Am 10. Jänner ist der Parawissenschaftler Erich von Däniken in seiner Schweizer Heimat verstorben. „Krone“-Kolumnist Robert Schneider über einen Mann, der mit seinen haarsträubenden Theorien ein Millionenpublikum erreicht hat.
Selten hatte einer die Chuzpe, über sechzig Jahre lang einen haarsträubenden Schmarrn daherzureden und dabei noch Millionen zu scheffeln. Nun ist er gestorben, mit neunzig Jahren, Erich von Däniken, der die Prä-Astronautik erfand, also jene außerirdischen Herrschaften, die den alten Ägyptern halfen, die Pyramiden zu bauen. Die Landebahnen ihrer Raumschiffe befanden sich – davon war er überzeugt – in Palpa und in Peru. Die sogenannten Nasca-Lines, die über 1500 nur aus der Luft erkennbaren Scharrbilder in der Wüste, waren der Beweis. Ein Ignorant, der Däniken nicht glauben wollte.
Dabei fing er als Hotelfachlehrling im Berner Schweizerhof noch ganz bodenständig an und später in der Suppenfabrik Knorr. Er lernte Koch, betrieb ein Hotel, zahlte keine Kurtaxe, wanderte dafür in den Knast. Doch bei seiner allerersten Ägyptenreise im Jahr 1954 musste es ihm wirklich „geflasht“ haben, „durchgsoacht“, um das entsprechende Dialektwort zu verwenden. Wie ist’s nur möglich, überlegte Däniken, dass die alten Ägypter millimetergenaue Steinquader behauen konnten, sodass kein Blatt Papier dazwischen passte? Da musste noch was im Spiel gewesen sein.
Und so entwickelte er 1977 nach scharfem, analytischem Nachdenken die These, dass Außerirdische durch Geschlechtsverkehr die dummen Menschenaffen „veredelt“ hätten. Die Intelligenz sei keine Sache der Evolution, sondern die Folge der aus dem All angereisten Astronauten, besonders der Astronautinnen.
Astronomen und Archäologen lächelten müde, aber dem schielenden Jungen aus Zofingen war das wurscht. Hauptsache, die Auflagen stimmten. Noch bei einem seiner letzten Auftritte in Interlaken sagte er einer jubelnden Menge: „Die Menschen beginnen zu verstehen, dass wir richtig liegen.“ Ich habe es leider noch immer nicht verstanden.
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