„Krone“-Autor Harald Petermichl staunt über die ganzen neuen Pokalbewerbe, die der Fußball-Weltverband mühelos aus dem Ärmel zaubert. Die letzte neu geschaffene Trophäe durften die Profis von Paris St.-Germain einheimsen, dürften sich aber auch gefragt haben, wofür sie eigentlich geehrt wurden.
Keine Ahnung, ob das jemand registriert hat, aber am Mittwoch ist wieder mal ein von der FIFA veranstaltetes überflüssiges Turnier zu Ende gegangen, unter Einbeziehung fast des gesamten Erdkreises. Begonnen hatte die Veranstaltung mit dem Titel „FIFA Intercontinental Cup“ am 14. September, wenn auch unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit. Teilgenommen haben sechs Clubs und es gab insgesamt gerade mal fünf Begegnungen, um sage und schreibe vier Pokale zu gewinnen; vermutlich ein neuer Rekord, was die Wahrscheinlichkeit der Trophäeneroberung betrifft. Der Einfachheit halber haben drei der fünf Matches in Qatar stattgefunden, dem Epizentrum des Weltfußballs. So kommt niemand durcheinander, analog zur U17-WM, die bis 2029 alljährlich und ausschließlich im Emirat stattfinden wird.
Wozu der ganze Zauber? Das kann tatsächlich nur jemand fragen, der nicht mit dem allerheiligsten FIFA-Prinzip „Die Masse macht‘s“ vertraut ist. Denn die Sache ist sonnenklar: Weil die neue Klub-WM nur alle vier Jahre stattfinden wird, musste ein weiteres Format aus dem Hut gezaubert werden, damit Fußballfans auf der ganzen Welt bis zur nächsten Austragung 2029 nicht unter den üblen Folgen des kalten Entzugs zu leiden haben. Und dieses Format bietet, wie es die FIFA formuliert, „die perfekte Gelegenheit, im Vorfeld der neuen Klub-WM, globale Sportrivalitäten zu entwickeln und zu stärken“. Aha! Aber der Reihe nach: Der erste Cup wurde bereits am 23. September vergeben, als Pyramids FC aus Ägypten gegen Al-Ahli aus Saudi-Arabien den „Afrika-Asien-Pazifik-Pokal“ ergatterte. Der zweite Pokal, für das „FIFA Amerika-Derby“, ging an Flamengo Rio de Janeiro (2:1 gegen Cruz Azul aus Mexico), ebenso der dritte („FIFA Challenger Cup“) durch ein 2:0 gegen Pyramids FC.
Zum entscheidenden Match um den eigentlichen „FIFA International Cup“ kam es nun am Mittwoch in Doha. Eine „Partie auf überschaubarem Niveau“ zwischen Flamengo und einem Pariser Vorortclub aus Saint-Germain-en-Laye, bei dem die Cariocas am Ende vier Strafstöße verballerten und keinen dritten Pokal einpacken konnten. Der steht jetzt als weiterer Staubfänger in der Vitrine des Clubeigentümers Qatar Holding. Ob diese Veranstaltung in die Sport-Annalen eingehen wird oder doch ein Fall für Fußball-Nerds bleibt, wird man sehen, aber niemand muss sich Sorgen machen, dass es in den nächsten Jahren Tage geben könnte, an denen keine ungemein wichtigen von der FIFA organisierten Begegnungen stattfinden. Wir sind wirklich alle sehr erleichtert.
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