.

Die Infografik zeigt die gefühlte Kälte in Grad Celsius bei verschiedenen Windgeschwindigkeiten und Temperaturen. Je stärker der Wind und je niedriger die Temperatur, desto kälter fühlt es sich an. Bei 0 Grad und 4 km/h Wind liegt die gefühlte Temperatur bei minus 1 Grad, bei minus 15 Grad und 90 km/h Wind bei minus 32 Grad. Quelle: Geosphere Austria.

„Der Körper versucht immer, seine Wärme zu behalten“, sagte am Donnerstag auch Universitätsprofessor Michael Fischer, Leiter des Instituts für Physiologie der MedUni Wien. „Und wenn er Kälte spürt, fängt er in Sekunde eins an, entgegenzuwirken.“ Um ein Auskühlen zu verhindern, verengen sich zum Beispiel an exponierten Hautstellen die Gefäße. Auch der Stoffwechselumsatz des Körpers steigt sofort, das Herz muss mehr pumpen, so der Mediziner. 

Bewegung hilft
Mit Bewegung könne man bei Kälte gegenwirken – und das macht auch der Körper. Eine große Energiequelle des Muskels ist das Kältezittern, erklärt Fischer. Erst wenn die Körpertemperatur unter 35 Grad fällt, kann das Kältezittern vom Körper nicht mehr gesteuert werden. Kritische Temperaturen für den Körper liegen aber darunter, erst bei einer Körperkerntemperatur von 33 Grad würden Herz-Rhythmus-Störungen beginnen.

„Es ist überhaupt verblüffend, wie viel ein Körper aushält“, betonte Fischer. Der Körper habe einen großen Spielraum, betrachte man etwa Eisschwimmer, die – kontrolliert und unter ständiger Beobachtung – eine Körpertemperatur von 29 Grad überstehen würden. „Der Körper hält unglaublich viel aus, wenn er nicht krank und vorbelastet ist“ – und er kann sich auch schnell wieder aufwärmen, bei Kälte wie bei Wind, so Fischer. 

Sich bei niedrigen Temperaturen und noch niedrigeren gefühlten Temperaturen nur in der geheizten Wohnung zu verschanzen, hält Fischer für keine gute Idee. „Rausgehen bei Kälte ist für den Körper ein starker Reiz“, sagt er und verweist darauf, dass der Aufenthalt in der Kälte für einen gesunden Körper ein gutes Training ist.

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