Vor Sicherheitsgipfel

Halbe Milliarde Schaden pro Jahr durch Ladendiebe

Österreich
16.01.2026 16:23

Alarm im heimischen Handel! Denn Cyberkriminalität, falsche Onlineshops und „Warenschwund“ durch Langfinger werden zu einer immer größeren Herausforderung für Geschäftsinhaber – jetzt wird daher zwischen Kassabereich und Regalreihen massiv aufgerüstet. Ein Sicherheitsgipfel schmiedet kommende Woche Gegenmaßnahmen. 

Ladendiebstahl, Falschgeld, Einbrüche – die Liste der häufigsten Vergehen auf der Verkaufsfläche liest sich wie aus einem Kriminalroman. 91 Prozent der heimischen Händler mussten bereits die unangenehme Erfahrung machen: Kunden entwendeten Waren direkt aus den Regalen. Fast jeder zweite Betrieb wurde bereits mit Falschgeld konfrontiert, klassische Einbrüche schlagen bei 42 Prozent der Geschäfte negativ zu Buche. 

Die Reaktionen der Händler sind deutlich! Während stationärer Handel noch durch Schlösser, Kameras und Schulungen verteidigt werden kann, eröffnen digitale Verkaufsplattformen neue Angriffsmöglichkeiten.

Den Händlern entgeht durch Diebe viel zu viel Geld im Jahr.
Den Händlern entgeht durch Diebe viel zu viel Geld im Jahr.(Bild: APA/GEORG HOCHMUTH)

Anonymität des digitalen Raums lockt
Cybercrime und Bestellbetrug nehmen rapide zu. Phishing, Malware und Botnetze treffen inzwischen fast zwei Drittel der Onlinehändler, Ransomware und Cyber-Erpressung sind ebenfalls auf dem Vormarsch. „Kriminelle nutzen die Anonymität des digitalen Raums, um ihre Machenschaften zu verschleiern. Mit hochqualifizierten Cyber-Spezialisten, umfassenden Schulungen und Prävention können sich Unternehmer gegen diese Bedrohungen rüsten“, warnt „Krone“-Cybersecurity-Experte Dr. Cornelius Granig.

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Der Handel, besonders jener mit Lebensmitteln, zählt zur besonders schützenswerten Infrastruktur. Die Gefahr wächst.

„Krone“-Sicherheitsexperte Cornelius Granig

Bestellungen werden häufig nicht bezahlt
Geschätzte zwei Drittel der österreichischen Onlinehändler waren bereits Opfer von Cybercrime und Betrug im Netz. Besonders verbreitet sind Phishing-Attacken, Malware sowie DDoS-Attacken. Doch es wird noch brisanter: Betrug mit Deepfakes, also gestohlenen Persönlichkeiten, greift um sich.

Halbe Milliarde Euro Schaden

  • Der österreichische Einzelhandel verzeichnete 2024 einen Gesamtumsatz von 78,5 Milliarden Euro.
  • Experten gehen davon aus, dass rund 0,6 Prozent des Umsatzes Diebstählen zum Opfer fallen.
  • Das macht einen Gesamtschaden von 471 Millionen Euro.

14 Prozent der befragten Unternehmen berichteten zuletzt von KI-generierten Fake-Videos, sieben Prozent von heimlichem Missbrauch von Rechenleistung für Kryptowährungen. Parallel steigen klassische Betrügereien: Bestellungen, die bewusst nicht bezahlt werden, manipulierte Adressdaten oder das Abstreiten korrekt gelieferter Ware gehören mittlerweile zum traurigen Alltag.

Diebstahl im Handel findet nicht nur stationär, sondern auch im Netz statt.
Diebstahl im Handel findet nicht nur stationär, sondern auch im Netz statt.(Bild: stock.adobe.com null)

64 Prozent des Handels wurden schon geschädigt
Konsum ist Psychologie. Daher müssen wir unter allen Umständen ein sicheres Einkaufserlebnis erhalten und auch die Betriebe müssen aufrüsten. Die Zahl der Delikte im stationären Handel ist ebenso wie im eCommerce-Bereich deutlich nach oben geklettert. Mehr als vier Fünftel aller österreichischen Geschäfte waren bereits von Kriminalität betroffen. Im Onlinehandel wurden 64 Prozent der heimischen Webshops durch Cybercrime und Bestellbetrug geschädigt. Daher sind Investitionen in die Sicherheit nie zu teuer.

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Wer heute Handel betreibt, muss doppelt wachsam sein – die Kriminellen schlafen nicht.

Andreas Holzer, Leiter Bundeskriminalamt

Fast jeder fünfte Shop wurde schon kopiert
„Teuer wird es nur, wenn man nichts investiert“, versichert Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. 27 Prozent der Konsumenten wurden bereits Opfer betrügerischer Online-Shops. Besonders betroffen sind Mode, Elektronik und Reisen. 17 Prozent der Händler berichten, dass ihre Shops kopiert wurden. Während Videoüberwachung, Mitarbeiterschulungen und verschlossene Betriebsräume die Basis bilden, erfordert der digitale Raum neue Strategien.

Innenminister Gerhard Karner, Handelsverbands-Chef Rainer Will
Innenminister Gerhard Karner, Handelsverbands-Chef Rainer Will(Bild: Katharina Schiffl)

„Wer heute Handel treibt, muss doppelt wachsam sein“
Bundeskriminalamt-Chef Andreas Holzer brachte es anlässlich eines Sicherheitsreports auf den Punkt: „Sicherheit ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Nur durch Prävention, offenen Dialog und konsequente Bekämpfung der Kriminalität können wir ein sicheres Umfeld schaffen.“ Die Botschaft ist klar: „Wer heute Handel betreibt, muss doppelt wachsam sein – die Kriminellen schlafen nicht.“

Auch Innenminister nimmt an Gipfel teil
Durch die Teilnahme am Sicherheitsgipfel am 22. Jänner unterstreicht Innenminister Gerhard Karner, wie ernst die Republik diese Bedrohung nimmt. Positiv ist, dass der Einkauf im stationären Handel von den Österreichern als sicher wahrgenommen wird. Vorbeugung wie Warensicherungssysteme wird zwar von 93 Prozent der Kundschaft registriert, aber nur von einem Zehntel als störend empfunden.

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