Feuer in Crans-Montana

Warum viele das Handy zückten, anstatt zu helfen

Ausland
03.01.2026 11:22
Porträt von krone.at
Von krone.at

Nach dem Flammeninferno in einer Bar in Crans-Montana kursieren zahlreiche Videos im Netz, die den Brand zeigen. Dabei fallen filmende Gäste auf. Die Reaktion, eher das Handy zu zücken, statt zu helfen, wird in den sozialen Medien hart kritisiert. 

Videos zeigen die tragischen Szenen der verheerenden Nacht in jener Schweizer Bar, bei der 40 Menschen ums Leben gekommen sind. Manche Videos zeigen den Brand von innen, andere wurden von außen aufgenommen. Darauf ist zu sehen, wie die Partygäste verzweifelt versuchen, dem Inferno zu entkommen. Was dabei immer wieder auffällt, sind Gäste oder Passanten, die einfach dastehen und filmen.

Harte Kommentare in sozialen Medien
In den sozialen Medien sorgen die Szenen für Empörung, „holt euch was, um die Scheiben einzuschlagen und legt die sch... Handys weg!“ lautete etwa einer der Kommentare unter den Videos. Ein anderer Post trägt die Bildunterschrift: „Lieber Eltern, ich flehe euch an, bringt euren Kindern eines bei: Wenn es brennt, legt eure Handys weg und lauft!!“


Warum haben so viele nichts getan?
Das Phänomen, das Handy zu zücken und zu filmen, statt zu helfen oder wegzulaufen, nennt sich „Bystander-Effekt“ (auf Deutsch: „Zuschauer-Effekt“). Im Zusammenhang mit Angriffen im öffentlichen Raum nennen Experten als Hauptgrund für das bloße Danebenstehen und Filmen die Angst, selbst zum Opfer zu werden, wenn man eingreift. Darüber berichtete etwa das „Boston Magazine“. In Crans-Montana war die Situation jedoch eine andere, da keine direkte Bedrohung durch einen Angreifer bestand. Warum also filmten die Menschen trotzdem, anstatt zu helfen?

In den sozialen Medien kursieren dutzende Videos, die den Brand zeigen.
In den sozialen Medien kursieren dutzende Videos, die den Brand zeigen.(Bild: AFP/@TYRONEKING36852)

Expertin: Filmen ist heutzutage eine Art Reflex
Eine Notfallpsychologin sieht eine Erklärung für das Verhalten darin, dass die jungen Menschen die Ernsthaftigkeit der Situation nicht erkannt hätten. Sie kritisierte die Reaktion jedoch hart: „Filmen ist definitiv weder hilfreich noch klug“, wie „20 Minuten“ schreibt. Ein weiterer trauriger Grund für das Nichthandeln sei laut der Expertin eine Art Reflex, der sich in der heutigen Zeit in unser Hirn eingebrannt habe.

Die Betroffenen seien in einen Freeze-Zustand geraten. „Sie versuchen, sich einen Überblick zu verschaffen und zücken dann das Handy. Das ergibt zwar keinen Sinn, aber in einer solchen Situation denkt man nicht mehr logisch.“

Videos können auch helfen
Obwohl das Filmen von vielen kritisch beurteilt wird, kann das Videomaterial für die Behörden sehr hilfreich sein. Denn die gefilmten Szenen zeigen aus verschiedenen Perspektiven, wie sich die Tragödie zugetragen hat.

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