Ein Jahr Dornröschenschlaf, dann endlich Strom vom Dach. Doch kaum läuft Wiens PV-Vorzeigeprojekt, folgt die Ernüchterung: Der Ertrag ist so mager, dass ein Bewohner die Amortisation erst in 291 Jahren erwarten darf.
Ein Jahr lang war sie fertig, bezahlt und völlig nutzlos. 73 Solarpaneele am Dach eines Wiener Mehrparteienhauses, montiert im August 2024, Investitionssumme über 81.000 Euro – doch kein einziges Kilowatt floss. Die Photovoltaikanlage lag im Tiefschlaf, während die erste Wartung schon drohte. Erst das Einschreiten der „Krone“ brachte Bewegung in die Sache. Ein Datenfehler bei Wien Energie, hieß es später, verzögerte alles.
Getrübtes Happyend
Am 10. Dezember 2025 war es dann so weit: Die Anlage lieferte erstmals Strom an die Hausparteien. Endlich kam Sonnenenergie vom Dach – pünktlich zur dunklen Jahreszeit. Die anfängliche Euphorie wich allerdings rasch einer nüchternen Erkenntnis.
Denn der grüne Ertrag ist überschaubar. Die Anlage arbeitet nur wenige Stunden rund um die Mittagszeit, ein Speicher fehlt. In der ersten Woche deckte der Sonnenstrom gerade einmal 2,242 Kilowattstunden von insgesamt 37,084 Kilowattstunden ab – das sind magere sechs Prozent Eigendeckung.
Jahresersparnis: „satte“ 7,14 Euro
Umgerechnet bedeutet das für einen der Bewohner: eine jährliche Ersparnis von rund 7,14 Euro beim Stromarbeitspreis. Sein Anteil an den Errichtungskosten beträgt jedoch 2080 Euro. Die Rechnung ist ernüchternd und zugleich unfreiwillig komisch: Die Amortisation würde nach 291 Jahren erreicht sein. „So bleibt mir nur die Hoffnung, dass an künftigen sonnigen Tagen der Anteil der Eigendeckung noch steigt“, schreibt der mittlerweile 81-Jährige mit trockenem Humor. Ob er das Ende der Rechnung noch erlebt, bezweifelt er selbst.
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