

Ob Heilquelle für Augenleiden und andere Gebrechen oder Symbolkraft in Ritualen: Wasser ist seit jeher mehr als nur durststillend.
Weil Wasser auch enorme Schäden anrichten kann, Klimawandel, Hochwasser und Überschwemmungen immer öfter zu ertragen sind, hat Pfarrer Bernd Wegscheider in Gurnitz die Glan gesegnet. Dreimal hat er das Prozessionskreuz in das Wasser des Flusses eingetaucht und die Glan mit Weihwasser besprengt, um Gottes Schutz zu erbitten, auf dass er Unheil, das vom Fluss ausgehen könnte, abwende.
Was für nicht gläubige Menschen vielleicht wie Hokuspokus klingen mag, ist in Wirklichkeit auch ohne Religion im Hintergrund eine sehr schöne Geste: Segnen heißt im Lateinischen benedicere und bedeutet wörtlich „gut sagen“. Wird jemand gesegnet, wird ihm Gutes gewünscht. Nicht nur Menschen, auch Dinge werden gesegnet: Gebäude, beispielsweise Rüsthäuser, Einsatzfahrzeuge, Autos, Pferde und andere Tiere, Ställe, Äcker, Adventkränze, Speisen für das Osterfest... und in Gurnitz auch die Glan.


Schon seit der Antike werden Quellen verehrt und an ihren Ursprüngen Kultorte errichtet. Johannes taufte Jesus mit Wasser im Jordan und heute noch werden Christen mit Wasser bei der Taufe in die Gemeinschaft aufgenommen.
Wasser-Tourismus zu heiligen Quellen
Mit Flaschen und Kanistern reisen nach wie vor zahlreiche Menschen zu besonderen Quellen, um Wasser zum Trinken mitzunehmen; beispielsweise von der Rosaliengrotte am Hemmaberg. Fast allen heiligen Wassern wird Heilkraft bei Augenleiden zugeschrieben, was unter anderem mit dem Leben in vergangenen Jahrhunderten zusammenhängt: In den Rauchkuchln nahmen die Augen Schaden, Reinigung mit klarem Wasser war eine Wohltat. In den Städten war Wasser meist verunreinigt, konnte Durchfall oder andere Krankheiten auslösen, wohingegen reines Wasser aus einem Bergquell diese Leiden besiegte.




Ruheort einst für den Pfalzgrafen, nun für Gäste
Eine gern besuchte Quelle wird im Raum unter der Kathrein-Kirche in Bad Kleinkirchheim gefasst. Pfalzgraf Poto soll sie ihre Heilkraft im 11. Jahrhundert entdeckt haben, als er verwundet auf der Flucht vor seinen Verfolgern war. Die Quelle wurde also gefasst, eine schützende Mauer errichtet; schließlich entstand eine Kirche, die 1492 erstmals urkundlich erwähnt und Katharina geweiht wurde.
Schon ab 1437 war ein Bad bekannt, das mit dem Thermalwasser gespeist wurde. Heute noch versorgen die Quellen aus etwa 240 Metern Tiefe in Bad Kleinkirchheim die Therme St. Kathrein, das Römerbad sowie die Thermen beim unter der Kathrein-Kirche liegenden Hotel Ronacher und beim Hotel Pulverer.
In manchen Mythologien leben im Wasser sogar Götter: Poseidon war für die Griechen der Gott des Meeres, die Römer nannten ihn Neptun. Größere Flüsse hatten eigene Götter: Tiberinus lebte im Tiber, Danuvius in der Donau.
An den keltischen Wassergott Glanos erinnert ein Stein im Glanpark nahe dem Klinikum in Klagenfurt. Glan soll hell, klar, glänzend bedeutet und somit den Fluss beschrieben haben, der in der Gemeinde Techelsberg entspringt, Feldkirchen streift, St. Veit und Klagenfurt passiert und nach 64 Kilometern in Ebenthal in die Gurk mündet.
Bekannter als keltischer Wassergott ist allerdings Grannus, dem einst in Teurnia, dem heutigen St. Peter in Holz bei Spittal, an einer Quelle ein bedeutendes Heiligtum errichtet wurde. Grannus wurde manchmal mit einem Krug, aus dem Wasser fließt, dargestellt.
Im Anfang war das Wort – und das Wasser
In der Bibel heißt es im Buch Mose: „Die Erde war wüst und wirr und Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.“ Dann schuf er aus dem Wasser Land und Meere und die ganze Welt.
Das Wasser beschützt Moses und sein Volk, indem es sie passieren lässt, dann aber zusammenstürzt und die Verfolger vernichtet.
Für die Schöpfung, das Leben und die Reinheit steht das Wasser auch im Islam. Rituelle Waschungen vor dem Gebet sind Pflicht. Der Reinigung der Seele und des Geistes dient das Tauchbad, die Mikwe, im Judentum. Wasser ist Quell des Lebens in allen großen Weltreligionen und ein Symbol der Erneuerung.
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