Ach, übrigens...

Meanwhile in Cortina d’Ampezzo

Vorarlberg
01.01.2026 09:00

In seiner Neujahrskolumne beschäftigt sich „Krone“-Autor Harald Petermichl mit den anstehenden Olympischen Spielen in Mailand und Cortina. Und hat sich dort auch vor Ort umgesehen, wo die Vorbereitungen in hektischem Gange sind. Dass da der eine oder andere Fehler passiert, ist wohl nicht zu vermeiden. Aber peinlich.

Wer trotz aller Warnungen des großen Dante Alighieri („Lasset, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren“) im letzten Sommer das Abenteuer auf sich genommen hat, durch ein imposantes Baustelleninferno zu einer Hoteladresse in Cortina d’Ampezzo vorzudringen, dem ist unter einem Viaduktbogen ein imposanter Schriftzug, bestehend aus „Cortina“ und ein paar miteinander verbundenen Ringen, aufgefallen. Es lag nahe, dass es sich dabei um eine Ankündigung der Winterspiele 2026 handelte, aber irgendwas war komisch. Da man wegen der nur bedingt hilfreichen Umleitungsbeschilderung das Viadukt mehrmals unterqueren durfte, war auf den zweiten Blick schnell klar, wo die Irritation lag. Es waren nämlich nicht fünf, sondern nur vier Ringe und diese verwiesen eindeutig auf einen früher in Zwickau und heute in Ingolstadt ansässigen Kraftwagenhersteller, der vor der Latinisierung seines Markennamens im Jahre 1909 als „Horch“ bekannt war. Klingt komisch, war aber so.

Was nichts daran ändert, dass der unter anderem aus Blake Edwards’ Meisterwerk „Der rosarote Panther“ bekannte Wintersportort am Fuße der drei Tofane nach 1956 ein zweites Mal zum Austragungsort der Olympischen Winterspiele erkoren wurde – eine Ehre die bisher nur St. Moritz, Lake Placid und Innsbruck zuteilgeworden ist. In diesen 70 Jahren hat sich auf olympischer Ebene so einiges verändert, man könnte auch sagen, ein ungehemmtes Wachstum hat sich Bahn gebrochen. Das beginnt schon bei der Eröffnungsfeier am 6. Februar, die mitnichten im beschaulichen Cortina stattfinden wird, sondern im Mailänder Stadio Giuseppe Meazza. Eigentlich schade, denn einem Bericht der Wiener Arbeiterzeitung zufolge muss das 1956 eine recht gelungene Veranstaltung gewesen sein, getrübt höchstens durch den Dresscode des österreichischen Teams: „Dunkelblauer Anzug, dunkler Hut, grauer Mantel, grauer Schal, Männer und Frauen ganz gleich, und keine Farbe hellt das Bild auf. Die Hüte erwecken den Eindruck der Geschäftlichkeit (sic!) und wie sie dann in langer Dreierreihe stehen, fehlt nur noch die Aktentasche: eine unglückliche Vorstellung bei den Olympischen Spielen.“ Was das Team Austria aber nicht davon abgehalten hat, hinter der erstmals teilnehmenden Sowjetunion den zweiten Platz im Medaillenspiegel zu belegen.

Insgesamt 24 Entscheidungen gab es 1956, bei der diesjährigen Auflage werden es 116 sein, was zu etwas weiteren Anfahrten führt, um die äußerst großzügig verstreuten Wettkampfstätten zu erreichen. Denn im Vergleich zu den ca. 400 Kilometern, die alle, die mit Kufen an den Sohlen um Medaillen kämpfen, auf dem Weg nach Mailand zurückzulegen haben, waren die 14 Kilometer zum grandios gelegenen Lago di Misurina, auf dem seinerzeit die Eisschnellläufer ihre Runden drehten, geradezu ein Klacks. Dazu passt gut, dass das österreichische Eishockey-Team gleich am ersten Wettkampftag mit einem 2:2 gegen Gastgeber Italien für eine Überraschung sorgte, was sich allerdings rasch relativieren sollte, weil man tags darauf dem späteren Bronzemedaillengewinner Canada mit 0:23 unterlag, obwohl das Team Canada kein Nationalteam war. Es handelte sich vielmehr um die Kitchener-Waterloo Dutchmen, denen man kurzerhand das Ahornblatt auf die breite Brust geklebt hatte.

Am Rande der Entscheidungen gab es noch einen aus heutiger Sicht eher absurden „Wettbewerb“, bei dem es darum ging, wer die jüngste Teilnehmerin der Spiele war. Vieles sprach für Marika Kilius aus Frankfurt am Main, die am Tag der Eröffnungsfeier zwölf Jahre und zehn Monate alt war, bis Carolyn Krau, ebenfalls Eisprinzessin, aus dem Westen von London klarstellte, dass sie fünf Monate jünger war. Auch sonst hatte man bei unseren nördlichen Nachbarn, die erstmals in der olympischen Geschichte mit einer gesamtdeutschen Mannschaft antraten, selten Grund zum Feiern und fand sich mit zwei Medaillen im gleichnamigen Spiegel abgeschlagen auf Platz neun wieder, während Österreich stolze elf Metallplaketten einheimsen konnte.

In der Arena di Verona wird das olympische Feuer erlöschen.
In der Arena di Verona wird das olympische Feuer erlöschen.(Bild: AFP/MARCO BERTORELLO)

Warten wir ab, was Cortina 2.0 uns noch alles bescheren wird, bis am 22. Februar das olympische Feuer in Italien wieder erlöschen wird. Und zwar nicht in Cortina d’Ampezzo, was offenbar langweilig wäre, sondern in der Arena di Verona, bekanntlich seit jeher eines der Mekken des Wintersports.

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