„Auch wir sind Opfer“

Betreiber der Todes-Bar gibt Kellnern die Schuld

Ausland
22.01.2026 13:31
Porträt von krone.at
Von krone.at

Nach dem fatalen Feuerinferno in der Schweiz mit Dutzenden Toten sehen die Barbetreiber sich selbst als Opfer: Sie orten bei sich keine Verantwortung für die Tragödie. Vielmehr seien die Kellner schuld, die die Sprühkerzen auf den Schultern ihrer Kollegen durch das Lokal trugen, wie Jacques Moretti erklärte.

Moretti sitzt nach dem Brand in der Bar „Le Constellation“ im Nobel-Skiort Crans-Montana zu Silvester seit 9. Jänner in Untersuchungshaft. Bei einem Verhör am Dienstag ließ der Gastronom mit Aussagen aufhorchen, die für die Angehörigen der Opfer wohl wie blanker Hohn klingen müssen. 

Beschuldigter: „Wir leiden zutiefst“
So erklärte Moretti laut der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“: „Auch wir sind Opfer dessen, was vorgefallen ist ... Nicht Opfer auf derselben Ebene wie die Toten und Verletzten, aber auch wir leiden zutiefst.“ Er sehe überhaupt keine Schuld bei sich selbst, was die Sicherheitsmaßnahmen betrifft. Vielmehr hätten die Mitarbeiter die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen nicht getroffen.

In diesem Lokal kamen 40 großteils junge Menschen ums Leben.
In diesem Lokal kamen 40 großteils junge Menschen ums Leben.(Bild: AFP/MAXIME SCHMID)
Die Lokalbetreiber Jacques und Jessica Moretti wurden stundenlang von der Staatsanwaltschaft ...
Die Lokalbetreiber Jacques und Jessica Moretti wurden stundenlang von der Staatsanwaltschaft verhört.(Bild: AFP/FABRICE COFFRINI)

Zu der gängigen Praxis im Lokal, die Champagnerflaschen mit den Sprühkerzen auf den Schultern von Kollegen zu servieren, erklärte er: „Das war etwas, das das Personal gemacht hat, es war nicht meine Initiative, aber ich habe es auch nie verboten.“

Barbetreiber klagt: „Bin völlig erschöpft“
Nach der zehn Stunden langen Anhörung erklärte er zudem, wie sehr er leide: „Im Gefängnis esse und schlafe ich nicht, ich bin völlig erschöpft. Ich fühle mich nicht in der Lage, morgen früh weiterzumachen“, wurde er von der Zeitung zitiert.

Am Mittwoch wurde schließlich auch seine Ehefrau, Jessica Moretti, von der Staatsanwaltschaft befragt. Ihre Vernehmung dauerte elf Stunden. Sie musste zum ersten Mal ihre Version der Ereignisse darlegen. Auch diese Befragung durfte von den zahlreichen Anwälten von Opfern mitverfolgt werden. Weder die Beschuldigte noch ihre Verteidiger gaben im Anschluss einen Kommentar gegenüber den Medien ab. 

Moretti hofft auf Freilassung auf Kaution
Jacques Moretti hofft indes, noch diese Woche das Gefängnis verlassen zu dürfen. Zu Beginn der Woche wurde diesbezüglich ein Gesuch beim Zwangsmaßnahmengericht des Kantons Wallis eingereicht. Eine Entscheidung dazu soll bald fallen. Er hofft, dass er gegen eine Zahlung einer Kaution in der Höhe von 200.000 Franken (rund 215.000 Euro) freikommen kann.

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