Er überfiel Passanten in Vorarlberg und forderte Geld. Weigerten sich diese, schlug er zu. In einem Fall hielt er einem Opfer sogar einen Schraubenzieher an die Brust. Im Schöffenprozess am Landesgericht Feldkirch wurde der 15-jährige Täter am Freitag verurteilt.
Wie sich das Leben hinter Gittern anfühlt, durfte der erst 15-jährige Bursche bereits erfahren. Seit seiner Verhaftung am 4. November sitzt das Früchtchen nämlich in Untersuchungshaft. Als er am Freitagmorgen von zwei Justizwachebeamten in den Verhandlungssaal geführt wird, warten bereits Bewährungshelferin, der Vater und die ehemalige Pflegemutter des Problemburschen im Zuschauerraum. Letztere bricht in Tränen aus, als sie ihren einstigen Schützling hereinkommen sieht. Ein Milchbubi, mit erstem Bartflaum, das schüchtern und etwas verloren wirkt.
Als Baby ein Schütteltrauma erlitten
Als die vorsitzende Richterin Sabrina Tagwercher das Wort an den Angeklagten richtet, spricht sie betont langsam. Denn der 15-Jährige ist aufgrund eines im Babyalter erlittenen Schütteltraumas in seiner Disposition eingeschränkt. „Er kann zwar Unrecht erkennen, jedoch nicht entsprechend handeln“, erklärt die Verteidigung den geistigen Zustand ihres – laut psychiatrischem Gutachten dennoch zurechnungsfähigen – Mandanten. Angeklagt ist der Schulabbrecher, der bis zu seiner Verhaftung im November in einer Notschlafstelle gewohnt hat, wegen mehrerer schwerer Straftaten im Zeitraum Ende September bis Anfang November in Vorarlberg. Immer ging es um Geld. Immer war Gewalt im Spiel.
Lange Reihe an Straftaten in kurzer Zeit
In Hohenems etwa versetzte er vor einer Trafik einem 72-jährigen Pensionisten einen Faustschlag ins Gesicht, weil ihm dieser keinen Euro geben wollte. Eine 18-Jährige packte er am Arm und forderte sie auf, ihm alles zu geben, was sie bei sich habe. Als sich die junge Frau weigerte, schlug er auf sie ein und versetzte ihr zudem einen Fußtritt in den Bauch. In Dornbirn hielt er einem jungen Mann, der gerade Geld vom Bankomaten abgehoben hatte, einen Schraubenzieher an die Brust. Das Opfer zeigte sich jedoch wehrhaft und stieß den Angreifer von sich.
Eine besonders irre Aktion lieferte der 15-Jährige dann vor dem Dornbirner Rathaus im Zuge einer Hochzeitsfeier. In der Annahme, die Frau gehöre zur Hochzeitsgesellschaft, sprach er eine Rentnerin barsch an: „Ich werde diese Hochzeit crashen. Ich bin Moslem und habe eine Bombe dabei.“ Worauf die 56-Jährige umgehend die Stadtpolizei informierte. Kurz darauf wurde der 15-Jährige verhaftet.
„So was tut man nicht, ich weiß“
Im Prozess zeigt sich der Angeklagte weitestgehend geständig. „Es tut mir alles sehr leid. So was tut man nicht, ich weiß.“ Es seien Frustaktionen gewesen, weil er kein Geld hatte, sagt er. Dass die Opfer kein Schmerzensgeld fordern, ist sein Glück. Auch, dass er im Gefängnis sein Leben nochmals überdacht hat. „Ich will meinen Schulabschluss machen, bin mit Bewährungshilfe und Therapie einverstanden und auch mit einer Unterbringung in einem betreuten Wohnheim.“ Der Schöffensenat sieht das am Ende auch so.
Trotz der richterlichen Weisungen erfolgt dennoch ein Schuldspruch wegen versuchten schweren Raubes und Körperverletzung – 18 Monate Haft, davon zwölf auf Bewährung. Nachdem der Bursche schon einen Monat in U-Haft abgesessen hat, könnte er nach Verbüßung der Halbstrafe bereits im Februar auf freiem Fuß sein. Das Urteil ist rechtskräftig.
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