Caracas unter Spannung
Tausende auf den Straßen: Fordern Maduro zurück
Zwei Tage nach der Entmachtung und Gefangennahme von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro ist die Lage im Land weiter angespannt: Während Tausende Anhänger des links-autoritären Staatschefs in Caracas seine Freilassung forderten, fielen nahe dem Präsidentenpalast Schüsse. Sicherheitskräfte eröffneten nach Regierungsangaben das Feuer auf unbekannte Drohnen – ein weiteres Zeichen dafür, wie fragil die Situation in der venezolanischen Hauptstadt bleibt.
Die Demonstrationen fanden am Montag während der Vereidigung von Interimspräsidentin Delcy Rodríguez vor dem Parlament statt. Zu der Kundgebung hatte die Regierung selbst aufgerufen. Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten von mehreren tausend Teilnehmern, die ihre Unterstützung für Maduro bekundeten.
Schüsse zu hören
Vor den Demonstranten sprach auch Maduros Sohn, der Abgeordnete Nicolás Maduro Guerra. Er erklärte, über einen „indirekten“ Kommunikationskanal mit seinem in New York inhaftierten Vater in Kontakt zu stehen. Weitere Details wollte er nicht nennen.
Zeitgleich waren nach Angaben von Augenzeugen in der Nähe des Präsidentenpalastes in Caracas Schüsse zu hören. Aus regierungsnahen Kreisen hieß es am Montagabend, die Lage sei unter Kontrolle. Unbekannte Drohnen seien im Bereich des Palastes geflogen, weshalb Sicherheitskräfte das Feuer eröffnet hätten.
Alltag kehrt dennoch zurück
Abseits der politischen Spannungen kehrte in Teilen des Landes vorsichtig wieder Normalität ein. Viele Geschäfte öffneten erneut, auch wenn Straßen und Plätze weiterhin leerer blieben als gewöhnlich. „Wir haben Angst, aber wir können uns nicht lähmen lassen“, sagte die 52-jährige Unternehmerin Mariela Gonzalez. Aus finanzieller Not seien viele Menschen zur Arbeit zurückgekehrt. „Ob mit Angst oder ohne, man muss essen“, erklärte eine 41-jährige Fahrerin.
Maduro bekennt sich „nicht schuldig“
Die USA hatten in der Nacht auf Samstag mit Elitetruppen einen groß angelegten Militäreinsatz gegen Venezuela durchgeführt und dabei Maduro sowie dessen Ehefrau Cilia Flores festgenommen. In den USA ist Maduro unter anderem wegen „Drogenterrorismus“ angeklagt. Bei einem ersten Gerichtstermin am Montag in New York plädierten beide auf nicht schuldig. US-Präsident Donald Trump erklärte, die Vereinigten Staaten würden Venezuela bis zu einem politischen Übergang führen.
Trump droht erneut mit Konsequenzen
Washington signalisierte grundsätzlich die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Interimspräsidentin Rodríguez. Trump drohte ihr jedoch zugleich mit Konsequenzen, sollte sie „nicht das Richtige tun“. Er verlangte von ihr „totalen Zugang“, unter anderem zu Venezuelas Erdölressourcen.
Am späten Sonntagabend zeigte sich Rodríguez erstmals offen für eine Kooperation mit den USA. Nach ihrer ersten Kabinettssitzung rief sie Washington dazu auf, „gemeinsam an einem Programm für die Zusammenarbeit zu arbeiten“.
Regime sucht nach Trump-Unterstützern
Unterdessen fahndet die venezolanische Polizei nach mutmaßlichen Kollaborateuren des US-Angriffs. In einem am Montag veröffentlichten Dekret zur Verkündung des Ausnahmezustands wurden alle Polizeibehörden angewiesen, nach Personen zu suchen, die den Angriff der Vereinigten Staaten unterstützt haben. US-Medien berichteten zuvor, das US-Militär habe bei der Kommandoaktion offenbar Hilfe vor Ort erhalten. Demnach soll eine Person aus dem direkten Umfeld Maduros regelmäßig Informationen über dessen Aufenthaltsort weitergegeben haben.
Der venezolanische Journalistenverband SNRP meldete zudem, dass im Zuge der Ereignisse 14 Reporter festgenommen worden seien. Nach Angaben der Organisation wurden später alle Journalisten wieder freigelassen.









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